Ich habe schon so manchen Menschen mit meiner Meinung verstört, dass ich das, was George Michael treibt, für die ganz ganz ganz hohe, wenn nicht gar höchste Schule der Popmusik halte. Vor allem deshalb, weil sich ein George Michael immer sehr stil- und geschmackssicher von allen "Special Effects" der "anderen" ganz Großen ferngehalten hat. GM ist inmitten seines Superstar-Daseins ein sehr schüchterner Superstar geblieben. Trotz seines Ruhms eigentlich ein verkanntes Genie, weil ihn alle nur für einen Sänger mit einer fantastischen Stimme halten ...
Und allein von daher ist er schon näher an Elvis als ein Michael Jackson (der leider aus anderen Gründen schüchtern war, vor allem aber nie wirklich geschmackssicher war. Auch als Musiker nicht ...).
Vor allem: GM hat Stil und authentisches Charisma. Der Song "Round here" auf "Ladies and Gentlemen", thematisch die Kindheit von GM aufgreifend, gehört für mich zu größten Popsongs aller Zeiten, die ohne griffigen Refrain auskommen. Und auch bei allem anderen bietet GM unerhört viel Distanz zu der Rolle, die er im Weltzirkus der Popmusik spielt. Seine Musik (für alle, die es immer noch nicht begriffen haben: GM ist kein Gameboy der Plattenindustrie, sondern Songwriter und Interpret, manchmal auch kongenialer Dieb ...) ist zeitlos gut. "Last Christmas" ist die Komposition und Umsetzung eines knapp über 20-jährigen Vollblutmusikers, also eines Genies. Nur Genies komponieren und intonieren solche Songs, auf die man sich jedes Mal selbst dann freut, wenn man sie vorher schon dreihundertmal gehört hat.
"Ladies & Gentlemen" ist das Album von George Michael, das man mindestens besitzen sollte, wenn man sich aus Budgetgründen nicht einfach das gesamte Werk zulegen möchte. Ansonsten ist es irgendwie lächerlich, über einen solch begnadeten Künstler überhaupt noch Rezensionen zu schreiben. Man fühlt sich dabei so überflüssig wie jemand, der einem anderen Jemand zu erklären versucht, warum die Pyramiden von Gizeh etwas Besonderes sind.