"La Sexorcisto: Devil Music Vol.1" markiert das erste musikalische Auftreten der Zombies aus dem Jahre 1992: Eine Bande echt guter Musiker und ein etwas ausgeflippter Frontmann mit einem speziellen Faible für Horrorfilme und Gruseliges an sich versuchen experimentell, diese beiden Komponenten zu vereinen und das Resultat nennt sich dann "White Zombie".
Der markante Sound, der vor allem drei Jahre später durch "Astro Creep: 2000" prägend auf einige Bands der Neunziger ausstrahlt, wird auf diesem Album ergründet und in seinem Grundgerüst manifestiert, ohne dabei aber zu sehr ins Detail zu gehen. Das erste Werk aus Rob Zombie's Gruselschmiede wirkt eher roh und trashig, was auch an der mangelhaften Produktion liegen mag, denn was die Soundqualität angeht, klingt "La Sexorcisto" wirklich, als hätte man die Scheibe direkt in Mrs.Monsters Garage aufgenommen und an einem kleinen PC mit stark begrenzten Arbeitsspeicher überarbeitet. Da fehlte wohl einfach (noch) das Geld.
Über die Abstriche bei der Produktion kann man aber getrost hinwegsehen, denn die Musiker präsentieren sich als durchaus talentierte Instrumentalisten, die Spass machen: Ivan DePrume setzt sein recht lautes Drumset ausgewogen und vielseitig ein, indem er den Hörer mit hallenden Toms, regelmässig auftretenden Double-Bass-Hieben und verschiedenen Trommelwirbeln traktiert, wobei er auch noch intelligente Pausen setzt und dabei einen unterhaltsamen eigenen Stil entwickelt. Der Bass, der von der Zombie-Dame Sean Yseult gezupft wird, trägt durch schwere Basslinien sehr zum Grooven bei und treibt die Musik andererseits auch stetig voran, während J. an den hochgezerrten sechs Saiten auf der Suche nach dem typischen Zombie-Gitarrensound oft noch heavy-metal-lastig auftritt und zwischen ächzenden Solos und sehr harten Riffs einiges ausprobiert und sein Instrument ordentlich hernudelt.
Das Ergebnis ist eine impulsive Mischung aus solidem Hardrock und progressivem Metal, worauf Rob Zombie dann bereits in der für ihn so typischen Weise seinen Stempel presst. Er demonstriert mit seinem fiesen Gesang bzw. Gegröhle eindrucksvoll, dass man vor allem in der Rockmusik kein guter Sänger sein muss, um gut zu klingen, denn seine etwas proletenhaft anmutenden Vocals passen ausgezeichnet zu den Inhalten von abgespaceten Monstern, vollbusigen Dämonen-Mädels und teuflischen Autos. Man darf hierbei aber natürlich nicht den Fehler machen, Rob Zombie zu ernst zu nehmen, das tut er wohl selbst nicht, denn es steckt immer auch einiges an Humor und besonders auch Fantasie und Träumerei in der Musik, auch wenn es auf den ersten Blick nicht immer so deutlich wird. Dabei lohnt es sich auch, das überwiegend mit comicartigen Illustrationen des Frontmanns selbst bestückte Booklet zu betrachhten, welches dem Gesamtbild einen passenden Rahmen verleiht. Man muss Zombies Sprache eben verstehen lernen.
Auch wenn er diesbezüglich auf diesem Album schon massig Lernmaterial bietet, fällt einem Kenner späterer Werke auf, dass der Sänger noch relativ viel Raum für die anderen Musiker lässt, sodass es auf "La Sexorcisto" auch mal zu länger anhaltenden Instrumental-Passagen kommt, deren Erzeugnisse dann eindrucksvolle Stimmungen sind, die man einfach genießen sollte.
Den angestrebten Spagat zwischen Rockmusik und Horror erreichen White Zombie neben diesen noch nicht so stark ausgeprägten instrumentalen Schauerstimmungen insbesondere durch die Einspielung zahlreicher Ausschnitte aus alten Horrorklassikern oder femininen Stöhn-Samples vor allem zwischen den Songs. Der später perfektionierte Horror-Sound wird auf diesem Album aber insofern noch nicht ganz erreicht, da man es nicht schafft, die schaurigen Aspekte direkt in die Musik zu integrieren. Stattdessen wird der Hörer eher durch die direkt vor die Tracks an sich gestellten Grusel-Extrakt-Intros in die gewünschte Stimmung gebracht, welche dann während den noch halbwegs genormten Songs weiteranhält und dann erneuert wird.
Das Experiment funktioniert also, auch wenn White Zombie noch nicht ganz genau zu wissen scheinen, wo sie musikalisch hinwollen. "La Sexorcisto" dient einerseits dem Ausloten des Zombie-Styles, es bietet aber andererseits mit "Tunder Kiss '65" oder "Black Sunshine" (Gastauftritt Iggy Pop) auch schon echte Klassiker, die wirklich Spass und vor allem Lust auf mehr machen.