Der Thriller benötigt eine lange, sehr lange Anlaufzeit; erst nach etwa 400 Seiten kommt soetwas wie Thrilleratmosphäre auf, wird das Buch spannend und unterhaltsam.
Aber davor? Ich war teilweise versucht, das Buch einfach wegzulegen. Robin Cook hat zunächst einen Thriller konzipiert, der mehr an ein ungewöhnliches Beziehungsdrama erinnert. Laurie Montgomery und Jack Stapleton, beides Gerichtsmediziner und die Protagonisten dieses Buches, kommen nach und nach einem Serienmörder auf die Spur, der scheinbar gesunde Patienten des Manhattan General Hospitals dahinmeuchelt. Da sich zunächst lediglich die Liste der Opfer verlängert, jedoch trotz fachkundiger Leichenschau und Nachforschungen keinerlei Beweise und Spuren für einen Serienmord finden lassen, glaubt so recht keiner an Lauries Theorie. Erst als die Medizinerin selbst in jenes Krankenhaus eingeliefert werden muss und erst als Jack in letzter Minute die Beweise für genannte Theorie in den Händen hält, scheint die Mordserie "aufzugehen". Aber da ist es für Laurie fast zu spät, denn sie soll selbst Opfer des Meuchelmörders werden.....
Klingt spannend, ist es aber kaum. Denn die genannte Auflistung der Ereignisse bettet sich in die Beziehungskrise der Montgomery und des Stapleton in bester Nicholas Sparks-Manier. Sie möchte eine Familie, er hat ein Trauma aus der Vergangenheit zu bewältigen und möchte irgendwie nicht so recht...und schon handelt das Buch diverse persönliche Krisengespräche, übellaunige Befindlichkeiten und Arbeitsalltagsdramen ab. Man trifft sich nach vorläufiger Trennung regelmäßig in der Gerichtsmedizin, hat so seine Probleme damit, sie lernt einen anderen kennen, u.s.w., pp, etc. .Dazu kommt, dass Cooks Schriebart nicht gerade dazu angetan ist, selbst jene langweiligen Passagen unbeschadet überstehen zu können. Seine Leistung besteht lediglich darin, Teile jener Beziehungskiste in den Endspurt miteinzubauen und nach Ende des Buches eine Message zurückzulassen, nämlich die Warnung vor den neuesten Entwicklungen hinsichtlich Genomik und Bioinformatik, ergänzt durch Bemerkungen hinsichtlich des amerikansichen Gesundheitssystems. Klar, wenn eine Nachbemerkung dies verdeutlicht, kann man es auch nachvollziehen. Was jedoch ein meuchelnder Auftragskiller (und ja, eben jene dargestellten Unzulänglichkeiten in einem angesehen Ami-Krankenhaus) damit zu tun haben soll, ist schon etwas fragwürdig. Man kann hier interpretieren wollen, muss es jedoch nicht.
Lange Rede, kurzer Sinn: das Buch ist enttäuschend, erinnert nur bisweilen an einen vernünftigen (Medizin)-Thriller und ist nicht empfehlenswert.