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La_Brass_Banda

Unsere Freunde der Mundwerk-Crew haben ein neues Video. Gut haben sie es gemacht, was haltet Ihr davon?... http://t.co/WpgeTozRbb


Biografie

„I GSPÜR AN BASS IN MEIM MAGN
FANG O ZUM WIPPEN KONS NED SAGN
SPÜR DE HERNDL IN DE FIASS
DEUT ZUM DJ SCHEENE GRIASS
HOB A BIER BEI DER HAND
CLUB IS AUSSER RAND UND BAND
JEDER DANZT WIA ER KO
WURSCHT OB DIRNDL ODER – I GSPÜR AN BASS…“ (Holland)

Mitten in Sibirien, irgendwo zwischen Novosibirsk und Krasnojarsk beginnt Europa. Als erstes Stück für ihr drittes Studioalbum schrieb Stefan Dettl „Russland“, in der Vorbereitung auf die Russlandtournee von LaBrassBanda im Jahr 2009. Und das klingt so, wie sich der Sänger und Trompeter zu Hause in Truchtlaching dieses raue Land ausmalte: Weit, ... Lesen Sie mehr

„I GSPÜR AN BASS IN MEIM MAGN
FANG O ZUM WIPPEN KONS NED SAGN
SPÜR DE HERNDL IN DE FIASS
DEUT ZUM DJ SCHEENE GRIASS
HOB A BIER BEI DER HAND
CLUB IS AUSSER RAND UND BAND
JEDER DANZT WIA ER KO
WURSCHT OB DIRNDL ODER – I GSPÜR AN BASS…“ (Holland)

Mitten in Sibirien, irgendwo zwischen Novosibirsk und Krasnojarsk beginnt Europa. Als erstes Stück für ihr drittes Studioalbum schrieb Stefan Dettl „Russland“, in der Vorbereitung auf die Russlandtournee von LaBrassBanda im Jahr 2009. Und das klingt so, wie sich der Sänger und Trompeter zu Hause in Truchtlaching dieses raue Land ausmalte: Weit, mächtig, erhaben, auch anheimelnd, knisternd - eben fast wie daheim. Stefan Dettl, Manuel Winbeck, Andreas Hofmeir, Oliver Wrage und Manuel da Coll, fünf gestandene Bayern, führten das Instrumental-Opus mit Trompete, Tuba, Posaune, Bass und Trommel zum allerersten Mal im Speisewaggon der Transsibirischen Eisenbahn auf. Ihr Publikum: Die kolossale Brotzeitfrau, ein paar Mitreisende und der Filmregisseur Marcus H. Rosenmüller. Dettls musikalische Phantasie passte wie angegossen in die ostrussische Realität: „Sibirien fand ich viel europäischer - oder besser: bayerischer als Moskau. Trotz dieser gewaltigen Umgebung gibt es da viel Wärme und Herzlichkeit, wie ich sie sonst eher am Bauernhof in Bayern erlebe."

LaBrassBanda sind eine bayerische Band, vielleicht die bayerischste dieser Zeit; aber zuvor waren sie schon ein europäisches Phänomen: Die BBC war der erste Sender, der ihre Musik spielte; dort gaben sie auch ihr erstes Radiokonzert für Hörer einer World-Sound-Show, die sich für moderne Musik aus Oberbayern interessierten. Und der anfangs noch größere Anteil am damals heiß begehrten Balkan-Gebläse öffnete ihnen Türen zu Clubs in London und anderen europäischen Kulturstädten. Seitdem ziehen LaBrassBanda triumphal über den Kontinent - die gesammelten Erfahrungen und Inspirationen ihres Reisens haben sie nun auf „Europa“ vertont.

Wobei der Hauptkomponist Stefan Dettl etwa so vorging, wie einmal Helge Schneider seinen Welt-Reiseführer namens „Globus Dei“ schrieb: mit seiner Vorstellungsgabe. „Schweden ist für mich Techno mit urbanen Klängen“, sagt Dettl, „ich war aber noch nie da." Macht gar nichts, Elche hin oder her, das LaBrassBanda-Stück „Schweden“ ist ein famoser Dance-Track, stramm wie eine Lederhose über einer Kötbullar-gefüllten Wampe: Links die Basedrum, rechts der Bass, mitten drin brummt die verzerrte Trompete. „Durch diese Radikalität kommt das mächtiger als manche Produktion aus Los Angeles“, sagt Dettl und freut sich schon darauf, wenn die Leute in der Disco oder im Konzert dazu abgehen: „Wenn jemand zu deinem Stück tanzt, dann ist das ein Ritterschlag. Wir wollen immer schreiben, was die Leute zu ungewöhnlichen Bewegungen antreibt.“
Spätestens bei "Z´spat dro", quasi der Fortsetzung des allerersten LaBrassBanda-Hits „Autobahn", dürfte dann jeder ins Schwitzen kommen, wenn die Band dahin fetzt wie eine Cuica-beschwipste Balkan-Kapelle und Dettl eine Art Joiking bellt, nach Kunst der lappländischen Rentier-Hirten: eine wilde Jagd. Es ist ihnen gelungen wie nie zuvor, den Rausch ihrer Konzerte auf eine Platte zu bannen: Wucht, Wumms und Drehwurm!

Oder die Nachbarn: Die spanische, jamaikanisch geprägte Band Ska-P hat Dettl mit ihrer Energie beeindruckt und ihrem ratternden Sprechtempo - der Einfluss ist im balkan-funkigen Stück „Holland" nahezu körperlich zu spüren. Und denkt Dettl an Frankreich, denkt er an Daft Punk. „Wahnsinn, wie hochmusikalisch die mit House umgehen.“ Die Nummer „Frankreich“ ist inspiriert von deren Hit „Around The World“ – aus dem anfänglichen Tuba-Taumel entwickelt sich eine ähnliche Trance - nur nicht so clean, dampfiger, fast im Fieberrausch. Überhaupt ist „um die Welt“ die Marschroute bei „Europa“, das die fünf hauptsächlich in Dettls Heimstudiostüberl in Truchtlaching aufgenommen haben. Wo sie gehen und hören, überall saugen die fünf Vollprofis Musik auf, natürlich auch Jazz, Funk und Soul aus Amerika. Sie verquicken Gegensätzliches, experimentieren mit Sounds (zum Beispiel, wo ein Synthesizer-Bass besser zum Tuba passt als ein E-Bass) und schaffen so eine klingende Weltsprache mit starkem bayerischen Dialekt.

Wo wir schon bei Einflüssen sind, darf einer nicht fehlen: Chet Baker ist ein ganz wichtiger für Dettl, freilich wegen der Trompete, aber auch mit der Stimme: „Er singt zurückhaltend, eher monoton. Ich habe eigentlich auch keine schöne Stimme, aber ich versuche mir wie er über die Klangfarbe und Rhythmus den Raum zu erkämpfen." Zu erleben ist das in "Vogerl". Beim Bläser-Turteln kommt zunächst Old-Time-Jazz-Feeling, dann hebt die bayerische Gemütlichkeit ab: "Die Sonn scheint mia aufn Bauch, ja mehra brauch i ned. Mecht gern a Vogerl sei und übers Wasser fliagn." Liebesleben an einem bayerischen Gewässer, Dettls Lieblingsthema, da kommen seine Gedanken in Wallung. Das durfte das ganze Land ja schon beim Vorentscheid zum Eurovision Songcontest hören: "Nackert" war nicht nur der Sieger der Herzen, dieser Power-Pop hätte das Zeug für eine würdige neue Eurovisions-Hymne.

Dettl steht übrigens zu dieser bayerischen Romantik: "Ich sollte mal was Besonderes über Bayern für diese Merian-Reisehefte schreiben. Ich landete dann doch wieder beim Biergarten, eine Kastanie fällt runter, dann sitze ich am See - ganz bauerntheatermäßig, aber es ist halt so, und es ist auch superschön so." Wobei man das Augenzwinkern nicht übersehen sollte, und das Drama - beides tanzt in einem Lied wie „Jacqueline" Salsa miteinander. „Im Bayerischen ist eben beides zusammen wichtig", sagt Dettl, „der Humor bei den tragischen Dingen und auch das Ernste bei Dingen, über die man zuerst damisch lacht." Aber für noch viel wichtiger hält es der Liedermacher, „dass sich die Leute ihre eigenen Gedanken machen und selber mittexten".

Und manchmal funktioniert es ja auch ganz ohne Worte. Zum Beispiel bei der "Hymne", die es endlich auf ein Album geschafft hat. Mit diesem Stück schreiten LaBrassBanda traditionell am Ende ihrer Konzerte barfuß durch die Menge, damit alle nach dem Disco-Inferno im Club wieder durch schnaufen, nach der Körperlichkeit wieder die Musik wahrnehmen, damit sich das breite Grinsen wieder legt. Da baut sich angeführt von einer Ziehharmonika ein ganzes Alpenpanorama zum Sonnenaufgang über der Menge auf, fast kitschig schön, und ein Trompetenklang hebt an und zieht seine Kreise wie ein Steinadler, so dass man ganz ehrfürchtig wird. Und in diesem heiligen Moment macht Stefan Dettl etwas Untypisches: Er spricht einfach hinein, dass man sich "nix scheißn soll", einfach mal machen, so wie LaBrassBanda vor fünf Jahren bei der ersten Platte: "Schlecht machen ist immer noch besser als gar nicht machen. Wir haben`s probiert, und es hat funktioniert." In Bayern, Europa und dem Rest der Welt.

Von Michael Zirnstein (im Gespräch mit Stefan Dettl)

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

„I GSPÜR AN BASS IN MEIM MAGN
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DEUT ZUM DJ SCHEENE GRIASS
HOB A BIER BEI DER HAND
CLUB IS AUSSER RAND UND BAND
JEDER DANZT WIA ER KO
WURSCHT OB DIRNDL ODER – I GSPÜR AN BASS…“ (Holland)

Mitten in Sibirien, irgendwo zwischen Novosibirsk und Krasnojarsk beginnt Europa. Als erstes Stück für ihr drittes Studioalbum schrieb Stefan Dettl „Russland“, in der Vorbereitung auf die Russlandtournee von LaBrassBanda im Jahr 2009. Und das klingt so, wie sich der Sänger und Trompeter zu Hause in Truchtlaching dieses raue Land ausmalte: Weit, mächtig, erhaben, auch anheimelnd, knisternd - eben fast wie daheim. Stefan Dettl, Manuel Winbeck, Andreas Hofmeir, Oliver Wrage und Manuel da Coll, fünf gestandene Bayern, führten das Instrumental-Opus mit Trompete, Tuba, Posaune, Bass und Trommel zum allerersten Mal im Speisewaggon der Transsibirischen Eisenbahn auf. Ihr Publikum: Die kolossale Brotzeitfrau, ein paar Mitreisende und der Filmregisseur Marcus H. Rosenmüller. Dettls musikalische Phantasie passte wie angegossen in die ostrussische Realität: „Sibirien fand ich viel europäischer - oder besser: bayerischer als Moskau. Trotz dieser gewaltigen Umgebung gibt es da viel Wärme und Herzlichkeit, wie ich sie sonst eher am Bauernhof in Bayern erlebe."

LaBrassBanda sind eine bayerische Band, vielleicht die bayerischste dieser Zeit; aber zuvor waren sie schon ein europäisches Phänomen: Die BBC war der erste Sender, der ihre Musik spielte; dort gaben sie auch ihr erstes Radiokonzert für Hörer einer World-Sound-Show, die sich für moderne Musik aus Oberbayern interessierten. Und der anfangs noch größere Anteil am damals heiß begehrten Balkan-Gebläse öffnete ihnen Türen zu Clubs in London und anderen europäischen Kulturstädten. Seitdem ziehen LaBrassBanda triumphal über den Kontinent - die gesammelten Erfahrungen und Inspirationen ihres Reisens haben sie nun auf „Europa“ vertont.

Wobei der Hauptkomponist Stefan Dettl etwa so vorging, wie einmal Helge Schneider seinen Welt-Reiseführer namens „Globus Dei“ schrieb: mit seiner Vorstellungsgabe. „Schweden ist für mich Techno mit urbanen Klängen“, sagt Dettl, „ich war aber noch nie da." Macht gar nichts, Elche hin oder her, das LaBrassBanda-Stück „Schweden“ ist ein famoser Dance-Track, stramm wie eine Lederhose über einer Kötbullar-gefüllten Wampe: Links die Basedrum, rechts der Bass, mitten drin brummt die verzerrte Trompete. „Durch diese Radikalität kommt das mächtiger als manche Produktion aus Los Angeles“, sagt Dettl und freut sich schon darauf, wenn die Leute in der Disco oder im Konzert dazu abgehen: „Wenn jemand zu deinem Stück tanzt, dann ist das ein Ritterschlag. Wir wollen immer schreiben, was die Leute zu ungewöhnlichen Bewegungen antreibt.“
Spätestens bei "Z´spat dro", quasi der Fortsetzung des allerersten LaBrassBanda-Hits „Autobahn", dürfte dann jeder ins Schwitzen kommen, wenn die Band dahin fetzt wie eine Cuica-beschwipste Balkan-Kapelle und Dettl eine Art Joiking bellt, nach Kunst der lappländischen Rentier-Hirten: eine wilde Jagd. Es ist ihnen gelungen wie nie zuvor, den Rausch ihrer Konzerte auf eine Platte zu bannen: Wucht, Wumms und Drehwurm!

Oder die Nachbarn: Die spanische, jamaikanisch geprägte Band Ska-P hat Dettl mit ihrer Energie beeindruckt und ihrem ratternden Sprechtempo - der Einfluss ist im balkan-funkigen Stück „Holland" nahezu körperlich zu spüren. Und denkt Dettl an Frankreich, denkt er an Daft Punk. „Wahnsinn, wie hochmusikalisch die mit House umgehen.“ Die Nummer „Frankreich“ ist inspiriert von deren Hit „Around The World“ – aus dem anfänglichen Tuba-Taumel entwickelt sich eine ähnliche Trance - nur nicht so clean, dampfiger, fast im Fieberrausch. Überhaupt ist „um die Welt“ die Marschroute bei „Europa“, das die fünf hauptsächlich in Dettls Heimstudiostüberl in Truchtlaching aufgenommen haben. Wo sie gehen und hören, überall saugen die fünf Vollprofis Musik auf, natürlich auch Jazz, Funk und Soul aus Amerika. Sie verquicken Gegensätzliches, experimentieren mit Sounds (zum Beispiel, wo ein Synthesizer-Bass besser zum Tuba passt als ein E-Bass) und schaffen so eine klingende Weltsprache mit starkem bayerischen Dialekt.

Wo wir schon bei Einflüssen sind, darf einer nicht fehlen: Chet Baker ist ein ganz wichtiger für Dettl, freilich wegen der Trompete, aber auch mit der Stimme: „Er singt zurückhaltend, eher monoton. Ich habe eigentlich auch keine schöne Stimme, aber ich versuche mir wie er über die Klangfarbe und Rhythmus den Raum zu erkämpfen." Zu erleben ist das in "Vogerl". Beim Bläser-Turteln kommt zunächst Old-Time-Jazz-Feeling, dann hebt die bayerische Gemütlichkeit ab: "Die Sonn scheint mia aufn Bauch, ja mehra brauch i ned. Mecht gern a Vogerl sei und übers Wasser fliagn." Liebesleben an einem bayerischen Gewässer, Dettls Lieblingsthema, da kommen seine Gedanken in Wallung. Das durfte das ganze Land ja schon beim Vorentscheid zum Eurovision Songcontest hören: "Nackert" war nicht nur der Sieger der Herzen, dieser Power-Pop hätte das Zeug für eine würdige neue Eurovisions-Hymne.

Dettl steht übrigens zu dieser bayerischen Romantik: "Ich sollte mal was Besonderes über Bayern für diese Merian-Reisehefte schreiben. Ich landete dann doch wieder beim Biergarten, eine Kastanie fällt runter, dann sitze ich am See - ganz bauerntheatermäßig, aber es ist halt so, und es ist auch superschön so." Wobei man das Augenzwinkern nicht übersehen sollte, und das Drama - beides tanzt in einem Lied wie „Jacqueline" Salsa miteinander. „Im Bayerischen ist eben beides zusammen wichtig", sagt Dettl, „der Humor bei den tragischen Dingen und auch das Ernste bei Dingen, über die man zuerst damisch lacht." Aber für noch viel wichtiger hält es der Liedermacher, „dass sich die Leute ihre eigenen Gedanken machen und selber mittexten".

Und manchmal funktioniert es ja auch ganz ohne Worte. Zum Beispiel bei der "Hymne", die es endlich auf ein Album geschafft hat. Mit diesem Stück schreiten LaBrassBanda traditionell am Ende ihrer Konzerte barfuß durch die Menge, damit alle nach dem Disco-Inferno im Club wieder durch schnaufen, nach der Körperlichkeit wieder die Musik wahrnehmen, damit sich das breite Grinsen wieder legt. Da baut sich angeführt von einer Ziehharmonika ein ganzes Alpenpanorama zum Sonnenaufgang über der Menge auf, fast kitschig schön, und ein Trompetenklang hebt an und zieht seine Kreise wie ein Steinadler, so dass man ganz ehrfürchtig wird. Und in diesem heiligen Moment macht Stefan Dettl etwas Untypisches: Er spricht einfach hinein, dass man sich "nix scheißn soll", einfach mal machen, so wie LaBrassBanda vor fünf Jahren bei der ersten Platte: "Schlecht machen ist immer noch besser als gar nicht machen. Wir haben`s probiert, und es hat funktioniert." In Bayern, Europa und dem Rest der Welt.

Von Michael Zirnstein (im Gespräch mit Stefan Dettl)

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

„I GSPÜR AN BASS IN MEIM MAGN
FANG O ZUM WIPPEN KONS NED SAGN
SPÜR DE HERNDL IN DE FIASS
DEUT ZUM DJ SCHEENE GRIASS
HOB A BIER BEI DER HAND
CLUB IS AUSSER RAND UND BAND
JEDER DANZT WIA ER KO
WURSCHT OB DIRNDL ODER – I GSPÜR AN BASS…“ (Holland)

Mitten in Sibirien, irgendwo zwischen Novosibirsk und Krasnojarsk beginnt Europa. Als erstes Stück für ihr drittes Studioalbum schrieb Stefan Dettl „Russland“, in der Vorbereitung auf die Russlandtournee von LaBrassBanda im Jahr 2009. Und das klingt so, wie sich der Sänger und Trompeter zu Hause in Truchtlaching dieses raue Land ausmalte: Weit, mächtig, erhaben, auch anheimelnd, knisternd - eben fast wie daheim. Stefan Dettl, Manuel Winbeck, Andreas Hofmeir, Oliver Wrage und Manuel da Coll, fünf gestandene Bayern, führten das Instrumental-Opus mit Trompete, Tuba, Posaune, Bass und Trommel zum allerersten Mal im Speisewaggon der Transsibirischen Eisenbahn auf. Ihr Publikum: Die kolossale Brotzeitfrau, ein paar Mitreisende und der Filmregisseur Marcus H. Rosenmüller. Dettls musikalische Phantasie passte wie angegossen in die ostrussische Realität: „Sibirien fand ich viel europäischer - oder besser: bayerischer als Moskau. Trotz dieser gewaltigen Umgebung gibt es da viel Wärme und Herzlichkeit, wie ich sie sonst eher am Bauernhof in Bayern erlebe."

LaBrassBanda sind eine bayerische Band, vielleicht die bayerischste dieser Zeit; aber zuvor waren sie schon ein europäisches Phänomen: Die BBC war der erste Sender, der ihre Musik spielte; dort gaben sie auch ihr erstes Radiokonzert für Hörer einer World-Sound-Show, die sich für moderne Musik aus Oberbayern interessierten. Und der anfangs noch größere Anteil am damals heiß begehrten Balkan-Gebläse öffnete ihnen Türen zu Clubs in London und anderen europäischen Kulturstädten. Seitdem ziehen LaBrassBanda triumphal über den Kontinent - die gesammelten Erfahrungen und Inspirationen ihres Reisens haben sie nun auf „Europa“ vertont.

Wobei der Hauptkomponist Stefan Dettl etwa so vorging, wie einmal Helge Schneider seinen Welt-Reiseführer namens „Globus Dei“ schrieb: mit seiner Vorstellungsgabe. „Schweden ist für mich Techno mit urbanen Klängen“, sagt Dettl, „ich war aber noch nie da." Macht gar nichts, Elche hin oder her, das LaBrassBanda-Stück „Schweden“ ist ein famoser Dance-Track, stramm wie eine Lederhose über einer Kötbullar-gefüllten Wampe: Links die Basedrum, rechts der Bass, mitten drin brummt die verzerrte Trompete. „Durch diese Radikalität kommt das mächtiger als manche Produktion aus Los Angeles“, sagt Dettl und freut sich schon darauf, wenn die Leute in der Disco oder im Konzert dazu abgehen: „Wenn jemand zu deinem Stück tanzt, dann ist das ein Ritterschlag. Wir wollen immer schreiben, was die Leute zu ungewöhnlichen Bewegungen antreibt.“
Spätestens bei "Z´spat dro", quasi der Fortsetzung des allerersten LaBrassBanda-Hits „Autobahn", dürfte dann jeder ins Schwitzen kommen, wenn die Band dahin fetzt wie eine Cuica-beschwipste Balkan-Kapelle und Dettl eine Art Joiking bellt, nach Kunst der lappländischen Rentier-Hirten: eine wilde Jagd. Es ist ihnen gelungen wie nie zuvor, den Rausch ihrer Konzerte auf eine Platte zu bannen: Wucht, Wumms und Drehwurm!

Oder die Nachbarn: Die spanische, jamaikanisch geprägte Band Ska-P hat Dettl mit ihrer Energie beeindruckt und ihrem ratternden Sprechtempo - der Einfluss ist im balkan-funkigen Stück „Holland" nahezu körperlich zu spüren. Und denkt Dettl an Frankreich, denkt er an Daft Punk. „Wahnsinn, wie hochmusikalisch die mit House umgehen.“ Die Nummer „Frankreich“ ist inspiriert von deren Hit „Around The World“ – aus dem anfänglichen Tuba-Taumel entwickelt sich eine ähnliche Trance - nur nicht so clean, dampfiger, fast im Fieberrausch. Überhaupt ist „um die Welt“ die Marschroute bei „Europa“, das die fünf hauptsächlich in Dettls Heimstudiostüberl in Truchtlaching aufgenommen haben. Wo sie gehen und hören, überall saugen die fünf Vollprofis Musik auf, natürlich auch Jazz, Funk und Soul aus Amerika. Sie verquicken Gegensätzliches, experimentieren mit Sounds (zum Beispiel, wo ein Synthesizer-Bass besser zum Tuba passt als ein E-Bass) und schaffen so eine klingende Weltsprache mit starkem bayerischen Dialekt.

Wo wir schon bei Einflüssen sind, darf einer nicht fehlen: Chet Baker ist ein ganz wichtiger für Dettl, freilich wegen der Trompete, aber auch mit der Stimme: „Er singt zurückhaltend, eher monoton. Ich habe eigentlich auch keine schöne Stimme, aber ich versuche mir wie er über die Klangfarbe und Rhythmus den Raum zu erkämpfen." Zu erleben ist das in "Vogerl". Beim Bläser-Turteln kommt zunächst Old-Time-Jazz-Feeling, dann hebt die bayerische Gemütlichkeit ab: "Die Sonn scheint mia aufn Bauch, ja mehra brauch i ned. Mecht gern a Vogerl sei und übers Wasser fliagn." Liebesleben an einem bayerischen Gewässer, Dettls Lieblingsthema, da kommen seine Gedanken in Wallung. Das durfte das ganze Land ja schon beim Vorentscheid zum Eurovision Songcontest hören: "Nackert" war nicht nur der Sieger der Herzen, dieser Power-Pop hätte das Zeug für eine würdige neue Eurovisions-Hymne.

Dettl steht übrigens zu dieser bayerischen Romantik: "Ich sollte mal was Besonderes über Bayern für diese Merian-Reisehefte schreiben. Ich landete dann doch wieder beim Biergarten, eine Kastanie fällt runter, dann sitze ich am See - ganz bauerntheatermäßig, aber es ist halt so, und es ist auch superschön so." Wobei man das Augenzwinkern nicht übersehen sollte, und das Drama - beides tanzt in einem Lied wie „Jacqueline" Salsa miteinander. „Im Bayerischen ist eben beides zusammen wichtig", sagt Dettl, „der Humor bei den tragischen Dingen und auch das Ernste bei Dingen, über die man zuerst damisch lacht." Aber für noch viel wichtiger hält es der Liedermacher, „dass sich die Leute ihre eigenen Gedanken machen und selber mittexten".

Und manchmal funktioniert es ja auch ganz ohne Worte. Zum Beispiel bei der "Hymne", die es endlich auf ein Album geschafft hat. Mit diesem Stück schreiten LaBrassBanda traditionell am Ende ihrer Konzerte barfuß durch die Menge, damit alle nach dem Disco-Inferno im Club wieder durch schnaufen, nach der Körperlichkeit wieder die Musik wahrnehmen, damit sich das breite Grinsen wieder legt. Da baut sich angeführt von einer Ziehharmonika ein ganzes Alpenpanorama zum Sonnenaufgang über der Menge auf, fast kitschig schön, und ein Trompetenklang hebt an und zieht seine Kreise wie ein Steinadler, so dass man ganz ehrfürchtig wird. Und in diesem heiligen Moment macht Stefan Dettl etwas Untypisches: Er spricht einfach hinein, dass man sich "nix scheißn soll", einfach mal machen, so wie LaBrassBanda vor fünf Jahren bei der ersten Platte: "Schlecht machen ist immer noch besser als gar nicht machen. Wir haben`s probiert, und es hat funktioniert." In Bayern, Europa und dem Rest der Welt.

Von Michael Zirnstein (im Gespräch mit Stefan Dettl)

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