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Moviemans Kommentar zur DVD: Ein interessantes Experiment mit einer, für Wenders, neuen und faszinierenden Technik. Dem Zuschauer mag das nicht ganz klar werden, denn die mäßige Bildqualität und der selten voll ausgeschöpfte Ton überzeugen nur wahre Wenders-Fans. Schade, dass die technischen Details mit der inhaltlichen Stärke des Filmes nicht ganz mitzuhalten vermögen.
Bild: Die digitale Technik steht hier auch inhaltlich ganz im Vordergrund. Körnige Handkamerabilder sind prägend für "Land of Plenty", nicht zuletzt geht es ja auch inhaltlich um Videoüberwachung und ihre Schwächen. Bewusst wurde fast der ganze Film aus der Hand gedreht, was seinen ganz eigenen Charme ausmacht. Stellenweise, vor allem in den künstlich ausgeleuchteten Szenen ist die Schärfe einwandfrei (00:03:46, Hautporen von Lana), zumeist aber überlagern ein permanent vorhandenes Grieseln, Halos (00:09:58, Körperumriss), Mosquito Noise (01:18:26, Dachpappe) sowie große Felder mit Blockrauschen (00:12:53, Wand) die potenziell schönen Bilder. In seinem ersten Spielfilm hat der deutsche Kameramann Franz Lustig geradewegs aus dem Flugzeug oder dem fahrenden Auto heraus gefilmt. Eingebunden wurde, was man so gesammelt hatte, für Pre-Takes war keine Zeit. Das sind gute Voraussetzungen für einen anspruchsvollen Low-Budget-Streifen, nicht aber wirklich interessant für die Freunde hochauflösender Bilder. Die Kontraste sind da schon eher lobenswert, denn trotz Schwächen in den Übergängen zeigen sich diverse Schwarz- und Grauabstufungen. Wunderbar setzen sich gegen die körnige Bildwelt einzelne Experimente mit Zeitraffer und überzogenen Sättigungs- und Kontrastwerten ab (00:59:13, Sonnenaufgang). Mehr davon bitte!
Ton: Die durchaus dynamisch angelegte Soundkulisse ist leider nicht ganz ausgereift, da die vielfältigen Möglichkeiten des Surrounds nicht genutzt werden. Ein einzelner Helikopter, der von rechts hinten nach links vorne vorbeirauscht (00:23:27), weiß den potenziellen aber kaum eingesetzten Umgang mit Räumlichkeit anzudeuten, meist verebbt er aber viel zu schnell wieder (01:08:29, vorbeifahrendes Auto). Die Dialoge hingegen lassen sich gut verfolgen, in der deutschen Version teilweise sogar etwas überdeutlich, erweisen sie sich lediglich als etwas center-lastig. Der sensibel eingesetzte Soundtrack hingegen vermag zu überzeugen und stets zur richtigen Zeit stimmungsvoll die Bilder zu untermalen. Hier entsteht eine gelungene Harmonie mit den permanenten Straßengeräusche, die eindrucksvoll authentisch wiedergegeben werden.
Extras: Neben den üblichen Beweihräucherungen des Regisseurs beantworten die Hauptdarsteller einige interessante Fragen zu ihrer Einstellung zu Amerika. Der Audiokommentar mit Wenders sanfter, fast einschläfernder Stimme ist unverzichtbar, zumindest dann, wenn es nicht der erste Wenders-Film ist, den man sich ansieht. Hier ergeben sich stellenweise sogar richtig komische Momente, irgendwo zwischen Patriotismus, Pannen und Humanität. Kommentare über die digitale Kameraarbeit und das Bildformat sind aufschlussreich, liegen allerdings nur als Text vor. Auf die B-Rolls lässt sich getrost verzeichten, hier sieht man nicht wirklich mehr als den Kameramann mit der erwähnten Handkamera oder natürlich den großen Meister persönlich. Wem's beliebt! --movieman.de
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Dieser Film ist Wim Wenders Beitrag zu der Zeit nach dem 11. September 2001. Er erlebte mit, wie seine Wahlheimat sich veränderte. Verschlossen und misstrauisch wurde. Das fürchterliche Attentat, das in unserem kollektiven Gedächtnis fest verankert ist, und die Regierung Bush, hat das Land tief gespaltet. Jeder Mensch, der vor und nach 9/11 in den Staaten war, spürt den Unterschied bereits bei der Einreise, am Flughafen.
Das "Don't come knocking", Wenders aktueller Film, wegen Finanzierungsproblemen im Sommer 2003 nicht gedreht werden konnte, erwies sich als ein Glücksfall für alle Wenders-Film-Fans. Diesem Umstand haben wir es zu verdanken, dass es nun "Land of Plenty" gibt. Er wurde in Rekordzeit mit minimalem Aufwand "aus der Hand" gedreht, und kam mit einem Etat von nur 500.000 Euro aus. Ein weiterer Glücksfall in diesem Zusammenhang war, dass in jenem Sommer eine 21-jährige Schauspielerin für eine Rolle in "Don't come knocking" vorsprach. Sie bekam sie nicht, weil sie zu jung war, aber Wenders war von der Ausstrahlung dieser jungen Frau so berührt, dass er ihr wenige Monate später die weibliche Hauptrolle in "Land of Plenty" gab: Michelle Williams. (Zur Zeit ist sie in deutschen Kinos in "Brokeback Mountain" als Alma zu sehen. Erfreulich, dass Hollywoods Schauspielerinnen auch ganz natürliche Frauen sein dürfen.)
Michelle Williams ist Lana, eine junge Amerikanerin, die mit ihren Eltern lange Zeit im Nahen Osten gelebt hat. Nun ist sie zurückgekommen, mit dem Auftrag ihrer verstorbenen Mutter, einen Brief zu übergeben. Er ist an ihren einzigen noch lebenden Verwandten in den Staaten gerichtet, Onkel Paul (John Diehl), dem Bruder ihrer Mutter. Paul ist ein ehemaliger Soldat, ein Veteran des Vietnamkriegs, der damals nicht unbeschadet zurückkam, wie so viele andere auch. Dieser Krieg und seine Soldaten wurden sehr schnell aus dem Bewusstsein verdrängt. Trotzdem ist Paul ein Patriot, ein Mann, der seine Heimat liebt und stolz auf Amerika ist. 9/11 hat alte Wunden in ihm aufgerissen und seiner Psyche schwer zugesetzt. Er will sein Land vor weiteren Terroranschlägen schützen, fährt mit einem mit allerlei altem Überwachungsgerät ausgestatteten, nahezu schrottreifen Kleinbus unermüdlich durch die Straßen von L.A. und überwacht alles und jeden. Jeder, der arabisch aussieht, ist für ihn ein Feind seines Landes. Oft schläft er im Bus. Ein normales, geregeltes Leben kennt er nicht mehr.
Lana ist bei einem Freund ihres Vaters untergekommen. Er leitet eine Mission, die eine Armenküche im Zentrum von Los Angeles unterhält. Hier leben die Armen, die Kranken, die Süchtigen, die Obdachlosen. Diese Menschen bilden den Bodensatz der Erfolglosen, die es im sonnigen Kalifornien nicht geschafft haben. (Es gibt in diesem Film nur wenige Komparsen. Wenders hat in den Straßen des alten Zentrums von L.A. gedreht. Die gezeigte Umgebung mit all ihrem Dreck und bitterer Armut ist real, lediglich die Mission ist fiktiv und wurde in den Räumen einer historischen Feuerwache eingerichtet, in der Nähe des Million-Dollar-Hotels.) Es wird eine Weile dauern, bis sie ihrem Onkel begegnet. Sie ist erschüttert über die sozialen Zustände in ihrer Heimat, über die Kluft zwischen Arm und Reich. In der Mission verkehrt ein arabisch aussehender Mann, der sich in den Augen ihres Onkels sehr verdächtig gemacht hat. Kurz nach der ersten Begegnung zwischen Lana und Paul wird dieser aus einem fahrenden Luxusgeländewagen heraus erschossen. Für Paul ist klar: Er ist einer großen Verschwörung gegen sein Land auf der Spur. Die idealistische Lana mit ihrer altruistischen Einstellung denkt ganz anders. Sie möchte, dass der Mann ein ordentliches Begräbnis erhält und forscht nach Angehörigen des Toten. Es findet sich ein Bruder, der in einem kleinen Ort in der kalifornischen Wüste lebt, in einer trostlosen Gegend, dominiert von einer heruntergekommenen Chemiefabrik. Onkel und Nichte machen sich gemeinsam auf den Weg.......Er wird am Ground Zero enden, mit der Botschaft, dass den vielen Opfern des Anschlags vom 11. September 2001 keine weiteren folgen sollen.
Das Ende des Films zeigt schließlich eine lange Fahrt quer durch die Vereinigten Staaten, unterlegt von Leonard Cohens titelgebenden Song "Land of Plenty". Ein wichtiger Film, ein guter Film, aber keine leichte Unterhaltung.
Das Zusatzmaterial des Filmes ist gut. Wie immer ist der Audiokommentar von Wim Wenders hervorragend.
Lana, die liberale junge Frau, kommt zurück in ein Amerika, nach dem 9/11.
Sie sucht ihren Onkel Paul, den Vietnam Veteran der nach 9/11 seinen eigenen "Krieg" gegen den Terror führt.
Durch Lügen und Panikmache seiner Regierung (die ihn schon im Krieg mit Giftgas geschädigt hat) steigert er sich in Verschwörungstheorien.
Er verfolgt und beschattet Turban- und Bartträger in L.A. (der Hauptstadt der Armut in USA....dorthin werden auch die Ärmsten der Umgebung gebracht, weil sie dort aus klimatischen Gründen schonmal nicht erfrieren können!)
Wenders zeig ein Amerika voller nationalistischer Parolen, Flaggen, Klingelton-Hymnen und rechtem Gedankengut, das seine große Chance nach 9/11 "zu einer besseren Welt" beizutragen unter der Bush-Regierung nicht nutzte, sondern die Toten dadurch entehrte, dass der Tag für die eigenen Zwecke (Krieg) missbraucht wurde und das Land mit samt der Welt weiter gespalten hat.
Die Extras der DVD sind auch reichlich vorhanden. Audiokommentar wie immer sehr gut! (Watch the Kolibri, it`s real!)
Durchaus auch ein Film im Sinne von Michael Moore, jedoch "gewichtiger"!
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