Es gibt tonnenweise Bücher von Ausländern über ihr Leben in Italien. Meistens Engländer, Amerikaner und Deutsche zieht es in das Sehnsuchtsland Italien, oder sagen wir besser: die Sehnsuchts-Landschaft Italien. Und dann wundert man sich, dass es doch alles anders ist, als man dachte und, vor allem, es wimmelt nur so von Italienern.
Doch wie sieht es anders herum aus? Wie fühlt sich eine Italienerin jenseits der Alpen, noch dazu in nass-kalten Hamburg? Eine Italienerin, die nicht als Gastarbeiterin her kam, sondern sich freiwillig (oder sagen wir: aus Liebe) für ein Leben in Deutschland entschieden hat? Antonella Romeo geht anders an das Thema heran als ihre Vorgänger. Nicht humorverbrämt und satirisch, sondern mit dem ernsthaften Versuch, sich ihre neue Heimat zu erklären und damit ein Volk, das sie bis dato nur als gesichtslosen Feind in den Schilderungen der Großeltern kannte.
Mit dieser Vorgeschichte verwundert es nicht, dass ihre Zeitrechnung erst mit dem Zweiten Weltkrieg beginnt und der Krieg Dreh- und Angelpunkt ihres Geschichtsverständnisses ist. Antonella Romeo gliedert ihre Erkenntnisse dabei nicht chronologisch, sondern thematisch, was teilweise etwas sprunghaft anmutet. Die Kapitel sind eher als lose Essays zu betrachten denn als ein stringenter Roman, lassen aber leider manchmal den roten Faden vermissen, der dem deutschen Ordungsinn so schön entgegen käme.
Innerhalb dieser kapitelweisen Impressionen der deutsch-iatlienischen Geschichte erfährt der Leser viel von der "Italianità" und dem "deutschen Gemüt", wobei allerdings mir manche Sitten und Bräuche als Süddeutsche ebenso fremd vorkommen wie der Autorin; bei anderen kann sich der deutsche Leser dann aber auch verwundert an die eignene Nase fassen. (Ich gestehe, auch ich kann kein einziges deutsches Volkslied vollständig singen und würde außerdem schon bei der ersten Strophe vor Scham in den Boden versinken!)
Natürlich ein sehr einseitiges Bild Deutschlands, doch Antonella Romeo versucht gar nicht erst, ihre Eindrücke als objektiv und wahr darzustellen, es ist ihre eigene Sicht auf Deutschland, eine Sicht, die wohl kaum ein Deutscher vorbehaltlos teilen kann, doch gerade deshalb ein wichtiger Impulsgeber für die deutsche Leserschaft.
Fazit: eine interessante Annäherung an die Völkerverständigung, die auch in Zeiten der EU noch nicht wirklich weit gediehen ist; in einem schnörkellosen Schreibstil und weitgehend gut übersetzt.