Der Lahrer Hinkender Bote erscheint seit dem Jahr 1800 und ist damit der älteste noch erscheinende Volkskalender Deutschlands. Viele Jahrzehnte war "Dr Hinkig Bott", wie er im Alemannischen genannt wird, in den meisten badischen Haushalten das einzige Buch neben der Bibel. Heute noch dürfte im Badischen kaum ein anderes Schriftgut bei der sonst wenig relevanten Zielgruppe der über 70-jährigen einen derart hohen Marktanteil erzielen. Der Kalenderteil enthält auch Namenstage, Bauernregeln, Pflanz- und Saattermine sowie Tipps zum Gemüseanbau. Im zweiten Teil des Boten lebt dann die alte Tradition der Kalendergeschichten weiter. Erbauliches und Erstaunliches aus aller Welt wird berichtet, obwohl der Schwerpunkt auf dem alten Land Baden liegt. Das Titelbild hat sich übrigens im Lauf der Jahrzehnte kaum geändert. Es zeigt den holzbeinigen Invaliden als hinkenden Boten, im Hintergrund sind Weltereignisse durch eine Schlacht, eine brennende Stadt und ein Dampfschiff symbolisiert, während die kleine Schnecke im Vordergrund anzeigt, dass die Nachrichten von jenen Ereignissen nicht gerade brandaktuell sind.
Die Beiträge des Boten für das Jahr 2008 behandeln unter anderem die Arbeit der Salpeterer im Hotzenwald, Wissenswertes um das Welschkorn (Mais) und den Weihnachtsbaum sowie das Leben der amerikanischen Bürgerrechtlerin Sojourner Truth. Seit 2002 hat jeder Kalender auch ein mehrere Artikel übergreifendes Jahresthema, für 2008 lautet es Heilpflanzen und Kräuter. Die meisten Beiträge haben einen betont ländlichen Blickwinkel; Gesellschaftskritisches wird man hier genauso vergeblich suchen wie Anglizismen oder Anlagetipps. Der Erzählton ist dabei meist angenehm ruhig und transportiert die Beschaulichkeit eines Tages auf dem Land irgendwo zwischen Schwarzwald und Kaiserstuhl - hektisch geht's woanders zu. Schriebe Johann Peter Hebel heute seine Kalendergeschichten, er wüsste, wo er sie zu veröffentlichen hätte.