zuerst ist es natürlich erfreulich und verdienstvoll, das naxos den viel zu wenig gespielten spanischen Komponisten mit einer neuen Einspielung von La Vida Breve würdigt. In Fallas einaktiger Oper geht es um die Hauptdarstellerin Salud, ein armes Zigeunermädchen, die von ihrem Verlobten Paco betrogen wird, der eine standesgemässere Frau heiratet, woraufhin die Handlung in Saluds Tod gipfelt...
die Messlatte liegt hier natürlich sehr hoch, gibt es doch die Referenzeinspielungen mit dem Traumpaar Carreras/ Berganza bei deutsche Grammaphon und die wunderbare Victoria de los Angeles und Carlos Cossutta bei Emi. Alicia Nafé, die sowohl die Rolle der Salud als auch der Großmutter schon auf CD gesungen hat, singt hier die letztgenannte Rolle, wobei sie jedoch deutlich strapazierter klingt als auf den früheren Aufnahmen. Auch Manuel Cid, der hier zum dritten mal (!) die geheimnisvolle Stimme singt, die aus dem Hintergrund das Geschehen kommentiert, klingt weniger frisch als zuvor. Stark die zarzuela-Routiniers Alfonso Echeverria und Enrique Baquerizo. Aber kommen wir zu den Hauptdarstellern. Am positivsten ist die Leistung von Ana MAria Sanchez, die über ein schönes Timbre verfügt, jedoch weder den mädchenhaften Charakter Victoria de los Angeles noch die Intensität und Durchsetzungskraft von Teresa Berganza erreicht. Ihre Darstellung ist zwar auch individuell und klangschön, jedoch blasser als die ihrer Vorgängerinnen. Sehr enttäuschend der schwach klingende, teils vom Orchester völlig zugedeckte Tenor Vicente Ombuena Valls, dessen lyrisches Timbre hier völlig untergeht. Problematisch auch das Orchester unter Maximiano Valdés, dessen langsame Tempi zwar in manchen Szene durchaus spannend sind, jedoch in den rhythmisch markanten Tänzen und spannungsgeladenen Arien, die das Werk auch charakterisieren, nicht gerecht werden. Insgesamt wirkt die orchestrale klang eher grob, die Aufnahmetechnik ist ebenfalls nicht optimal, die Stimmen klingen teils entfernt und körperlos, die Balance im Orchester ist bisweilen unausgewogen.
Immerhin: Libretto und Einführung in das Werk und die Interpreten liegen bei.
Fazit: trotz des kleinen Preises kann man die Aufnahme nur mit Vorbehalten empfehlen, sie bietet nur gediegenen Durchschnitt; ehe interessant für Sammler.