...eine junge Frau namens Rose Drayton, die in einem schmalen Streifen Niemandsland zwischen der technologischen Realität einer amerikanischen Kleinstadt mit WalMart und Sozialversicherungsnummer und einer spiegelbildlichen magischen Welt mit blaublütigen Adligen versuchte, in Armut ihre beiden Brüder großzuziehen. Ihre Mutter war nach losem Lebenswandel früh gestorben, ihr Vater nie da, wenn man ihn brauchte, und Roses schlimmster Fehler war, bei einem Dorffest ihre magischen Fähigkeiten zur Schau zu stellen, die normalerweise nur bei den Blaublütigen zu finden sind. Seither waren alle hinter ihr her, um sie als Gebärmaschine oder Sklavin auszunutzen. Jegliche Illusionen über Männer im allgemeinen und Adlige im besonderen hat Rose seither verloren.
Als eines Tages der wie einem Märchen entstiegene Lord Declan Camarine vor ihrer Tür steht, denkt Rose "schon wieder einer", kann ihn aber nicht vergraulen. Aus Geldmangel muß sie ihm zähneknirschend Kost und Logis gewähren, handelt aber aus, daß er drei von ihr gestellte Herausforderungen erfüllen muß, um sie in seine magische Heimat als Ehefrau mitnehmen zu können. Nicht so einfach, wie es sich zunächst anhört...
Die zweite Serie des Autorenduos unterscheidet sich deutlich von ihrer überaus erfolgreichen Kate-Daniels-Serie. Die Szenerie lebt vom Kontrast zwischen der magischen Welt, die überaus märchenhafte Züge trägt, der amerikanischen Alltagsrealität mit Technologie und McDonalds, sowie dem Grenzgebiet dazwischen, in dem ganz eigene Regeln gelten und das von Gesetzlosigkeit, Selbstjustiz und dem Recht des Stärkeren geprägt wird.
In diesem Umfeld ist Rose eine bewundernswerte junge Frau, die sich mit Putzjobs abrackert und ihre außergewöhnlichen Brüder versucht zu verantwortungsvollen Personen heranzuziehen, was nicht einfacher wird durch deren ungewöhnlichen Eigenschaften: George ist ein Nekromant, der seine Lebenskraft verausgabt, indem er unter anderem den Großvater Cletus widernatürlich magisch am Leben hält (und der in der Scheune angekettet werden muß, weil er sonst Hundehirn verschlingt und davon berauscht wird), Jack ist ein Werluchs, der seine Instinkte nur dank viel Kontrolle bändigen kann.
Der in ihr Leben tretende Adlige stellt den sprichwörtlichen Märchenprinzen dar mit allem was dazu gehört, auch die weiteren Elemente der Handlung (bösartiger Magier, Höllenhunde, Kräuterhexen, das Schloß, aus dem der "Prinz" stammt) könnten einer Geschichte der Gebrüder Grimm entnommen sein; Aschenputtel kommt einem dabei als erstes in den Sinn.
Dies wäre bei allem Talent der Autoren etwas zuviel an zuckersüßer Perfektion mit einem vorhersehbaren Happy-End à la "und wenn sie nicht gestorben sind...", gäbe es nicht als Gegengewicht einen spitzfindigen Humor mit einigen erfrischenden Ideen, eine Heldin, die sich auch nicht von einem Traummann herumkommandieren läßt und ihm auf Augenhöhe begegnet, sowie einige überraschende Wendungen; z.B. besteht eine der Aufgaben Declans darin, George davon abzubringen, sich mit seinen nekromantischen Aktionen langsam aber sicher selbst umzubringen. Hier scheint der ganze Einfallsreichtum der Autoren durch, und der Plot in seiner Gesamtheit geht durch diese Mischung auf und funktioniert tadellos. Auch wenn wenn man kein Märchenfan ist, lohnt es sich, die Geschichte zu lesen.