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Zwischen der Enge des Gefängnisraums und der schier unendlichen Weite eines nomadisierenden Wanderbühnenlebens haben sich die kleinen Geschichten eingerichtet, die Siegfried Lenz in seiner Erzählung Landesbühne vor seinen Lesern ausbreitet. Dabei schildert er noch die unerhörteste Begebenheit mit einer derartigen Selbstverständlichkeit, die im sanften Tonfall der Ich-Perspektive nirgendwo befremdet. Im Buch zeigt selbst die oberflächlichste Episode allegorische Tiefe. „Ihr Chor sang vermutlich gerade Wem Gott will rechte Gunst erweisen“, heißt es einmal in Landesbühne über ein Foto, das das Nelkenfest dokumentieren soll, „und da sie bei dem Wort ‚Gott’ das Blitzlicht traf, bildeten ihre Münder ein ebenmäßiges dunkles Loch“. Hintergründiger, doppelbödiger kann man wohl kaum von Sinn und Unsinn auf der Lebensbühne, von Wahrheit und Lüge, Fülle und Leere im Spiel des Daseins schreiben.
Vielleicht ist es die traurigste, aber auch hoffnungsfrohste Botschaft der Erzählung, dass man aus dem Gefängnis seiner Existenz nicht ausbrechen kann. Und so bleibt auch Hannes beim letzten großen Fluchtversuch der Landesbühne mit dem Professor lieber in der Haftanstalt, um sich darin in aller Freundschaft einzurichten. Die Jahre des Sturms und Drangs sind längst vorbei. Doch Platz für Phantasie, so lehrt uns dieses schöne, altersweise Buch, ist in der kleinsten Zelle. -- Thomas Köster
Rätselhafte Dinge geschehen im Gefängnis Isenbüttel. Während einer Theateraufführung verlassen Häftlinge ungehindert das Gelände. Und kurz darauf feiert ein idyllisches Städtchen talentierte Schauspieler - die gar keine sind. Mit dem Hereinbrechen der Kunst und angetrieben von Gefühl, Leidenschaft und Phantasie entdeckt ein ganzes Gemeinwesen seine Möglichkeiten zu Größerem.
Und niemand scheint Verdacht zu schöpfen. Oder sind alle - der Intendant der Landesbühne, der Gefängnisdirektor, der Bürgermeister und die Bürger von Grünau - Teil einer grandiosen Inszenierung? Die Ausreißer selbst scheinen keine Ahnung zu haben. Werden Sie zurückkehren in ihre Zellen? >P<
Turbulent geht es zu auf der Bühne des Lebens. Geradezu labyrinthisch ineinander verschlungen sind die Geschichten, die das Leben schreibt, und die der Phantasie im Roman von Siegfried Lenz, denen man so lustvoll folgt.
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