"Qui,parmi vous, mérite la vie éternelle?"
Eine schwierige Frage, die den Leser da gleich zu Beginn des Buches erwartet. Insbesondere dann, wenn zunächst einmal unklar bleibt, wie das "Verdienen" denn nun gemeint sein soll. Eine Frage, die zumindest für den Protagonisten durchaus ihre Gültigkeit hätte. Daniel führt in der houellebecqschen Tradition
ein seiner Ansicht nach sinnentleertes Leben in einer sinnentleerten Welt. Diese Anschauung hat ihm - die Parallelen zum Autor sind kaum zu übersehen - fast schon wider Willen einen fabelhaften Erfolg als Skandal-Kabarettist eingebracht, der mit Titeln wie "On préfère les partouzeuses palestiniennes" das Publikum begeistert, ohne selbst das Gefühl von Zufriedenheit kennen zu lernen.
Mehr aus Neugier als aus wirklichem Interesse begleitet er einen Bekannten zu einer Versammlung der "Très Sains" - einer Sekte, welche auf die Erlösung durch Außerirdische hofft und zugleich daran arbeitet, das Klonen zu ermöglichen. Daniel hinterlässt seine DNA, ohne wirklich an den Erfolg der Forschung zu glauben. Nachdem er die Sekte verlassen hat, beginnt er auf die Bitte des "Propheten" hin seine Geschichte aufzuschreiben und eben diese Geschichte ist es, die der Leser vorgelegt bekommt, zusammen mit dem beigefügten Kommentar von Daniel 25, dem weit entfernten Klon der Hauptfigur.
Dieser lebt in einer sterilen Welt der Zukunft, die Houellebecq als eine konsequente Fortführung der inhaltslosen Individualisierung der Gegenwart beschreibt: Abgesehen von einigen "Chatrooms" von den Mitmenschen isoliert (die Fortpflanzung wurde natürlich durch das Klonen ersetzt), führen die zukünftigen Bewohner der Erde ein Leben ohne Gegenwart - ihre lebensfüllende Aufgabe besteht darin, die Schriften ihrer Vorgänger zu lesen (also in der Vergangenheit zu leben) und selbst einen Kommentar für die nachfolgende Generation zu verfassen. Daniel 25 führt dieses Leben in ähnlicher Weise wie sein Vorgänger praktisch ohne innere Regung, bis er schließlich aus seinem Leben ausbricht, um am Ende seiner Suche den Endzustand des Menschen, das pure Sein, zu finden.
Houellebecq fasziniert meiner Meinung nach immer wieder, insbesondere durch seine sehr gelungenen Beobachtungen und seine konsequent zu Ende gedachten Beschreibungen der menschlichen Existenz.
Ein nicht einfach zu lesendes, aber dennoch sehr lohnendes Buch, in dem Houellebecq sich wohltuend zurückhält (zumindest für seine Verhältnisse) mit detaillierten Darstellungen von verschiedenen Sexualpraktiken.