Einer meiner Vorrezensenten schreibt hier, dass die beste Aufnahme von Toscanini sei. Wie gut (oder auch schlecht), dass ich diese nicht kenne. Das liegt jetzt nicht daran, dass ich Toscanini nicht schätze und auch nicht daran, dass ich eventuell ein Tonqualitätsfetischist bin. Es ist einfach so, dass diese Aufnahme von Kleiber mich seit meiner Jugend begleitet hat, und für mich hier gilt, was Albion Friedlos" bei Toscanini empfindet. Die Kleiber-Aufnahme ist jedenfalls für mich nicht zu toppen. Ich habe es ehrlich versucht, aber bei jeder Arie, bei jedem Duett und bei jeder Cabaletta.... ich vergleiche immer mit Carlos Kleibers Lesart und stelle für mich fest, das geht einfach nicht besser. Man muss nur das Duett Violetta/Germont im zweiten Akt hören, das ist schon eine ganze Oper für sich und dann der hervorragende dritte Akt... gerade ab dem Auftritt Alfredos...wenn man das hört und vergleicht, ist eigentlich alles andere an Aufnahmen nur noch fade. Sicher, es gibt bessere Violettas, kerniger klingende Alfredos und wärmere Germonts. Aber selten stimmt die Hörbühne bei Aufnahmen wie hier. Die Cotrubas macht aus ihrer nicht Violettaspezifischen Stimme mit jeder hörbaren Träne, jedem Seufzer und jeden Ton ein Rollenportrait, das seinesgleichen sucht. Milnes klingt in jeder Silbe väterlich. Domingo zumindest jugendlich draufgängerisch, auch wenn die Stimme ständig forciert erscheint. Die Comprimarii haben ein gewisses Format.
Tomac
P.S. vielleicht ändere ich meine Meinung, wenn ich Toscanini gehört habe... aber das traue ich mir momentan nicht zu.