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Die attraktive Grazia ist Mutter dreier Kinder und etwas anders als die restlichen Bewohner der idyllischen italienischen Insel Lampedusa. Denn Grazia flippt manchmal aus und schlägt dabei über die Stränge. Grund genug für die Dorfgemeinschaft, die lebenslustige Frau als Verrückte abzustempeln. Als sich auch noch ihr eigener Ehemann unter dem Druck der Nachbarn gegen sie stellt, nimmt Grazia Reißaus und versteckt sich in einer Höhle hoch über den Klippen. Da rührt sich bei der Bevölkerung das schlechte Gewissen.
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Herrlich poetischer, wunderbar fotografiertes und exzellent gespieltes Drama von Emanuele Crialese, der zum einen Lampedusa, dem südlichsten Punkt Europas, ein Denkmal setzt, zum anderen dem Neorealismus eines Roberto Rossellini seine Ehre erweist. Italo-Diva Valeria Golino betört als Außenseiterin voll unbändiger Energie. Das Hohelied auf das Leben und die Liebe, das 2002 in Cannes den Publikumspreis gewann, basiert auf einer Legende, die Crialese aufgeschnappt hat. Anhänger des italienischen Kinos werden in Verzückung geraten.
Blickpunkt:
Eine Legende inspirierte Emanuele Crialese zu diesem magischen Movie über eine junge Mutter, deren Träume mit der Wirklichkeit kollidieren, die sich nicht an die strengen Regeln einer kleinen italienischen Insel hält und deshalb als verrückt gilt. Valeria Golino begeistert als Weib voll unbändiger Lebenslust, das gegen jegliche Norm einen Ausflug in die Freiheit wagt. [BR][BR]Das oft totgesagte italienische Kino zeigt sich hier vital. Emanuele Crialese gehört zu den Talenten einer neuen Filmemachergeneration und sammelte Erfahrungen im Ausland. Neun Jahre arbeitete er in den USA und erhielt Meriten für seinen ersten - in englischer Sprache gedrehten - Spielfilm 'Once We Were Strangers'. Nach seiner Rückkehr lebte er als Fischer sechs Monate auf der Insel Lampedusa im Süden Siziliens und hört so allerlei Stories, darunter auch die von einer verrückten Frau, die auf ihn normal wirkt. [BR]Den poetischen Stoff verarbeitete er zu einem Drama in der Tradition des Neorealismus. Die schöne Grazia stört das Ambiente des kleinen Inseldorfes, in dem alles seine Ordnung hat, wo die Männer zur See fahren und die Frauen in der Fischfabrik arbeiten, die Jungen sich prügeln und die Mädchen flirten und flanieren. Die Mutter dreier Heranwachsender irritiert durch ungebührliches Verhalten, ihre natürliche Sinnlichkeit und ihre Launen. Was nicht passt, wird passend gemacht: Auf Druck von Freunden und Verwandten erklärt sich Ehemann Pietro bereit, Grazia zur psychologischen Behandlung nach Mailand zu schicken. Die denkt aber nicht daran, sich kaputtdoktern zu lassen, sondern versteckt sich in einer Höhle hoch über den Klippen, unterstützt von ihrem 13-jährigen Sohn, der sie mit Essen und Kleidung versorgt. Bei den Dorfbewohnern rührt sich das schlechte Gewissen. Sie glauben, die attraktive Außenseiterin in den Tod getrieben zu haben. [BR]Crialese gelingt ein in Atmosphäre und Mentalität sehr italienischer Film ohne die üblichen Folklore-Klischees. Er fokussiert sich auf die Hauptfigur, die durch Nacktbaden, exzessive Körpersprache oder allein schon durch süßes Nichtstun aneckt. Die betörenden Bilder in Primärfarben drücken Seelenzustände aus, verbunden durch eine leise Melancholie (traumhafte Sequenzen vermitteln die Unterwasseraufnahmen von Kameramann Fabio Zamarion). [BR]Die Geschichte funktioniert als eine Art Märchen für Erwachsene, soziale Strukturen der Insel ohne wirtschaftliche Zukunft dienen nur als Folie, als Auslöser eskapistischen Verhaltens. Eine große Rolle spielt in dieser die Fantasie anregenden Fabel die karge Landschaft und das Meer, ein mythischer Ort unkontrollierter Gewalt analog den unterdrückten Gefühlen. Crialese setzt die Natur-Elemente bewusst ein - so wird das Wasser als zerstörerische, aber auch als erlösende Kraft gefeiert, das Feuer übt dagegen reinigende Funktion aus. Daneben Szenen des Alltags und der erwachenden Sexualität bei den Dorfjugendlichen, die sich auf noch unbekanntem Terrain austesten. [BR]In diesem Film-Lampedusa mit einer irrlichternden Valeria Golino als temperamentvollen Mischung aus Hexe und Fee scheint in vor Hitze flirrender Luft die Zeit stehengeblieben zu sein, erinnert der Ort in seiner Nostalgie an eine untergegangene Welt mit festen Ritualen - Fundus für fast archaisch ausbrechende Emotionen. Dass der Zuschauer sich gerne auf dieses visuell aufregende Filmabenteuer einlässt, dafür spricht der Publikumspreis in Cannes 2002. mk.
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Atmosphärische, warmherzige Verfilmung einer Insellegende über eine von ihrer Dorfgemeinschaft verbannte junge Mutter.
Kurzbeschreibung
Die Insel Lampedusa - zwischen Sizilien und Nordafrika - ist eine beschauliche kleine Welt für sich. Die Männer fahren zur See, die Frauen arbeiten in der Fischfabrik. Nur die schöne, aber eigensinnige Grazia, Mutter zweier aufmüpfiger Jungs und eines pubertierenden Mädchens, ist jedem hier ein Dorn im Auge.
Mit ihren wilden Gefühlsausbrüchen und ihrem stürmischen Temperament ist sie eine ständige Provokation für ihre Umgebung. Als sich sogar ihr Ehemann Pietro unter dem Druck der Dorfgemeinschaft von ihr abwendet, trifft Grazia eine dramatische Entscheidung...
Mit ihren wilden Gefühlsausbrüchen und ihrem stürmischen Temperament ist sie eine ständige Provokation für ihre Umgebung. Als sich sogar ihr Ehemann Pietro unter dem Druck der Dorfgemeinschaft von ihr abwendet, trifft Grazia eine dramatische Entscheidung...
Produktbeschreibungen
Sie heißt Grazia und ist wie das Meer abgründig, voller Höhen und Tiefen, einmal sanft, ein Wärmestrom der Zärtlichkeit, dann wieder aggressiv, stürmisch wild. In jedem Fall zu unberechenbar, zu kompliziert für die Bewohner von Lampedusa, einer Insel im Süden Siziliens, wo man sich eben so durchs Leben schlägt. Die Männer fahren zur See, die Frauen arbeiten in der Fischfabrik. Droben auf den Klippen erproben sich die Jungen in Revierkämpfen oder bei der Vogeljagd. Und abends geht es dann, fein geschniegelt und gebügelt, in die Via Roma zum Flanieren, zum alten Spiel zwischen ragazzi und ragazze. Eigentlich wäre alles in Ordnung, wäre da nicht diese Grazia, Mutter eines pubertierenden Mädchens und von zwei aufmüpfigen Buben. Der Dorfgemeinschaft sind die sinnliche Unbefangenheit der jungen Frau und ihre wechselhaften Launen ein ständiger, irritierender Dorn im Auge. Die meisten halten Grazia schlicht und einfach für verrückt. Pietro, ihr Ehemann, fühlt sich mehr und mehr unter Druck gesetzt, bis er schließlich einverstanden ist, seine Frau zu einer Behandlung nach Mailand zu schicken. Aber Grazia läuft davon. Und Pasquale, ihr 13jähriger Sohn, wird - allein gegen alle - Mittel und Wege finden, seine über alles geliebte Mutter zu beschützen...