Was dieses Werk in meinen Augen ausmacht, ist vor allem die Vielzahl von Stimmungen, die die Künstlerin durch die einzelnen Songs einfängt. Ob das nun gleich zu Beginn die friedliche Morgenatmosphäre einer Kleinstadt ist, ob es sich um verborgene, unerwünschte ("verbotene" will ich hier nicht verwenden) Liebe handelt, ob es um den machtlosen Zorn auf die Vernichtung der Natur und deren Ersatz durch Einkaufsmeilen und Parkflächen geht, ob eine mystifizierende, kryptische Atmosphäre wie in "Woodstock" heraufbeschworen wird oder ob schlicht das Aufwachsen und Erwachsenwerden eines Kindes mit melancholischem Blick beschrieben wird, die Künstlerin besticht immer wieder durch die passende musikalische Umsetzung der jeweiligen Grundstimmung.
Die Mittel bleiben dabei natürlich sehr bescheiden. Meist nur mit Piano oder akustischer Gitarre, seltenst mit Rhythm Section wird das Hauptelement der Songs, nämlich die Stimme der Künstlerin, diese überragende, großartige Stimme, begleitet, hie und da vielleicht noch mit sporadischer Bläserunterstützung.
Gut, bei einer Interpretin, die gemeinhin in die Folk-Schublade gezwängt wird, wird man wohl von vorn herein keine mehrstöckigen Verstärkeranlagen oder dröhnende Drumsounds erwarten, aber die Zutaten genügen völlig, um die Songs zu den kleinen, feinen Meisterwerken zu machen, die sie sind. Dass dabei auch mal gerockt wird, beweist vor allem "Big Yelow Taxi", denn dieser Song ist Rock'n'Roll allererster Qualität, allerdings ist es sicher nicht das Hauptanliegen der Künstlerin, genau diesen Stil zu bedienen.
Dieses Hauptanliegen würde ich eher darin vermuten, Geschichten zu erzählen, wahre und erfundene, traurige und komische, und das gelingt Ihr über jeden Zweifel meisterinnenhaft.