Als der Lakota Schamane Alan eines Abends auf den heroinabhängigen David trifft, sagt ihm eine innere Stimme, dass er sich um ihn zu kümmern habe, was er natürlich tut, da sein Leben bestimmt wird von diesen Stimmen der Ahnen. Wie die Autorin nun wortgewaltig, wie das für diese Art von Lektüre ungewöhnlich ist, die Entwicklung der Beziehung der beiden schildert, hat mich stark beeindruckt: Ein wenig barock, doch der Situation angemessen, bewegt sich der Plot doch immer zwischen Realität und Traum, dem trostlosen Reservat und der geheimnisvollen Sphäre der Ahnen.
Die Autorin schildert, wie die Lakota von dem weißen Lumpenproletariat, das in der Umgebung wohnt, gehasst werden, niemand sich jedoch für sie und ihre von der Verfassung garantierten Rechte einsetzt.
Dies weiß ein einflussreicher Neonazi, der die Weltherrschaft erringen will, auszunutzen - und von nun an geht's bergab. Der Plot wird zusehends unwahrscheinlicher, die vorher geraunten Hinweise auf Schuld und tragische Verwicklungen werden immer verwickelter, bis sie zur Unkenntlichkeit verwaschen sind. Wenn diese barocke Sprache allerdings verwendet wird, um Trivialitäten zu verbreiten, fängt es an, abgeschmackt, kitschig zu werden. Die von mir vorher bewunderte Sprache wird zum zähen Schleim, durch den ich mich nur mit letzer Kraft bis ans Ende durchgekämpft habe. Und da erwartet den Leser noch sadistische Vergewaltigung, was verwundert, da es in dem gesamten Verlauf des Buches zu keiner körperlichen Vereinigung kommt, Umarmung, die dazu dient, wieder Kraft zu schöpfen, ist das Höchste der Gefühlte: Und das ist - für meinen Geschmack - auch gut so gewesen.
Hätte die Autorin sich darauf beschränkt, eine Romanze zwischen den beiden Protagonisten zu beschreiben, die durch die Aggression von außen in ihrer Entfaltung bestimmt worden wäre, wäre ihr womöglich der große Wurf gelungen. Es mussten aber Aktionen der CIA und Welteroberung durch Nazis sein: Und das war nun gleich ein paar Nummern zu groß. Schade eigentlich. Da ich das erste Drittel aber sehr beeindruckend fand, gebe ich doch noch drei Sterne.