Nach »Sibérie m'était contéee«, dem nur in Frankreich und in Verbindung mit einem Kinderbuch erschienenen Album, das im wesentlichen an den französischen Chanson erinnerte, reiht sich »La Radiolina« in den von »Clandestino« und »Próxima Estación: Esperanza« altbekannten Patchanka-Style ein.
Allerdings ist das Album deutlich gitarrenlastiger und schneller als das Debüt und sein Nachfolger und schlägt die Brücke zwischen Dem, was Manu Chao und seine Band auf der Bühne veranstalten (vgl. Manu Chao & Radio Bemba Sound System - The Live Album) und ihren Studioaufnahmen. Laut Manu Chao liegt dies nicht zuletzt an der weltpolitisch angespannten Situation und ist neben der ersten Single Auskopplung »Rainin' in Paradize« am deutlichsten in »El Hoyo« und in » The Bleeding Clown«, wo Manu Chao über das bittere Gefühl des Verlassen Werdens singt, zu hören. Möglicherweise liegt der gitarrenlastigere Sound aber auch nur schlicht und einfach am ersten Mitwirken des Radio Bemba Gitarristen Madjid an einem Studioalbum.
Mit von der Partie ist im Übrigen auch Tonino Carotone, langjähriger Freund und Wegbegleiter von Manu Chao, auf dessen Single »Me cago en el amor« Manu Chao's »La Trampa« erschienen ist.
Erwähnenswert ist auch die Hommage an Diego Maradona, der bereits zu alten Mano Negra Zeiten mit dem Song »Santo Maradona« bedacht wurde. »La Vida es una Tombola« erzählt von dessen schicksalhaftem Leben zwischen heldenhafter Verehrung und Drogenabhängigkeit und dem damit verbundenen Fall.
Der für den Kino Film »Princesas« geschriebene und mit dem spanischen Goya für die beste Filmmusik bedachte Titel »Me llaman Calle« findet sich auf der Platten ebenso wieder, wie mit »Otro Mundo« und »Mundorévès« zwei auf den ersten Blick ruhig anmutende, teilweise sanft dahin fließende Latino-Balladen, die sich jedoch wie so oft in Manu Chao's Liedern mit Krieg und Tod beschäftigen. Insgesamt ist es ein sehr politisches Album geworden, wobei ich mich aber von der viel benutzen und etwas klischeehaften Behauptung, es sei ein globalisierungskritisches Album, distanzieren möchte. Meiner Meinung nach ist es viel mehr als das. Obwohl Manu Chao oft vorgeworfen, bedient er sich nicht der typischen kleinkarierten und im standardisierten Kontext benutzten Satzfragmente, sondern setzt sich mit den Themen auf einer Metaebene auseinander. Natürlich ist sein Stilmittel die reduzierte Form einer Kindersprache, mit der er es versteht selbst komplexe Zusammenhänge auf das Wesentliche zu beschränken.
Musikalisch sehr abwechslungsreich mit vielen Harmonie- und Tempowechseln und der nötigen Tiefe auch auf inhaltlicher Ebene kann ich das Album sehr empfehlen. Mich hat es und wird es noch sehr begeistern.