Wo die Liebe hinfällt: Es war fast Zufall, dass Linda Leaming im Jahr 1994 nach Bhutan kam, damals als Touristin und zu einer Zeit, als der Tourismus in Bhutan noch in seinen ersten Kinderschuhen steckte. Verliebt in das Land und seine Menschen hat sie sich aber augenblicklich und diese Liebe hat ihr ganzes weiteres Leben verändert. Sie verkauft Hab und Gut, zieht nach Bhutan und nimmt dort eine unbezahlte Stelle als Englischlehrerin an einer Kunstschule an. Doch schon bald merkt sie, dass ihre Schüler ihr mehr beibringen als sie ihren Schülern. Es sind die einfachen Dinge des Lebens - und Überlebens - in Bhutan: die Einstellung zu Zeit und Besitz, zu Tod und Familie, und ihr bisheriges Weltbild gerät langsam ins Wanken. Sie erkennt, dass die Menschen in Bhutan verglichen mit uns äußerlich arm, innerlich aber die vielleicht reichsten der Welt sind. Sie heiratet einen Bhutaner und lebt nun seit fast 20 Jahren in der Nähe von Thimphu, der einzigen Hauptstadt der Erde ohne Verkehrsampeln. Die Zeit läuft halt langsamer in Bhutan. Leistungsdruck ist nahezu unbekannt (mit manchmal skurrilen Auswirkungen), Bhutaner streben nicht nach Besitz und Wohlstand, ihr geradezu unwirklich menschenfreundlicher König dankte unlängst ab und führte gegen den erbitterten Widerstand seines Volkes die Demokratie ein. Sein Credo "Das Bruttosozialglück ist wichtiger als das Bruttosozialprodukt" prägt das tief religiöse Land.
Es gibt mittlerweile einige Erlebnisberichte über Bhutan, mal mehr mal weniger gut gelungen. Das Buch von Linda Leaming gehört eindeutig in die Kategorie der gelungenen. Selten ist jemand so tief in die bhutanische Seele vorgedrungen, selten wurde das Alltagsleben so anschaulich und interessant beschrieben, selten konnte ich mich in die völlig fremde Gefühls- und Gedankenwelt so lebendig hineindenken. Vielleicht war Linda Leaming ja wirklich in einem früheren Leben schon einmal Bhutanerin, wovon ihr Mann übrigens überzeugt ist, und wirkt jetzt als Botschafterin für das faszinierende Land. Dieses Buch ist weit mehr als ein Erlebnisbericht. Wer es bewusst liest, der lernt unendlich viel darüber, wie man ein zufriedenes Leben führt.
Das Einzige, was mir an "Lachen im Land des Donnerdrachen" nicht gefallen hat, ist der etwas infantile Titel, der das Thema leider völlig verfehlt. Das hat das wunderbare Buch nicht verdient.