...und damit ein neuer Krimi aus der Reihe um den Historiker Josef Maria Stachelmann von Christian v. Ditfurth.
Dieser 5. Band ist glücklicherweise viel besser als der Vorgänger Nr. 4!
Man sollte sich also durch Band Nr. 4 nicht vollkommen entmutigen lassen und kann durchaus wieder einmal zu einem Stachelmann und seinem neuen 5. Fall greifen...
Worum gehts also in dem Buch?
Wie schon in dem Vorgänger eingeleitet, hat Stachelmann nun seine Unilaufbahn tatsächlich beendet und macht sich mit einem Büro für historische Ermittlungen selbstständig. Er hat Lübeck den Rücken gekehrt und ist sogar bei seiner Freundin Anne eingezogen... aber auch hier wird viel passieren... Anne und ihr Sohn Felix geraten in diesem Buch in das Fadenkreuz eines Mörders...
Am Anfang dieses Buches steht aber ein Sprengstoffanschlag auf den Bundesgerichtshof, bei dem auch ein oberster Richter ums Leben kommt und eine Terrorhysterie in Deutschland auslöst...
Beruflich wird Stachelmann angeheuert, um über die Firmengeschichte der Schneyder AG ein Buch zu schreiben. Diese hatte allerdings zwischen 1933 und 1945 mit der Gestapo kooperiert und Zwangsarbeiter beschäftigt. Was Stachelmann bei seiner Recherche ans Licht bringt gefällt nicht jedem der Geschäftsinhaber...
Außerdem soll Stachelmann eine verschwundene Person ermitteln. Eine junge Frau aus Amerika kommt zu Stachelmann, damit dieser ihren Vater aufspürt, der 1959 verschwunden ist. Stachelmanns Spurensuche führt ihn in die neuen Länder, zurück in eine Zeit, als die BRD noch eine junge Republik war, die Zeit des Aufbaus, aber auch zurück in die Zeiten des Kalten Krieges, des Mauerbaus und 40 Jahre DDR-Geschichte...
Schwerpunktmäßig geht es aber um die Auseinandersetzung mit der deutschen Nachkriegsjustiz.
Mein Eindruck:
Ditfurth hat sich viel vorgenommen in diesem Band. Eine Abrechnung mit den Richtern und Staatsanwälten, die in den Jahren zwischen 1933 und 1945 unter Hitler eine korrupte und politische Justiz betrieben haben..., Kritik an einer gescheiterten Entnazifizierung in den jungen und ersten Jahren dieser Republik, Kritik an der Adenauer-Ära, Kritik am Kalten Krieg, mit der er den Justizopfern - sofern im Rahmen eines Kriminalromans möglich - versucht mit der Figur Laubingers ein Gesicht und eine Biographie zu geben. Er spart nicht mit Kritik an der politischen Justiz und dem System der DDR und verliert auch immer wieder kritische Worte zur Terrorhysterie heute und in früheren Jahrzehnten in diesem Land...
Puh, ganz schön viel Stoff und das alles in einem Roman über Stachelmann, einem Typen, der vornehmlich rheumatisch und selbstmitleidig ist... ;-)
Der Anfang zieht sich etwas dahin... Zu viel und zu lange wird immer und immer wieder auf den Vorgänger-Band verwiesen, zu oft werden die Geschehnisse auch aus den ersten 3 Romanen angesprochen, ohne dabei aber inhaltlich in irgendeiner Form relevant, nützlich oder hilfreich zu sein. Dahinter steckt vermutlich eher eine Marketing-Strategie, um auf die anderen Bücher aufmerksam zu machen.
Die Erklärungen und Verweise auf die früheren Bände wären vor allem nicht in der Länge nötig gewesen, um das Buch insgesamt verstehen zu können. Eigentlich stehen die Bücher alle nebeneinander und sind auch unabhängig von einander les- und verstehbar. Diese Passagen hätten wirklich sehr viel kürzer ausfallen können, da dies nämlich besonders langweilig für Leute ist, die schon die anderen Bücher gelesen haben.
Stachelmann hat in jedem Fall eine Entwicklung durchgemacht. Und - so nervig er auch immer noch ist mit seinem Selbstmitleid - hat er in diesem Roman zumindest endlich mal den A.... hochgekriegt und sein Leben angepackt... ;-)... Geht doch!
Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen, weil mich das Nacherzählen der Vorgänger-Romane in dem Umfang wirklich sehr stört!
Den Sinn in der Aktion um Anne und ihren Sohn kann ich tatsächlich auch nicht nachvollziehen. Wenn es nur darum ging den beiden einen Anlass zu geben, um sich zu trennen, dann hätte es dieses Aufwandes nicht bedurft. Der Teil war irgendwie konstruiert und überflüssig.
Ich hätte mir an dieser Stelle gewünscht, dass Ditfurth einen Schwerpunkt setzt und sich mehr und tiefer mit den Charakteren und Biographien derjenigen auseinandersetzt, die er hier exemplarisch für viele Justizopfer als Protagonisten entwickelt hat.
Ich entscheide mich für 4 Sterne, weil Ditfurth ein spannendes und kritisches Thema aufgegriffen hat, ohne dabei reißerisch zu werden, weil Stachelmann wieder mit historischer Recherche und Aufarbeitung beginnt zu bestechen und weil dieser Band einfach sehr viel besser ist als der Vorgänger und damit auch mehr Spass gemacht hat beim Lesen... ;-)