Am Rande des Deutschen Naturschutztags Ende September 2010 in Stralsund stellte Reinhard Piechocki sein druckfrisches Buch "Landschaft - Heimat - Wildnis" vor, das die Frage des Untertitels behandelt: Schutz der Natur - aber welcher und warum?
Ausgerechnet am Naturschutztag eine solche Frage zu erörtern, mag verwundern. Kaum denkbar, dass Ärzte bei einem Medizinertag so grundsätzlich ihre Tätigkeit beleuchten. Doch das Schutzobjekt von Naturschützern umfasst nicht nur Homo sapiens, sondern die ganze biologische Vielfalt. Komplexe Sachverhalte allgemeinverständlich auf den Punkt zu bringen, ist eine besondere Fähigkeit des promovierten Biologen Reinhard Piechocki von der Internationalen Naturschutzakademie auf der Ostseeinsel Vilm - einer Außenstation des Bundesamtes für Naturschutz. Sein brillant geschriebenes Buch sollte Pflichtlektüre für berufliche Naturschützer sein und ist den Ehrenamtlern sehr ans Herz zu legen.
Der Titel des Werkes kommt etwas umständlich daher - im Gegensatz zum Inhalt. Mit bestechender Klarheit und erzählerischem Geschick erklärt Piechocki die Philosophie des Naturschutzes, seine Weltbilder und seine Argumentationsmuster. Damit hält er Naturschützern einen Spiegel vor, in den viele ungern schauen werden. Denn mit Entsetzen erkennt man dort eigene Denkfehler und Feindbilder. Reinhard Piechocki kritisiert charismatische Polarisierer wie Horst Stern, obwohl er zu den einflussreichsten Naturschützern Deutschlands gehörte. Mit dem oft provozierenden Ökologen Josef Reichholf würde er gerne ein Podiumsgespräch führen, sagte er bei der Buchvorstellung. Für einen Naturwissenschaftler überraschend bemängelt Piechocki die Ökologisierung des Naturschutzes. Dabei macht er es sich nicht so leicht wie manche Planer und Politiker, die nur durch Nützen schützen wollen. Denn die Sicherung von Schutzgebieten könne man als Trauerarbeit angesichts der Verluste von Natur und Landschaft ansehen. - Die optimistische und humanistische Botschaft des Buches steht im Epilog wie ein Fazit: Naturschutz als Kulturaufgabe!