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5.0 von 5 Sternen
Reclaim the game!!!, 25. November 2002
Eins vorweg: der vorliegende Band „Im Land der tausend Derbys" von Hartmut Hering ist keine reine, trockene Auflistung der Fussballgeschichte des Ruhrgebietes. Es ist auch nicht der Anspruch des Herausgebers; vielmehr spürt man von Beginn an, das das, was den Fussball ausmacht und wo seine Wurzeln liegen wichtiger sind, dem Leser rüberzubringen, als ein saloppes aufzählen der Triumphe von Borussia Dortmund und Schalke 04 in jüngerer Zeit.Die Gliederung des Buches ist gewöhnungsbedürftig. Die Einordnung der Geschichte der Vereine in den Gesamtkontext verläuft dekadenweise. In Abständen von jeweils ca. 10 Jahren wird die kulturelle, gesellschaftliche und sportliche Entwicklung und die jeweiligen Interdependenzen dargestellt. Dies passiert allerdings nicht in der aufeinanderreihung einzelner Kapitel, sondern durch das einpflechten von weiteren Hauptmerkmalen und wechselweisen Darstellen von regionalen Vereinsgrößen (Jede Ruhrgebietsregion wird differenziert betrachtet), städtischen Rivalitäten (jedes Ballungsgebiet wird genauestens unter die Lupe genommen) und Randnotizen, die nicht in einen chronologischen Ablauf eingebracht werden können. Lesenswert sind am Bespiel Duisburg die Entwicklungen früherer Vereine, wie den Duisburger SV, Hamborn 07 und den Meiderischer SV (heutiger MSV Duisburg) bis zur heutigen Zeit, in der die jeweiligen Vormachtstellungen einzelner Clubs erläutert werden. Aber nicht nur über die Region bekannte Vereine gelangen in den Fokus der Autoren, auch heute relativ unbekannte Vereine wie Hellweg Lüttgendortmund, VfR Sölde oder der SV Sodingen (Fast-DM-Finalist 1953!!!) finden Eingang in die Historie. Es ist gelungen, das Sportjournalistische Niveau der hervorragenden „Werkstatt" -Reihe „Große Traditionsvereine" durch eine vorzügliche Recherche und viel Herzblut auch auf „Kleine Traditionsvereine" zu übertragen. Heraus kam ein Buch, das nicht nur den Sporthistorisch interessierten anspricht, sondern auch für Freunde des Fussballs, die ihr Spiel aus den Klauen des Großkommerzes (Kirch) zurückreißen wollen. Die Botschaft lautet: „Reclaim the game"!!!
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