Aus der Amazon.de-Redaktion
Der nach Adams' Tod im Original erschienene Sammelband Lachs im Zweifel wird seinem Untertitel Zum letzten Mal per Anhalter durch die Galaxis allerdings in keiner Weise gerecht. Der einzige "Anhalter"-Text, die Story "Jung-Zaphod geht auf Nummer Sicher", war bereits im englischen Sammelband der "Hitchhiker"-Romane erschienen. Kernstück von Lachs im Zweifel sind die immerhin 70 Seiten eines neuen Romans um den holistischen Detektiv Dirk Gently. Dieses Fragment hat einige durchaus komische Passagen, aber er ist, vorsichtig ausgedrückt, hochgradig unausgereift und wäre zu Adams' Lebzeiten vermutlich nie erschienen.
Von größerem Interesse sind die Artikel, Kolumnen und Interviews, denn sie zeigen einen äußerst eigenständigen und eigenwilligen Denker von geradezu obsessiver Vielseitigkeit. In einem ersten Abschnitt "Das Leben" erzählt der Auor von sich selbst und erweist sich dabei als bescheidener und selbstkritischer Mensch. "Das Universum" ist dem Naturforscher und Computertheoretiker Adams gewidmet, der mit Richard Dawkins befreundet war und sogar über seinen eigenen Atheismus Witze reißen konnte.
Alles in allem also ein durchaus lesenswertes Buch, auch wenn sich der Verlag Umschlagtexte wie "Das große Vermächtnis des genialen Kult-Autors" und "eines der größten, witzigsten und brillantesten Denker unserer Zeit" besser verkniffen hätte. Damit wird eine übertriebene Erwartungshaltung geweckt, und das ist schade. Denn Lachs im Zweifel sollte neben Die Letzten ihrer Art im Bücherregal stehen -- es zeigt, dass Adams mehr konnte als nur äußerst komische Romane schreiben. --Hannes Riffel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
In Douglas Adams letztem – unvollendetem – Roman lässt der Autor einmal mehr Privatdetektiv Dirk Gently im Dunkeln tappen. Gently wird von jemandem angeheuert, den er nie trifft, um einen Job auszuführen, der nicht spezifiziert wird.
Das Buch wird ergänzt von einer eindrucksvollen Werkschau seiner wichtigsten – vielfach unveröffentlichten – Artikel, Kolumnen, Kurzgeschichten und Interviews.
Der Verlag über das Buch
Klappentext
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Bald nach Erscheinen von The Hitchhiker's Guide to the Galaxy (Per Anhalter durch die Galaxis) im Jahr 1979, wurde Douglas Adams eingeladen, in einer kleinen Science-fiction-Buchhandlung in Soho Exemplare zu signieren. Auf seinem Weg dorthin hinderte ihn eine Demonstration oder etwas Ähnliches am Vorankommen. »Es gab einen Stau, und überall sah man riesige Menschenmengen«, erinnert er sich. Erst als er sich durch sie hindurchgezwängt hatte, wurde ihm klar, daß die Leute seinetwegen gekommen waren. Am nächsten Tag rief ihn sein Verleger an und teilte ihm mit, daß er auf der Bestsellerliste der Londoner Sunday Times die Nummer eins sei, und sein Leben veränderte sich für immer.»Es war, als würde man mit dem Hubschrauber auf dem Mount Everest abgesetzt«, sagt er, »oder als hätte man einen Orgasmus ohne das Vorspiel.«
Der Hitchhiker war schon als Radiosendung Kult und wurde daraufhin fürs Fernsehen und zu einer Bühnenfassung verarbeitet. Ihm folgten vier Fortsetzungsbände, die weltweit über 14 Millionen Mal verkauft wurden. Es gab Schallplatten und Computerspiele, und jetzt, nach zwanzig Jahren der Ausflüchte in Hollywood, ist er kurz davor, ein Kinofilm zu werden.
Die Handlung beginnt auf der Erde, wo der freundliche Vorstädter Arthur Dent den Gemeinderat davon abzuhalten versucht, sein Haus abzureißen, um eine Umgehungsstraße zu bauen. Sie verlagert sich in den Weltraum, als sein Freund
Ford Prefect - manche sahen in ihm den Vergil für den Dante Dent - sich als Abgesandter eines Planeten in der Nähe des Beteigeuze zu erkennen gibt und ihm mitteilt, daß die Erde selber in Kürze zerstört werden wird, um Platz für eine Hyperraum-Expreßroute zu schaffen. Sie werden von einem Vogonen-Raumschiff mitgenommen und verlassen sich fortan auf den Reiseführer Per Anhalter durch die Galaxis -eine in der Regel verläßliche Quelle des gesamten Wissens über das Leben, das Universum und den ganzen Rest.
Adams' Kreativität und ureigener intergalaktischer Humor sollten einen durchschlagenden kulturellen Einfluß haben. Der Ausdruck »hitchhiker's guide to ...« ging rasch in den allgemeinen Sprachgebrauch über, und es gab zahlreiche platt nachgeahmte komische Science-fiction-Bücher und -Fernsehserien. Sein Babelfisch - ein kleiner Fisch, den man sich ins Ohr stecken kann, um sich von ihm alle Gespräche in die eigene Sprache übersetzen zu lassen - wurde als Name für eine Übersetzungsvorrichtung in einer Internet-Suchmaschine übernommen. Er setzte seinen Erfolg mit mehreren weiteren Romanen, einer Fernsehsendung sowie einem Buch und einer CD-ROM über gefährdete Tierarten fort. Er hat eine Internetfirma namens H2G2 gegründet, die seit kurzem über das Handy einen Dienst mit echten Informationen über das Leben, das Universum und den ganzen Rest anbietet und somit die Idee des Reiseführers wieder an ihren Ausgangspunkt zurückführt.
Große Teile seines vielen Geldes hat er offenbar darauf verwandt, seiner Leidenschaft für Technik zu frönen, aber der versponnene Science-fiction-Freak war er eigentlich nie. Er ist ein lockerer, kontaktfreudiger und massiv gebauter Zwei-Meter-Mann. Er hat im Grunde eher die Ausstrahlung eines dieser englischen Schuljungen, die in den 70er Jahren zu Rockstars wurden; und einmal hat er auch tatsächlich mit seinen Kumpels von Pink Floyd auf der Bühne im Earls Court Gitarre gespielt. Statt ein kleines Foto seiner Tochter aus der Brieftasche zu ziehen, klappt er freundlich-großkotzig seinen beeindruckend leistungsstarken Laptop auf, auf dessen Bildschirm nach ein bißchen Herumgefummele die fünfjährige Polly Adams in der Parodie eines Popvideos zu sehen ist, in der ein anderer Freund, John Cleese, einen kurzen Auftritt hat.
Das ist also aus seinem Leben geworden: Geld, prominente Freunde und hübsche Spielsachen. Sieht man sich die nackten Tatsachen seines Lebenslaufs an - Internat, die Studentenbühne »Cambridge Footlights« und die BBC -, erscheint es auf den ersten Blick nicht überraschend. Aber sein Weg verlief nicht schnurgerade über die ausgefahrenen Gleise des Establishments.
Douglas Noel Adams wurde 1952 in Cambridge geboren. Einer seiner vielen Standardgags lautet, daß er bereits neun Monate, bevor Crick und Watson ihre Entdeckung machten, DNA in Cambridge war. Seine Mutter Janet war Krankenschwester im Addenbrooke's Hospital, und sein Vater Christopher unterrichtete zunächst als Lehrer, studierte danach Theologie, arbeitete als Bewährungshelfer und schließlich als Unternehmensberater, was »ein sehr, sehr sonderbarer Schritt war«, meint Adams. »Jeder, der meinen Vater kannte, wird Ihnen sagen, daß er von Unternehmen nun wirklich nicht sehr viel verstand.«
Die Familie war »ziemlich knapp bei Kasse«, verließ Cambridge sechs Monate nach Douglas' Geburt und wohnte an verschiedenen Orten am östlichen Stadtrand von London. Als Adams fünf war, ließen sich seine Eltern scheiden. »Es ist verblüffend, in welchem Maße Kinder ihr Leben für normal halten«, sagt er. »Aber natürlich war es schwierig. Meine Eltern trennten sich, als es noch nicht so üblich war wie heute, und um ehrlich zu sein, kann ich mich kaum an etwas vor meinem fünften Lebensjahr erinnern. Ich glaube nicht, daß es eine tolle Zeit war, so oder so.«
Nach der Scheidung zogen Douglas und seine jüngere Schwester mit der Mutter nach Brentwood in Essex, wo sie ein Heim für kranke Tiere leitete. Douglas sah seinen inzwischen vergleichsweise wohlhabenden Vater an den Wochenenden, und diese Besuche führten zu Irritationen und Spannungen. Um alles noch komplizierter zu machen, kamen mehrere Stiefgeschwister auf die Welt, als seine Eltern neue Partner heirateten. Adams sagt, er habe das alles zwar in gewisser Weise als normal akzeptiert, aber »die Folge war, daß ich mich ziemlich merkwürdig benahm«. Er selbst hat sich als ein nervöses und etwas seltsames Kind in Erinnerung. Eine Zeitlang hielten ihn seine Lehrer für lernbehindert, aber als er auf die staatlich subventionierte Brentwood Prep School kam, hielt man ihn für extrem intelligent.
Die Schule hat eine beeindruckend bunte Mischung an Nachkriegsschülern aufzuweisen: Der Modeschöpfer Hardy Amies, der abscheuliche Historiker David Irving, der Fernsehmoderator Noel Edmonds, der Innenminister Jack Straw und der Redakteur der Londoner Times Peter Strothard waren allesamt vor Adams da, wogegen die Schauspieler Griff Rhys Jones und Keith Allen ein paar Jahre nach ihm kamen. Vier ehemalige Schüler - zwei von der Labour Party und zwei von den Konservativen - sind zur Zeit Mitglieder des Unterhauses.
Auszug aus Lachs im Zweifel von Douglas Adams. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Die Stimmen all unserer gestrigen Tage
Ich erinnere mich nur diffus an meine Schulzeit. Sie verstrich irgendwie im Hintergrund, während ich versuchte, den Beatles zu lauschen.
Als "Can't Buy Me Love" rauskam, war ich zwölf Während der Frühstückspause stahl ich mich aus der Schule, kaufte mir die Platte und drang in das Zimmer der Hausmutter ein, weil sie einen Plattenspieler hatte. Dann spielte ich den Song, nicht so laut, daß man mich hätte erwischen können, nur laut genug, um mit dem Ohr dicht am Lautsprecher zuhören zu können. Dann spielte ich den Song noch mal fürs andere Ohr. Dann drehte ich die Platte um und machte das gleiche mit "You Can't Do That." In dem Moment fand mich der Housemaster und ließ mich nachsitzen, genau wie ich es erwartet hatte. Das schien mir ein niedriger Preis für etwas, das, wie mir heute klar ist, Kunst war.
Natürlich wußte ich damals nicht, daß es Kunst war. Ich wußte bloß, daß die Beatles das Aufregendste im Universum waren. Mit dieser Einstellung ließ es sich nicht immer leicht leben. Einerseits mußtest du dich mit den Fans der Rolling Stones rumschlagen, und das war schwierig, weil die mit schmutzigen Tricks kämpften und hartgesottener waren. Und dann mußtest du dich auch noch mit Erwachsenen, Eltern und Lehrern rumschlagen, die meinten, daß du deine Zeit und dein Taschengeld für Schrott verschwendetest, den du eine Woche später wieder vergessen würdest.
Ich verstand nicht recht, warum sie mir das sagten. Ich sang im Schulchor und kannte mich in Harmonie und Kontrapunkt aus, und mir war klar, daß die Beatles was außerordentlich Raffiniertes waren. Mich verblüffte, daß es kein anderer hörte: unglaubliche Harmonien und ein mehrstimmiger Gesang, wie man sie in Popsongs noch nie gehört hatte. Die Beatles machten all das offenbar nur zu ihrem eigenen heimlichen Vergnügen, und ich fand es toll, daß man auf solche Weise Spaß haben konnte.
Toll auch, daß ich ihnen immer wieder nicht ganz folgen konnte. Wenn sie ein neues Album rausbrachten, ließ es mich die ersten paar Male beim Hören kalt und ratlos. Danach entwirrte es sich ganz allmählich in meinem Kopf Ich begriff, daß der Grund für meine Verwirrung darin lag, daß ich etwas hörte, was einfach anders war als alles, was je zuvor irgendwer gespielt hatte. "Another Girl", "Good Day Sunshine" und das seltsame "Drive My Car." Diese Songs sind mir heute so vertraut, daß ich mich nur mit großer Willensanstrengung daran erinnern kann, wie fremd sie mir anfangs vorkamen. Die Beatles haben nicht nur Songs geschrieben, sie haben das ganze Genre erfunden, in dem sie arbeiteten.
Ich habe sie nie live erlebt. Schwer zu glauben, ich weiß. Ich war am Leben, als die Beatles auftraten, und habe sie nicht ein einziges Mal zu Gesicht gekriegt. Darüber lasse ich mich ziemlich oft aus. Fahren Sie bloß nicht mit mir nach San Francisco, sonst werde ich Ihnen unermüdlich immer wieder den Candlestick Park zeigen und darüber jammern, daß die Beatles dort 1966 ihr letztes Konzert gegeben haben - kurz bevor mir aufging, daß man auch auf Rockkonzerte gehen kann, wenn man aus Brentwood in Essex kommt.
Ein Schulfreund von mir hatte mal Eintrittskarten zu einem Fernsehstudio, in dem die Show von David Frost aufgezeichnet wurde, aber schließlich sind wir doch nicht hingegangen. Am Abend sah ich die Sendung, und die Beatles waren drin und spielten "Hey Jude." Danach war ich ungefähr ein Jahr lang krank. An einem anderen Tag, an dem ich zufällig nicht nach London gefahren bin, gaben die Beatles ihr Konzert auf dem Dach an der Savile Row. Ich spreche nicht darüber. Nie.
Nun ja, die Jahre vergingen, und die Beatles auch. Aber Paul McCartney machte immer weiter. Vor ein paar Monaten rief mich der Gitarrist Robbie McIntosh an und sagte: "In ein paar Tagen spielen wir im Mean Fiddler. Hast du Lust zu kommen?"
Das war eine der blödesten Fragen, die mir j e gestellt wurde, und ich brauchte ein bißchen Zeit, um mir klar zu werden, was er überhaupt gemeint hatte. Der Mean Fiddler - für alle, die es nicht wissen - ist eine Kneipe in einer reizlosen Gegend im Nordwesten Londons, mit einem Hinterzimmer, in dem Bands auftreten. Etwa zweihundert Leute passen da rein.
Es war das Wort wir, das mich vorübergehend verwirrte, weil ich wußte, daß die Band, in der Robbie spielte, Paul McCartneys Band war, und ich mir nicht vorstellen konnte, daß Paul McCartney in Kneipen auftrat. Falls aber Paul McCartney doch in Kneipen auftrat, wäre der Gedanke verrückt gewesen, daß ich nicht alles auf den Kopf stellen würde, um hinzugehen. Also ging ich hin.
Vor zweihundert Leuten stand Paul McCartney in einer Kneipe und spielte Songs, die er meines Wissens noch nie in der Öffentlichkeit gespielt hatte. "Here, There and Everywhere" und "Blackbird", um nur zwei zu nennen. Ich selber hatte "Blackbird" in Kneipen gespielt, verdammt noch mal. Statt mich aufs Abitur vorzubereiten, hatte ich wochenlang die Gitarrenstimme geübt. Es kam mir fast so vor, als würde ich halluzinieren.
Es gab zwei absolut überwältigende Augenblicke. Einer war die letzte Zugabe, eine makellose, krachende Darbietung von - glauben Sie's oder glauben Sie's nicht - "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band." (Noch mal: Das fand in einer Kneipe statt!) Und der andere war einer der phantastischsten Rock'n'-Roll-Songs der Welt - "Can't Buy Me Love" - eben jener, den ich das erste Mal gehört hatte, als ich im Zimmer der Hausmutter mit dem Ohr dicht am Dansette-Plattenspieler hockte.
Es gibt ein beliebtes Spiel, bei dem man gefragt wird: "Wann hättest du am liebsten gelebt und warum?" In der italienischen Renaissance? In Mozarts Wien? In Shakespeares England? Ich persönlich hätte gern zu Zeiten Bachs gelebt. Aber ich habe mit dem Spiel echte Schwierigkeiten, weil das Leben zu jeder anderen Zeit bedeuten würde, die Beatles zu verpassen, und das kann ich mir ehrlich nicht vorstellen. Mozart, Bach und Shakespeare werden uns immer bleiben, aber ich bin mit den Beatles aufgewachsen und mir nicht sicher, ob mich etwas anderes dermaßen beeinflußt hat.
Paul McCartney wird morgen fünfzig. Herzlichen Glückwunsch, Paul. Ich hätte es um nichts in der Welt verpassen mögen.
The Sunday Times London, 17. Juni 1992