Eigentlich will man von Johann Lafer doch nur eines: seine Rezepte. Selbstverständlich inklusive der Zubereitungs-Tricks, die er sich als langjähriger Profi- und Sternekoch angeeignet hat. Die eine oder andere eingestreute Anekdote aus der österreichischen Familienküche von Mutter Lafer gerne dazu.
Mit diesem kleinen Buch aber hat Johann Lafer sich ein Denkmal gesetzt. Denn Kochbücher schreiben können schließlich auch Amateure. Aber nicht jeder, und noch nicht einmal jeder Profikoch, hat zu Aal, Artischocke, Aubergine, Abalone (eine Meeresschnecke), Amuse Geule, Anchovis, und so weiter, es reicht bis Zwiebel, so viel zu erzählen, dass er mindestens eine Seite damit füllen kann. Und so erfährt man einiges über das Paarungsverhalten der Aale, über die tödliche Wirkung von Safran, darüber, dass Wachteln sehr zutrauliche Haustiere sein können, und gefühlt findet Johann Lafer alle paar Seiten einen Anlass für eine kleine Anekdote aus der prickeligen Welt des Champagners.
Sein ABC der Genüsse ist ein locker-flockig erzähltes Nachschlagewerk, und es ist eine Fleißarbeit. (Ich gehe davon aus, dass Johann Lafer den Inhalt jemandem erzählt hat, das kann er schnell, und dass dieser Jemand die Schreibarbeit für ihn übernommen hat.) Ginge es nur darum, lexikalisches Wissen aus dem Reich der Gaumenfreunden zusammen zu tragen, könnte man sagen: Das steht schon zu Hause im Bücherregal. Aber hier gehen in jeden Beitrag Lafers persönliches Wissen, seine praktischen Erfahrungen und seine Vorlieben ein. Werbung gehört wie selbstverständlich dazu, denn, so erklärt er uns im Vorwort, was nutzt es, einen persönlichen Text über Champagner zu schreiben, wenn man nicht seine Lieblingsmarke nennen darf.
Selbstverständlich geht es auch nicht ohne Mutter Lafer. Johann Lafer lässt wohl kaum eine Gelegenheit aus, in Kindheitserinnerungen zu schwelgen und die Kochkunst von Mama zu loben.
Rezepte, ja, die gibt es auch. 30 an der Zahl, das ist überschaubar, und man sollte sie hier nicht an den Lafer-üblichen Standards messen. Hier finden wir Champagner-Cocktail und andere Kleinigkeiten, den Platz für großen Zubereitungs-Aufwand lässt dieses Buch nicht.
Dennoch macht es Freude. Man muss es nicht in einem Rutsch durchlesen, aber man kann. Alles in allem ist dieses Buch ein nettes, kleines Zwischenspiel. Und nächstes Mal wünschen wir uns wieder einen dicken Wälzer mit Rezepten aus der Kreativküche.