Also zuerst einmal muss ich sagen, dass der Film die vielen 1-Stern Kritiken wirklich nicht verdient hat. Natürlich hat er ein schweres Erbe und muss sich mit dem Original aus dem Jahr 1955 messen lassen. Und der Film mit Sir Alec Guinness, sowie Peter Sellers und Herbert Lom (beide bekannt von den Inspector Clouseau-Filmen) gehört sicherlich zum Besten, was das englische Kino in den 50er Jahren auf die Leinwand brachte. Daher muss man schon einmal den Mut der Coen-Brüder bewundern, sich gerade diesen Film zum klonen auszusuchen, den jedermann liebt und schätzt. Das dieses Vorhaben nur schiefgehen kann ist natürlich klar, denn die Erwartungshaltung ist dermaßen hoch, das der Film diese Erwartungen nie und nimmer erfüllen kann, geschweige denn übertreffen.
Fairerweise muss man aber sagen, dass sich die Coen-Brüder recht tapfer geschlagen haben. Visuell ist der Film ein Genuss und die Szenen mit Tom Hanks sind wirklich einfach nur köstlich. Tom Hanks war zu Tode betrübt dass er nicht die Rolle von Kevin Spacey in "American Beauty" gespielt hat, und wollte danach unbedingt in einem Film von Sam Mendes mitspielen. Dieser Wunsch ging mit "Road to Perdition" in Erfüllung. Sein zweiter sehnlichster Wunsch war es einmal in ein Coen-Brüder-Film mitzuwirken. Und dieser Wunsch war anscheinend so groß, dass es ihm egal war in welchen - Hauptsache es steht Coen drauf. Sein Pech war nur, dass "Ladykillers" leider kein Geniestreich der Brüder war.
Ab und zu blitzt zwar das Genie von anderen Filmen durch, der Rest ist leider nicht mehr als Durchschnitt. Der "Running gag" mit dem Reizdarm von J.K. Simmons (bekannt als Zeitungsinhaber bei den Spider-Man Filmen) ist eignetlich nur grauslich, hat nichts mit der Handlung zu tun, und hat meiner Meinung nach in einem Coen-Film auch nichts verloren. Auch Marlon Wayans ewiges Getho-Gefluche geht einem nach einiger Zeit ordenlich auf den Senkel. Und Irma P. Hall als alte Lady fehlt leider auch der Charme und die Naivität einer Katie Johnson vom Original.
Aber zurück zu Tom Hanks. Jetzt lehne ich mich absichtlich sehr weit aus den Fenster, aber ich behaupte mit dieser Leistung hätte er seinen dritten Oscar bekommen MÜSSEN. Mir ist natürlich klar, dass mir jetzt Einige meine Zurechnungsfähigkeit absprechen, aber ich bleibe dabei: selten hat ein Schauspieler einen Film so getragen und eingenommen, wie es hier der Fall ist. Tom Hanks spielt diesen Prof. Dr. Goldthwait Higgins Dorr mit so einer Brillanz, und offensichtlicher Spaß an der Freude, dass man einfach nur von einer großartigen Schauspielleistung reden muss. Leider ist seine Leistung in einem eher schwächeren Film versteckt, aber nichts desto trotz ist es seine beste Leistung nach Jahren. Man merkt förmlich in jeder Szene, wie viel Spaß ihm die Arbeit gemacht haben muss, und was für ein großartige Schauspieler er einfach ist. Seine Gesten und seine Mimik sind einmalig und der Film wäre ohne ihm eigentlich unvorstellbar.
Genau wie Christoph Waltz in "Inglourious Basterds" oder Harrison Ford als Indiana Jones, kann man sich auch hier einen anderen Schauspieler einfach nicht vorstellen. Es hat den Anschein, als wäre diese Rolle nur für Tom Hank geschrieben worden, und hatte seit 1955 auf ihn gewartet. Gottseidank ist er in fast jeder Szene zu sehen, und jede dieser Szenen gehört allein nur ihm, dass hier kein Platz für einen Anderen bleibt.
Schlussendlich kann gesagt werden, dass der Film sicherlich kein Meilenstein der Komödie geworden ist, und leider zu den schwächeren Coen-Filme zu zählen ist (viele gibt's ja eh nicht). Aber Tom Hanks adelt diesen Film mit seiner Präsenz und seinem feinen Schauspiel.
Fans von Tom Hanks können hier bedenkenlos zugreifen, sie werden eine seiner besten Vorstellungen erleben. Ich hab mir den Film bereits einigemale angesehen, und mich immer wieder königlich amüsiert - allerdings nur wenn Tom Hanks im Bild ist. Gottseidank gibt es auf der Fernbedienung eine Vorspul-Taste, so kann man alle anderen Szenen schnell überspringen bis wieder der wirklich zum Brüllen komische Prof. Dr. Goldthwait Higgins Dorr auf der Mattscheibe erscheint. So kann man den Film uneingeschränkt genießen.