"Warum eigentlich werden Computerspiele wie Rasenmäher oder Friteusen getestet und bewertet? [...] Spiele bedeuten etwas. [...] Mathias Mertens, Tobias O. Meißner und andere Computerspieler nutzen die Pause vor dem nächsten Spiel, um von ihren Erlebnissen und Gedanken zu erzählen. In anderen Texten über Computerspiele. Denn es ist Ladezeit."
Dieser Auszug aus dem vielversprechenden Klappentext von 'Ladezeit. Andere Geschichten von Computerspielen' lockt. Deutschsprachige Sachliteratur zu Computerspielen erlebt langsam eine Konjunktur - und dieses Buch darf getrost als ein Vorreiter neuer Ideen angesehen werden; wenn man denn nur gründlich genug hinschaut.
Da erzählt uns Meißner beispielsweise auf nur vier Seiten etwas von einem fantastischen Gedankenspiel, was er 'Beautyruns' nennt: "Einem mitgefilmten Spieldurchlauf, der [...] möglichst schön, spektakulär und mitreißend ist", quasi als eine Nachfolgeform zum weitverbreiteten Speedrun. Oder Kevin Mentz, welcher in seinem 'Grim Fandango Walkthrough' kein Detail des Erspielens außer Acht lässt, anstatt sich nur der Handlungsabfolge hinzugeben. Andererseits bietet auch Philip Steimels Geschichte des eigenen Durchspielens von 'Max Payne 2: The Fall of Max Payne' im 'Dead On Arrival'-Modus einen Einblick in Kurzprosaform davon, was für immersive Aspekte ein Spiel beinhalten kann; aber genauso zeigt sie, wie das Medium Computerspiel mit dem Tod umgehen kann, wenn es denn nur will:
"Mona Sax ist schon zweimal gestorben. Max Payne weiß es nicht. Er scheint es zu ahnen. [...] Ich war zweimal dabei, wie sie tot in seinen Armen lag. Er erinnert sich nicht. Mona Sax. Eine starke Frau. Zweimal gestorben. Absolut. Tot."
Das sind nur einige der großartigen Themen, welche vom Spektrum der (v)erkannten Meisterwerke sowie digitaler Romantik hinreichen zu Alternativen, Gewalt und Handhabung, und einigem mehr.
Dieses Buch ist ein Prunkstück seines gleichen. Mit 33 zumeist pointiert verfassten Beiträgen in vordergründig essayistischer oder prosaartiger Form bietet 'Ladezeit. Andere Geschichten vom Computerspielen' auf 208 Seiten nicht nur kurzweilige, interessante Texte, sondern - was viel wichtiger ist - neue Ideen und Perspektiven, um Computerspiele zu betrachten.
Höchstgradige Empfehlung!