Das Streben nach Unabhängigkeit.
Dinge anpacken, weil man Lust darauf hat - in Ruhe, hauptsächlich zur eigenen Zufriedenheit.
Etwas reifen lassen - nichts überhasten, abwägen - für gut befinden, fein ausarbeiten.
Wir ALLE haben wohl eher selten die Möglichkeit, diesen Prozess zu erfahren.
Zumindest in unserer zunehmend hektisch geprägten Arbeitswelt.
Eine Band, die diesem Ideal ziemlich nahe kommt, hat wieder zugeschlagen.
10 JAHRE sind vergangen - genug Zeit, um in den Köpfen der Menschen zu verschwinden.
Doch bei DIESER Band, haben wir gerne gewartet. Also auf - zum MARCH OF THE SAINT ...
Stil
Power Metal - Groove-orientiert
Tendenzen
Classic Rock Einflüsse
Anspiel-Tipps
Loose cannon, Head on, Left hook from right field
Get off the fence, La raza
EINDRUCK
Was ist das? Ein Click-Track, ein Metronom?
Nach ein paar Sekunden dann, bedrückende Cellotöne, Violinen Sounds - Schwermütigkeit im Sinn.
Time is running out - Die Rasse (vom spanischen La Raza) - also wir ALLE haben nicht aufgepasst
- der Welt geht's schlecht. Wir entwickeln uns in die falsche Richtung - aber so was von
... Mensch, wenn das nicht ARMORED SAINT wären, dann aber, na ja, lassen wir das.
Nach etwas mehr als einer Minute dann aber der Einstieg mit "Loose cannon" - einem recht typischem ARMORED SAINT Stück. Auf Basslinien aufgebaute typische Dynamik des Fünfers, wobei der Bass im Hintergrund immer weiter die Click-Track Töne transportiert - ein herausragender Sänger, eine wieder einmal sehr Song-dienliche Mannschaft, eine warme, transparente Produktion.
Der zweite Song startet mit analogen, weichen Hammond-Orgel Sounds, ungewohnt - aber gut - "Head on".
Eine weitere Midtempo Nummer, mit diesem unwiderstehlichen SAINT-GROOVE, der mich irgendwie immer an einen gut geölten Zug erinnert. Rollend - im perfekten Gleichklang, harmonisch - rund und stetig.
Der Break im Mittelteil überführt in einen stampfenden Teil, immer vor sich hinwabernde Riffs,
eine coole Soloeinlage - Musik kann so schön sein. Leichte Tempo-Verschärfung und Rückführung in diesen herrlichen Refrain - eine ganz starke Nummer. Die Gitarren klingen schön abgehangen, kraftvoll, versehen mit der nötigen Schärfe. Vera und der gute Sandoval G., gießen ihre fein ausbalancierten Fundamente dazu.
"Left hook from right field" - der dritte Teil dieses grandiosen Einstiegs, etwas schneller als die beiden Vorgänger, und wohl der beste Song des Albums. Wieder begeistert der starke Refrain - überhaupt bleibt hier bereits festzuhalten, dass der gute JOHN BUSH besser singt als vor langen Jahren. Die Songs weisen viele melodische Teile schon in den Strophen auf, die Refrains sind wirkliche Höhepunkte der Songs, ohne Plattheiten, funktionieren in erster Linie als Power-gestärkte Rocksongs.
So bist Du nach diesen 3 Knallern im Album unweigerlich angekommen. Und doch nimmt "Get off the fence" dann plötzlich Tempo auf, die Gitarren treiben unheimlich voran, mit schnellen, fast schon Stakkato-artigem Riffing. Doch der sehr melodische Soloteil, welcher dann in einen schnellen überleitet, bringt das gewisse Etwas mit ein.
JOEY VERA hat das Album komplett komponiert - sämtliche Texte kommen von JOHN BUSH.
Ein Projekt Charakter hätte alles inne, ist zu vernehmen - es sind nun auch schon 10 Jahre vergangen, seit der damaligen "Revelation"-Scheibe.
Dies erklärt wahrscheinlich die unheimliche Entspanntheit, die dieses Material ausstrahlt.
Hier muss sich wohl keiner etwas beweisen - gemacht wurde, worauf die Jungs Lust hatten.
Beispiel Song 5 "Chilled" - der Name ist Programm - eine ruhig angesetzte Nummer, die eine rockige Zeitlosigkeit atmet, immer wieder in extrem gelöste Passagen führt - habe ich schon die Gitarren erwähnt?
Ja - Nein - ich weiß es nicht. Sie sind klasse geworden - hier eine kleine Harmonie, dort ein ferner Solo-Lauf im Hintergrund, erstklassige Soloteile - unaufgeregt und doch prägend.
Über das Rythmus-Gerüst eines Joey Vera und eines Gonzo muss man eh nicht reden - das passt einfach.
Der Titelsong startet mit Tribal Percussion, die auch den gesamten Song begleiten, dazwischen gibt es lange Instrumentalabfahrten, drückende Riffs, einen aggressiv shoutenden Sänger und einen dieses Gefühlschaos öffnenden Refrain, der mit langgezogenen Tönen punktet - hat fast was von LED ZEPPELIN.
"Black feet" klingt knackig groovend - "Little monkey" hat gar Punk-Rock-Attitüde.
"Blues" ist dynamisches Wechselspiel zwischen Entpanntheit und mitreißendem Rocker.
Und "Bandit country" zum Abschluß wirkt, nach verspieltem Rhythmus-Beginn, fast noch einmal metallisch, mit einfachen, schweren Riffs und wieder einmal einem coolen Solo.
Irgendwie klingt alles lebendig - hat einen richtigen Sog, einen Flow, der Einen folgen lässt - hier scheint nichts konstruiert. Dass JOHN BUSH zu den besten Sängern der Szene gehört, sollte sich rumgesprochen haben.
Dass VERA/SANDOVAL die Groove-machines des Circus sind eigentlich auch.
Und was der zweite SANDOVAL zusammen mit DUNCAN an den Gitarre hier abzieht ist einfach fetter Power Rock in Vollendung, mit immer latent vorhandenem Metal-Flair.
Je länger man sich mit dieser Scheibe beschäftigt - um so besser wird sie.
Etwas ungewohnt zu Beginn - möglicherweise.
Aber so wie sich Armored Saint immer weiter vom alltäglichen Business lösen, sollte man sich als Hörer auch von der an diese Band gestellte Erwartungshaltung lösen.
Hier regiert der Spass an der Musik - Musiker ohne Ego-Probleme.
Einen auszumachenden Schwachpunkt sucht man dann bei näherer Betrachtung auch vergebens.
Kritik wird somit hier nicht zugelassen - ALLES KLAR ...
FAZIT
Locker komponierte, ungezwungen klingende Scheibe - Kopf-aus, Bauch-an-Gefühl
Abwechslungsreich - von einer ungehört tight aufspielenden Band
Energetische, frische Rocksongs - immer melodisch, doch voller power-beladenem Groove
Und der authentische, ursprüngliche Sound, durch analoges Vorgehen, ist eine WOHLTAT.
DARKEN TOM from darkenstorm.com