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Land der Finsternis. Fremde Heimat Indien
 
 
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Land der Finsternis. Fremde Heimat Indien [Gebundene Ausgabe]

Vidiadhar S. Naipaul
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Kurzbeschreibung

Der in England lebende Autor V. S. Naipaul unternahm eine Reise nach Indien, die Heimat seiner Vorfahren. Je weiter er in das Riesenland vordrang, je besser er es kennenlernte, desto tiefer wurde er sich seiner Fremdheit bewußt. Seine Analyse: Die gebildeten Schichten des Landes haben die westlichen Wertmaßstäbe kritiklos übernommen, während zugleich traditionelle Konzepte weitergepflegt wurden, so daß die indische Gesellschaft insgesamt an einer Art Schizophrenie krankt. Der Rückflug nach London wird für Naipaul zur Flucht.

Autorenportrait

V.S. Naipaul, geboren 1932 in Trinidad, Romancier, Reiseschriftsteller und Journalist indischer Herkunft, lebt seit 1950 in Großbritannien und gilt als bedeutendster Vertreter der englischsprachigen Autoren aus dem früheren Empire. Die meisten seiner Werke sind ins Deutsche übersetzt, u.a. "Ein Haus für Mr. Biswas" (1961), "Herr und Sklave" (1974) und "An der Biegung des großen Flusses"(1980). "Ein Weg in der Welt" (1995) und "Land der Finsternis" (1997).
Naipaul ist Literatur-Nobel-Preisträger 2001.

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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schonungsloser Realismus, 2. Mai 2002
Naipauls "Land der Finsternis" ist eine schockierende und zugleich ehrliche Beschreibung der indischen Gesellschaft in den 60er Jahren. Das Buch vermittelt aus der Perspektive des "kolonialisierten Heimkehrers" das negative Bild eines im mittelalterlichen Kastensystem erstarrten, rational kaum faßbaren Indien. Dabei begeht Naipaul allerdings nie den Fehler, seine Beobachtungen und seine teilweise versteckten Kommentare als allgemeingültig darzustellen, sondern verweist stets auf die Individualität seiner Erkenntnisse. Für esoterisch oder sonnenhungrig orientierte Indienreisende ist das Buch sicherlich wenig interessant. Leser, die hingegen eine neue Perspektive auf den faszinierenden, für Europäer unglaublich fremden Subkontinent und Kulturraum kennen lernen wollen, finden im "Land der Finsternis" eine selten gesehene Fülle an Informationen und Gegenüberstellungen. Naipauls subtiles Einfühlungsvermögen in die Psyche fremder Menschen und in sein eigenes Denken machen das Buch zu einem flüssig lesbaren, zugleich aber philosophisch tiefgründigen Lesevergnügen.
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen eine harte Abrechnung mit einem faszinierenden Land, 12. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Land der Finsternis. Fremde Heimat Indien (Gebundene Ausgabe)
V.S. Naipauls Werk "Land der Finsternis", oder im englischen Original "An Area of Darkness", ist ein Buch über Indien. Der Autor ist auf Trinidad geboren und aufgewachsen, jedoch Nachkomme indischer EinwanderInnen. Seine erste Reise, Anfang der 60er Jahre, in die Heimat seiner Vorfahren hat Naipaul in diesem Buch reflektiert und semi-autobiographisch beschrieben. Leider ist es eine harte Abrechnung mit einem faszinierenden, widersprüchlichen Land. Es ist sehr interessant, eine Darstellung Indiens zu verfolgen, welche gegeben wurde von einem, der zwar das Land nicht kennt, doch dem die Kultur, im weit entfernten 'Exil' in Trinidad, vertraut ist. Er ist ein Fremder, doch kein Außenseiter. Genau beschreibt er all die Gefühle, die er bei der Reise durch den Subkontinent erfährt. Trotz all der Härte, mit der er das Land beschreibt, und obwohl er es nie zu lieben lernt, wird er wiederkommen, und zwar Mitte der 70er Jahre, und auch diese Erfahrung in einem Buch niederlegen ("A Wounded Civilization").
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4.0 von 5 Sternen Ein Inder kultugeschockt in Indien, 26. März 2009
Von 
Roman Nies (Helibrunna) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Naipaul, der den Nobelpreis für Literatur 2001 gewann, geboren auf Trinidad als Sohn indischer Eltern, wohnhaft in Großbritannien, beschreibt sich in diesem Buch als ein Fremder in Indien. Das Land seiner Vorväter zwar, aber für ihn ein unbekanntes und unerkanntes Land.
Zwar kannte er das Kastenwesen, die strengen Rituale, die Speisevorschriften der Brahmanen, doch das wahre, echte Indien bedeutet für ihn dann doch einen Kulturschock: "Es war als hätte man mir einen Teil der Realität genommen... Ich hatte kein Gesicht mehr."
Das kommt davon, wenn man seine Wunschvorstellungen zu lange hegt und pflegt! Naipaul bereist halb Indien, aber er findet nirgendwo die Heimat, nicht einmal im Dorf seines Großvaters. Durch das ganze Buch zieht sich der pessimistische Grundton, der ihm auch oft von seinen Landsleuten vorgeworfen wurde. Naipaul ist ein Ästhet.
Wenn man Indien bereist, wird man mit allerlei unästhetischem konfrontiert. Daran hat sich seit den sechziger Jahren, als Naipaul seine erste Indienreise unternahm, bis zum heutigen Tag wenig geändert. Schlimmer dürfte aber dem Autor aufgestoßen sein, dass die angebliche Spiritualität der Inder allzu oft unterbelichtet - finster eben - rüberkommt. Der Autor ist maßlos enttäuscht, über das, was er in Indien zur Kenntnis nehmen muss. Und er klagt an. Er zieht ins Lächerliche, er hat Mitleid und er empfindet Zorn, manchmal Abscheu.
Schon auf der ersten Seite stellt er fest: "Die Inder hatten noch nicht gelernt, wie man ihn (Käse) herstellt, so wie sie noch nicht gelernt hatten, Zeitungspapier zu bleichen." Na und? Dafür haben sie die Spiritualität. Und zwar gleich so viel davon, dass sie die materiellen Seiten des Lebens vernachlässigt haben. Wozu Hygiene in den Küchen, wenn man sowieso als Kanalratte wiedergeboren wird? Und das ist eine der Lieblingsbeschäftigungen des Autors, zu beschreiben, was die Inder alles nicht können. Indien als "Chaos aus unökonomischen Bewegungen und hysterischem Lärm".
Naipaul ist exakt in seinen Worten. Ich habe mehr als ein Jahr in Indien verbracht und kann daher sagen, was Naipaul beschreibt, stimmt. Ich würde auch den meisten seiner Schlussfolgerungen zustimmen. Endlich einmal einer, der nicht den zahllosen idealisierenden Indiendarstellungen, die man meistens zu lesen bekommt, eine weitere hinzufügt! Es gibt viel Positives, was man über die Inder sagen kann - alles hat seine Zeit und seinen Ort; aber hier ging es dem Autor darum, ein konträres Bild zu dem zu zeichnen, was er selber erwartete. Er hatte in einer heile-Welt-Vorstellung gelebt. Diese zerbrach jetzt gründlich.
"Auf der Reise von Athen nach Bombay hatte nach und nach ein neues Bild vom Menschen Gestalt angenommen, eine neue Art von Herrschaftsgebaren und Unterwürfigkeit...Die Menschen waren zu Herabgewürdigten und innerlich Deformierten geworden, sie winselten und betteln."
Aber war dafür nicht das Britische Kolonialwesen schuld gewesen, dem er doch selber entsprossen war. Die Bildung, die er genossen hatte, war ein Teil eines Systems gewesen, die auch den Indern des Empire gezeigt hatte, dass sie sich dem zu unterwerfen hatten. Und am besten bis auf den Fußboden. Mehr Solidarität wird der Autor erst auf der zweiten Indienreise und im zweiten Buch über Indien zeigen.
Er ist erstaunt über sich selbst, erstaunt über seine Reaktionen, fremde Umgebung- fremde Gefühlsregungen - neue Selbsterkenntnis. Die Selbstbeobachtung bringt es ans Licht, man passt sich an, verändert sich. Da entstehen beim Autor innere Unruhe, Verzweiflung und schleichende Abstumpfung, wenigstens in letzterem trifft man sich wieder mit den Einheimischen.
Naipaul nennt es indische Negation, die Grundlage seiner Gedanken und Gefühle geworden war. Seine Abreise gleicht einer Flucht, das indische Abenteuer endet "in Sinnlosigkeit und Ungeduld, mit unnötiger Grausamkeit, Selbstvorwürfen und Flucht." Viele Augenblicke der Unwirklichkeit, in denen das Urteilsvermögen im Stich lässt. Indien war nicht das erweiterte Haus der Großmutter, indem alles vertraut war. Die indische Fähigkeit einen Teil der Wirklichkeit auszublenden, auch wenn sie offensichtlich war, hatte sich seiner noch nicht bemächtigt.
"Was bei anderen Menschen die Grundlage einer Neurose gewesen wäre, war für den Inder bloß Teil einer umfassenden Philosophie der Hoffnungslosigkeit, die zu Untätigkeit, Distanz und Hinnahme führte". Und diese Philosophie, erkennt der Autor, war auch ein Teil von ihm, daher das jähe Erschrecken.
Eine schmerzhafte, ja demütigende Erkenntnis! Er kommt zu dem Schluss: "Es ist nur gut, dass Inder ihr Land nicht direkt und unverstellt betrachten können, denn das Elend, das sie dann sähen, würde sie in den Wahnsinn treiben. Und es ist nur gut, dass sie kein Geschichtsbewusstsein haben, denn wie sollten sie sonst zwischen den Ruinen hausen und welcher Inder könnte die letzten tausend Jahre seiner Geschichte studieren, ohne Schmerz und Wut zu empfinden? Es ist besser, sich in Fatalismus und Phantasien zu flüchten, auf die Sterne zu vertrauen, in denen aller Schicksal festgeschrieben ist ... und den Fortschritt, den der Rest der Welt macht, mit dem müden Langmut dessen zu betrachten, der das alles schon lange hinter sich hat!" Dreißig Jahre später wird er nicht mehr von Schmerz und Wut berichten, sondern Selbstbewusstsein und Kommerzdenken.
Auch in diesem Buch von Naipaul geht es um die Entwurzelung des Menschen, mehr noch von seinen Selbsttäuschungen und der Unverdrossenheit beim Aus- und Durchleben von Widersprüchen und selbst auferlegten Lebenshemmnissen. Wer heute Indien bereist, erlebt alles dies und dazu noch vieles anderes, anderes was Hoffnung macht, anderes was einen genauso ratlos macht wie Naipaul.
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