Andreas Altmann war unterwegs in Australien.
Peter A. Bruns war ihm auf den Versen.
Die Bücher des versierten Autors Andreas Altmann, lassen sich nicht mehr an zwei Händen abzählen. Im Land der Regenbogenschlange. Unterwegs in Australien, ist sein elftes Buch. Ich durfte also einen großen Schatz an literarischer Erfahrung annehmen. jedoch, don't judge a book by it's cover.
Der Autor Altmann, hat sein Buch, mit dem vorangestellten Motto von André Gide, Ein Buch ist verfehlt, welches den Leser unversehrt lässt", ohne Not einem Anspruch ausgesetzt, den es, jedenfalls für mich, nicht erfüllen konnte. Ich fühle mich nach der Lektüre, so unversehrte" wie zuvor.
Altmann möchte die Menschen besser machen". Das ist ehrenwert und er appelliert darum, verzweifelt an seine Leserinnen und Leser. Er denkt und schreibt wie ein flotter, junger Reporter, obwohl er immerhin auf die Sechzig zugeht. Das zeichnet einen guten Bericht aus, und mehr soll sein Buch auch nicht sein, laut Vorwort. Ein Bericht (kein Roman) für die Minderheit" und nicht für die Tranigen, die Luxusgeschöpfe, die Glotzer, die Virtuellen, die Langschläfer und all die anderen ..." und so eifert Altmann fort und fort und schließt nach Gutdünken aus, wer Einlass begehrt, wie ein Türsteher vor einer Disco. Jedoch warum? Was ist so besonderes in dieser Buch-Disco" zu finden? Ich wollte es wissen, schlich mich rein, obwohl eine innere Stimme mir sagte, was kommen würde. Na gut, ich las also weiter. Mit Sprüchen großer Meister" wie eben Gide es war und ihren goldenen Weisheiten, ist es ja oft so eine Sache. Wie Autor Altmann, Mister Rosenberg auf Seite 287 sagen lässt: Lass dich nicht verführen, denk für dich selbst." Das versucht der Autor auch durchweg über 319 Seiten lang, bis er am Ende, buchstäblich ausrutscht. Australien hat ihn zuletzt umgehauen. Um mehr dürfen Leserinnen und Leser nicht bitten. Doch, von vorn.
Wer von Europa nach Australien fliegt, verliert einen Tag seines Lebens", schreibt Altmann als ersten Satz, nach diesem frechen Vorwort", indem er, wieder voller Zorn, mit den Arrivierten der Welt abrechnet. Ein Faible von ihm. Ich dachte: Einen Tag seines Lebens verlieren", kann man auch beim lesen.
Schimpfen ist jedermanns gutes Recht und einem Reporter (der Altmann auch ist)nimmt man das nicht krumm. Altmann wollte, Zitat: dem Leser einen dicken Brief schreiben, ein Buch eben". (Jesus Maria, schrieb Jean Paul nicht dickere Briefe an Freunde?") Es ließt sich aber eher, wie eine Publikumsbeschimpfung. Altmann klärt mich jedoch von Seite 111 bis 113 auf. Er zieht vom Leder, über jene, die ihn dauernd kritisieren und zeigt wie tolerant er doch ist und nun? Was ist? Ich verstehe ihn ja durchweg. Als Siebzehnjähriger habe ich auch gedacht: Lieber Gott, die Welt ist schlecht, mach eine andere!" Aber warum all das in diesem Buch, mit diesem Umschlagsbild. Solch pubertärer Frust ist was für die Titanic. Oh Altmann. Willst du die Ursach erforschen, warum du kein Seraphim wurdest? Entdecke erst Stolzer! Weswegen du keine Milbe geworden". Usw. schreibt E. C. Kleist an Herrn Sulzer.
Andreas Altmann flog also nach Australien, doch während des Lesens meinte ich, einer flog übers Kuckucksnest". Die Seiten sind voll von Paris-Hilton-Typen, Burkini-Storys, sogar Prinzessin Diana und Prince Charles kommen vor und die BBC, die ABC und Tom Dick and Harry. O-Ton: Man will schmunzeln, und dann will man schreien". Wie wahr. Seine überhebliche Kritik, in sein literarisches Werk, wahllos eingestreut, an jeder Unvollkommenheit der Menschen nörgelnd, sein ständig erhobener Zeigefinger nervte mich zunehmend. Dass die Welt zu 49% von Dummheit regiert wird, wissen wir Bücherwürmer ja.
Altmann schreibt auch durchaus schöne und interessante, lesenswerte Zeilen über Australien und die Landschaft, die Menschen die er dort traf. Doch flugs werden die Zeilen, will man sie einmal pur genießen, immer wieder, wie italienische Nudelgerichte mit Parmesan bestreut. Mit bekanntem, weltkritischen Käse eben. Schade, sehr schade. Die bekannten Perlen vor ...
Moralisches und/oder pathetisches (auch ruhig außergewöhnliches) Handeln seiner Protagonisten, ist spannender zu lesen, als ätzende Monologe. Die Seiten sind voll von ungewöhnlichen Typen, denen Altmann auf Schritt und Tritt begegnet, oder die im Flieger neben ihm sitzen, und er versucht sie zu beschreiben und da liegt sein Problem. Diese Kritik an Mensch und Tier, taucht auf fast jeder Seite auf, wie aus der Pistole geschossen, und verschwindet im Pulverdampf.
Es regnet Menschen wie junge Hunde" und wie junge Hunde, entwickeln sie, nur in Ansät-zen, literarischen Charakter. Der Hintergrund der Menschen, ihre Umgebung, wird ebenso behan-delt. Die Landschaft Australiens zieht meistens, nicht immer, beim lesen so substanzlos vorbei, wie in einem Daumenkino. Ich höre gern NDR-Kultur, und empfand die Buchseiten so, als hätte mein Welt-Empfänger, von Seite zu Seite, ständig unkontrolliert zum Enjoy-Radiosender gewechselt, kreischende Musik mit Banalitäten vermengt, und sämtlichen Weltproblemen. Vom Leiden der Aborigines" bis zu Plattitüden wie: Geld wäre weder gut noch schäbig. Die Frage ist immer, wie man damit umgeht". Das alles, samt Werbung und Negativnachrichten im 15 Minuten-Takt. Das hat wenig mit Australien zu tun. Fair Dinkum Mate.
Hermann Hesse, mein Jugendidol, wird mir von Wolke sieben aus, wieder mit dem Zeigefinger drohen, denn er schrieb: Urteile sind nur wertvoll, wenn sie bejahen, jedes verneinende, tadelnde Urteil, wenn es als Beobachtung noch so richtig ist, wird falsch, sobald man es äußert".
Sei's drum, es mag stimmen, sicher wird es stimmen, doch ich sag's trotzdem: der Inhalt des Buches, wird seinem Umschlag, mit dieser Regenbogenschlange, dieser mythischen, australi-schen Flusslandschaft, nicht gerecht. But, what the ... Sorry about that, Hermann.