In "La Zona" beschreibt der mexikanische Regisseur Rodrigo Plá eine düstere Zukunftsvision: die Auswirkung einer extremen Spaltung der Gesellschaft in arm und reich.
In "La Zona", einer Wohnresidenz der Reichen, leben die Anwohner wie in einem goldenen Käfig, eher schon Gefängnis. Eingegrenzt durch Mauern und Stacheldraht, überwacht durch Kameras und Sicherheitsleute liegt ihre vermeintliche Idylle, in der oberflächlich alles sauber und ordentlich und vor allem gut und eigenständig geregelt ist. Auf der anderen Seite der Mauer liegt das "wirkliche" Mexiko (von dem leider im Film nicht viel gezeigt wird), hier leben die Hausangestellten von "La Zona", Menschen, die um ihre Existenz kämpfen müssen, und auch die, die nicht mehr viel zu verlieren haben.
Durch einen Stromausfall bricht eines Nachts das Sicherheitsnetz von "La Zona" für kurze Zeit zusammen. Drei junge Männer von der anderen Seite ergreifen spontan die Möglichkeit, "rein zu gehen" und Beute zu machen. Aber die ganze Aktion endet in einem Fiasko: die Einbrecher werden überrascht, einer von ihnen tötet die Hausbesitzerin, bei der Flucht werden zwei von ihnen erschossen und ein Wachmann aus Versehen gleich dazu. Die Verantwortlichen von "La Zona" haben jetzt ein großes Problem: im Falle eines Gewaltverbrechens verlieren die Bewohner, die laut Selbstschutzabkommen das Recht haben, in eigener Regie für ihre Sicherheit zu sorgen, automatisch dieses besondere Privileg. Auf einer Versammlung spricht sich die Mehrheit dafür aus, die Ereignisse zu vertuschen, um den autonomen Status zu erhalten. Die Polizei wird belogen, die Leichen heimlich "entsorgt". Schnell wird klar, dass es einen dritten Einbrecher gegeben hat, der sich noch innerhalb des Gebiets aufhält, und die Bewohner von "La Zona" machen sich daran, diesen aufzuspüren. Als gejagtes Freiwild im Gehege hat der 16-jährige Miguel so gut wie keine Chance zu entkommen. Nur Alexandro, der Sohn einer der führenden Persönlichkeiten in "La Zona", schlägt sich heimlich auf seine Seite.
Für die Thematik und die Geschichte an sich würde ich auf alle Fälle fünf Sterne geben. Aber irgendwie hapert es aus meiner Sicht an der filmerischen und auch schauspielerischen Umsetzung. Obwohl die Ereignisse von Anfang an an sich hochdramatisch sind, baut sich zunächst kaum Spannung auf und erst gegen Ende des Films wird es wirklich packend. Ich fand es auch schwierig, inhaltlich in die Geschichte hineinzukommen und habe erst beim zweiten Anschauen einige Zusammenhänge begriffen. Hinzu kommt, dass keiner der Charaktere ausreichend Profil gewinnt. Selbst Alexandro, der im Mittelpunkt der Ereignisse steht, bleibt eine eher blasse Figur (von Miguel ganz zu schweigen). Das hat bei mir über lange Strecken zu einem Gefühl der Distanz beigetragen. Die einzige Figur, die ich durchgehend überzeugend verkörpert fand, war Gerardo (gespielt von Carlos Bardem).
Trotz der beschriebenen Kritikpunkte finde ich den Film durchaus sehenswert. Allein schon wegen der Thematik, mit der man sich meines Erachtens nicht genug auseinandersetzen kann.
"La Zona" weist darauf hin, dass es in einer extrem polarisierten Gesellschaft im Grunde keine "Gewinner" gibt; nicht nur "die Armen" kann man als Verlierer sehen, sondern auch für die (materiell) "Reichen" ergeben sich durch die Ausgrenzung und Abschottung Konsequenzen: ein ständiges Gefühl von Bedrohung und Misstrauen, ein Verlust an echter Lebensqualität (Einengung) und letztendlich auch ein Verlust an (Mit-)Menschlichkeit.