Vorbemerkung: Meine Rezension bezieht sich auf die Ausgabe von 1992. Es ist nicht auszuschließen, daß einige der aufgeführten Schwächen sich mit der neuen Ausgabe erübrigt haben.
Zum Buch: Man mag darüber streiten, wie Labyrinthfische (speziell die gängigen und robusten Arten) zu halten sind. Wenn man aber schon detaillierte Angaben zu Beckengröße und Bepflanzung macht, dann wäre es bestimmt hilfreich, auch zu erwähnen welche Gruppenzusammensetzung und Vergesellschaftung in einem solchen Behälter möglich scheinen; ein Paar? mehrere Paare? Ein Harem? mehrere Harems? mit ähnlichen Labyrinthern vergesellschaftet oder doch eher als Artbecken? oder doch lieber nur eine Labyrinther-Art und die Vergesellschaftung lieber mit ganz andersartigen Fischen? Anhaltspunkte zu derartigen Fragen sind sehr dünn gesäht und beziehen sich meist nur auf ganz offensichtliche Problemfälle (keine zwei Kampffisch-Männchen in einem kleinen Behälter).
Dies ist der Hauptschwachpunkt des Buchs. Andere Kritikpunkte sind im Vergleich dazu eher Nebensächlich. Die Fixierung auf die Produkte einer Firma mag stören, versteht sich aber von selbst, wenn man sieht von wem das Buch herausgegeben ist. Die oft unsachlichen und recht emotionalen Wendungen in der Art: "[dieses oder jenes] wird viel Freude bereiten" zeigen nur, daß der Autor schlecht von sich selbst absehen kann (mir "bereiten" auch völlig abweichende Aquarienzusammenstellungen "viel Freude"), sind aber kein wirkliches Problem. Zuletzt mag in der Tat, wie bereits in einer anderen Rezension erwähnt, das ständige wiederholen von Aussagen stören.
Ist man gewillt über die nebensächlicheren Kritikpunkte hinwegzusehen, dann erwirbt man ein Buch, das als schnelle Nachschlagemöglichkeit für wichtige Parameter, wie Körpergröße der betreffenden Art, Vorzugstemperatur oder Härtetoleranz verwendet werden kann. In dieser Hinsicht geht das Buch aber kaum über gängige Nachschlagewerke hinaus, beschränkt sich aber lediglich auf diese vergleichsweise kleine Fischgruppe. An den Stellen wo es mehr Informationen liefert, hat man oft das Gefühl, daß dies völlig irrelevant ist. So wird es einen kaum interessieren, welche Arten auch als Speisefisch Bedeutung haben oder aber welche Bedeutung Fischkämpfe in Asien haben. Zu einer erfolgreicheren Haltung trägt dies jedenfalls nicht bei. Auch scheint manch eine Haltungsempfehlung eher von persönlichen Vorlieben als von faktischen Notwendigkeiten geleitet zu sein. Zumindest die Pflanzenlisten scheinen überflüssig. Den Fischen ist es tatsächlich egal ob sie Riccia, kleine Hemianthus-Teile oder Vesicularia zum Nestbau verwenden, die Pflanzen müssen halt nur die für die jeweilige Art notwendige Beschaffenheit haben und sie müssen unter den gegebenen Voraussetzungen wachsen.
Immerhin sind die Photos recht ansprechend und die aufgeführten harten Fakten enthalten keine allzu gravierenden Fehler. Man mag diesem Buch also trotz der vielen Schwächen durchaus etwas abgewinnen. Allerdings nur, wenn man nicht schon selbst über Erfahrungen mit dieser Fischgruppe verfügt und die eigene aquaristische Bibliothek noch recht übersichtlich ist. Ansonsten wird man eher enttäuscht.