Ich kann mir kaum zwei unterschiedlichere Stücke eines Komponisten vorstellen als Franz Lehárs größte Erfolge:
Auf der einen Seite die Lustige Witwe, eine leicht frivole und (selbst)ironische Boulevard-Komödie, entstanden um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Die Musik von Lehárs erstem Welterfolg hat Charme, Schwung und Raffinement, deren sich auch ein Johann Strauss oder Jacques Offenbach nicht hätten schämen müssen, so zwanglos und elegant reihen sich hier die Ohrwürmer aneinander.
Dem gegenüber ist die Vorlage zum fast 30 Jahre später entstandenen Land des Lächelns eine kitschige Schmonzette mit pseudo-exotischen Figuren, hölzernen Charakteren und dümmlichen, unfreiwillig komischen Texten. Musikalisch hat Lehár aus dieser schwierigen Vorlage das beste, nämlich quasi eine One-Man-Show für seinen Lieblingstenor Richard Tauber gemacht, dem er einen Hit nach dem anderen auf den Leib komponierte - vor allem und gleich mehrfach "Dein ist mein ganzes Herz."
Auch die beiden Aufnahmen könnten kaum unterschiedlicher sein, obwohl sie mit denselben Sängern und teilweise sogar am selben Tag aufgenommen wurden:
Das Land des Lächelns kann ich mir schlicht nicht besser vorstellen:
Vor allem der damals noch ganz zu Beginn seiner Weltkarriere stehende Nicolai Gedda zeigt eine überragende Leistung: Er singt die Hauptrolle so leicht und elegant, dass er die drohenden Kitsch-Untiefen locker umschifft. Elisabeth Schwarzkopf schafft das Kunststück, aus der Lisa einen echten Charakter und eine fast gleichwertige Partnerin für den Tenor zu machen und aus ihren wenigen, musikalisch weniger bedeutenden Soli echte Kabinettstückchen. Dazu bilden Erich Kunz und Emmy Loose ein sehr charmantes Buffopaar. Angenehm fällt auch auf, dass die Dialoge auf ein notwendiges Minimum beschränkt werden und mit viel Selbstironie gesprochen werden, so dass sie nicht allzu unangenehm auffallen.
Die Aufnahme der Lustigen Witwe ist nicht ganz so perfekt geraten:
Zwar singen Schwarzkopf (als überschäumend temperamentvolle, witzige, wunderbare Witwe) und Gedda hier nicht weniger stilsicher und engagiert. Ein Problem ist jedoch Erich Kunz in der männlichen Hauptrolle: Der Graf Danilo ist für einen Tenor geschrieben, auch wenn er oft von einem hohen Bariton gesungen wird. Kunz aber war Bassbariton, so dass die Rolle für ihn - soweit möglich - nach unten transponiert werden musste. In den Ensembleszenen ging das natürlich nicht mit der Folge, dass seine Melodien teilweise nur im Orchester zu hören sind, während er praktisch die Begleitung singt. Und so deutet er die Rolle eigentlich nur an, wenn auch sehr sympathisch und charmant. Emmy Loose klingt für Valencienne, die Ehebrecherin mit der unklaren Vergangenheit, etwas zu niedlich und unschuldig, wenn auch entzückend, und die Sänger der Nebenrollen fallen etwas ab. Dadurch haben die Ensembleszenen nicht ganz den üblichen Pep.
Dem Produzenten Walter Legge war offenbar klar, dass ihm mit dieser Aufnahme (noch) nicht der große Wurf gelungen war. Deshalb hat er die Lustige Witwe
1962 noch einmal aufgenommen, wieder mit Schwarzkopf und Gedda, aber einer im übrigen geeigneteren Besetzung. Erst diese zweite Aufnahme ist so gelungen wie es das Land des Lächelns schon 1953 war.