Lagardère" ist ein filmisches Epos so recht nach dem Herzen eines jeden, der Mantel- und Degenfilme schätzt. Anders als bei vergleichbaren Streifen ist kein Augenblick der Laufzeit von 199 Minuten zu viel. Thematisch fühlt man sich an Der Mann mit der eisernen Maske" erinnert, wobei der Roman von Paul Féval meiner Meinung nach inhaltlich wie konzeptionell dem von Alexandre Dumas jr. weit überlegen ist.
Die den Helden durch ganz Europa führende Geschichte hat natürlich ihre Unwahrscheinlichkeiten und Schwächen. Sie halten sich jedoch in Grenzen, so daß man großzügig über derlei Unstimmigkeiten hinwegsehen kann.
Lagardère" ist ein Fest für die Augen (Landschaftsaufnahmen, Szenerie, Interieurs) und die Sinne (die bezaubernde Aurore der Clio Baran, die frauliche Schönheit der von Florence Pernel gespielten Inès). Und der Held präsentiert sich so, wie man es in einem solchen Bilderreigen erwartet - edel, stolz, hilfsbereit, attraktiv, ansehnlich, viril (Bruno Wolkowitch als Lagardère und Le Bossu). Insbesondere als liebedienerischer Buckliger kann er seinem großen komödiantischen Talent bemerkenswerten Ausdruck geben.
Ihm (leider viel zu kurz) zur Seite Frédéric van den Driessche , der den Herzog von Nevers mit klassischer Männlichkeit, markigem Gebaren und romantischer Aura gibt. Beim Anblick dieses Bildes von einem Mann schlägt sicher nicht nur das Herz der schönen Inès höher. Und die Comprimarii sind ebenso bemerkenswert - Christian Hecq, der den kriecherischen Fiesling herrlich abstoßend spielt, Ticky Holgardo als schrulliger Passepoil, der wunderbare Julien Guiomar in der Rolle des Caylus. Hinzu kommen Marco Perrin, ein Koloß von einem Mann (Cocardasse) und Yvon Back, etwas blaß als Bösewicht vom Dienst.
Noch ein Akteur sollte nicht unerwähnt bleiben - das ganz entzückende, wirklich niedliche Kleinkind mit den dunklen Kulleraugen.
Die in Lagardère" enthaltenen bravourös choreographierten Fechtszenen könnten glatt als Lehrstunde der Fechtkunst durchgehen. Im allgemeinen sind derartige Betätigungen auf die Dauer eher langweilig; hier indes ist es eine wahre Wonne, den Kontrahenten zuzuschauen.
Zum Schluß läßt sich konstatieren, daß dank der einfühlsamen Regie Henri Helmans mit Lagardère" über drei Stunden beste Unterhaltung geboten werden, hervorragende schauspielerische Leistungen, prächtige Kulissen, schillernde Kostüme und rasante Fechtszenen. Was will man mehr?