Die größte Schwäche dieses Buchs ist leider gleichzeitig die Basis der Sprache: die Aussprache. Diese ist hier so vereinfacht und fehlerhaft dargestellt, dass man sich – was schade ist bei dem Aufwand, den es kostet, eine solche Fremdsprache zu lernen – leider von Anfang an Fehler eintrainiert, ohne es zu merken.
Das „a“ im Lakota ist keineswegs generell lang auszusprechen wie, laut Autor, im deutschen „Vater“, das „l“ wird im Lakota eben nicht „wie im Deutschen“ ausgesprochen, und warum im deutschen Wort Taube das „T“ weich, im Wort „Tasse“ aber hart sei, wird das Geheimnis des Autors bleiben (es gelingt ihm nicht, ein weiches „t“ zu erklären, das zwischen dem deutschen „t“ und „d“ liegt – es hängt mit der Aspiration zusammen), ebenso, wie man das Lakota-„K’“ ausspricht, das schlicht als abgehackter Laut „erklärt“ wird. Dass zur Umschrift der Aussprache das „I“ erst als „I“ angegeben ist, es dann im Buch aber plötzlich als „ie“ auftaucht, ist missverständlich und hätte einer Erklärung bedurft, usw. usf..
Manch andere kleine Fehler werden für die Sprachpraxis keine weiteren Folgen haben, aber man fragt sich, wie es angehen kann, dass jemand, der laut Buchrücken Deutsch und Englisch zumindest studiert hat, z.B. davon spricht, dass das deutsche „ich“ einen Kehllaut enthalte (S. 20)?
Eine besondere Didaktik benutzt das Buch nicht und ist damit weit entfernt von aktuellen Entwicklungen in der Sprachvermittlung. Die Lektion beginnt mit einem abgedruckten Dialog, danach folgt Grammatik. Oft findet sich die Zwischenüberschrift „Übung“, aber dann folgt meist nicht das, was man unter einer Übung versteht, manchmal sogar nur Wortlisten.
Es gäbe noch einiges andere zum Buch zu sagen, aber um es kurz zu machen: ich kann es für ein korrektes und im Endeffekt frustrationsfreies Erlernen der Sprache einfach nicht empfehlen – sehr schade!
Der Autor schreibt in seinem Buch, er hatte „selten die Gelegenheit die Sprache aktiv anzuwenden“ – eine denkbar schlechte Voraussetzung, um eine fremde Sprache praktisch zu lehren. Wer sich ernsthaft mit Lakota beschäftigt, Linguistik bzw. Sprachen studiert oder mehrere Sprachen gelernt hat, dem wird dieses Manko im Buch deutlich auffallen. Dem Laien hingegen werden mangels Kontrolle die Fehler beim Lernen nach Kruegers Buch nicht auffallen.
Dass, wie auf dem Buchrücken angegeben, die Texte des Buches vom „Holy Man“ Cecil Cross geprüft wurden, sollte einen nicht zu sehr beeindrucken, denn es ist fraglich, ob er die deutschen (Aussprache-) Erklärungen und Übersetzungen verstehen konnte. Und warum muss ein „Holy Man“ ein Sprachlehrbuch durchsehen? Das macht eher den Eindruck, das Buch stärker bewerben und ihm mehr Autorität verleihen zu wollen.
FAZIT: Lieber mit dem wesentlich besseren „Sioux / Lakota Wort für Wort“ von der Sprachwissenschftlerin Dr. Rebecca Netzel (hier bei Amazon erhältlich) oder mit englischen Lehrmaterialien, die auch nicht ideal, aber mehrheitlich besser sind, Lakota lernen.