"Lakota Woman" ist die Biographie einer "halbblütigen" Indianerin aus dem Stamm der Oglala-Sioux in South Dakota, im mittleren Norden der USA. Kennzeichnend für das Leben von Mary ist der Zwiespalt, in dem sie sich befindet. Ihre Mutter ist Indianderin, ihr Vater, den sie nie kennenlernte, Weißer. Einerseits wird sie von den Weißen ebenso diskriminiert wie die "Vollblut"-Indianer, andererseits wird sie von ihren Stammesangehörigen oftmals nicht als "vollwertiges" Stammesmitglied akzeptiert. So spiegelt ihre Lebensgeschichte die Suche nach der eigenen Identität wider. Sie schreibt: "Wie oft wünschte ich mir, ich könnte mich von meinem weißen Blut reinigen". Erzählt wird, welche Unterdrückungen sie während ihrer Kindheit und Jugend von den Weißen erleiden mußte. Sie wurde gezwungen, eine Missionsschule zu besuchen und ständig angehalten, ihre traditionelle Kultur und ihre Sprache aufzugeben: "du mußt den Indianer in die abtöten, um den Menschen zu erlösen. Es ist ein Klima, das von Rassismus tief durchdrungen ist. Ein Höhepunkt dieser Biographie ist zweifelsohne der Bericht über die weithin bekannt gewordene Belagerung und das Massaker um Wounded Knee durch das FBI im Jahre 1973. Der Leser bekommt eine Vorstellung von den Mythen, die die Indiander zusammenhalten lassen und von ihrer Ausdauer im Widerstand gegen die weiße Herrschaft. Für den an der Kultur der amerikanischen Ureinwohner interessierten hält das Buch eine Fülle von Details aus der religiösen und kulturellen Tradition -sei es Peyote, die Schwitzhütte oder Sonnentanz- bereit, die Mary mit ihrem Ehemann Leonard Crow Dog erlebt hat. Was dieses Buch so packend macht, ist die indianische sprichwörtliche Heißblütigkeit, die ständig präsent ist. Dennoch ist es kein naives, schwärmisches Buch. Am Ende fragt man sich, was denn nun heute aus all den Hoffnungen auf eine gerechtere Gesellschaft ohne Rassismus geworden ist. Die Antwort kann das Buch nicht liefern. Doch wer dieses Buch gelesen hat, der wird sie in neuerer Literatur zu finden wissen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)