Claude Debussys schrieb einige grandiose Orchesterwerke. Mit dieser CD beweist Pierre Boulez, dass er zurecht als bester lebender Impressionismus Interpret bezeichnet werden kann.
Die bekannteste sinfonische Dichtung des Franzosen ist "La Mer". Lautmalerisch und voll und ganz im Zeichen des Impressionismus schafft es Debussy, einen Tag auf dem Meer in Musik umzusetzen. Im ersten Teil beschreibt er den Sonnenaufgang - ein leiser, pittoresker im Vergleich zum ravelschen aus "Daphnis et Chloé" - und das stille, sanfte Meer bis zum Mittag. Spielerisch und sehr farbig lässt er im zweiten Satz die Wellen spielen. Der Höhepunkt des Stückes ist der dritte Teil, in dem Debussy den Winde einen unfassbar farbenreichen Dialog mit den Wellen führen lässt.
Ähnlich ziseliert, in der Anlage nur etwas wuchtiger gebaren sich die "Nocturnes". Die drei Bilder dieses Zyklus' weisen keinen größeren Zusammenhang zueinander auf. Zunächst beschäftigt sich Debussy mit den Wolken. Die düsteren und geheimnisvollen Klangimpressionen, die der Meister hier projiziert, sind wirklich einmalig. In den "Fêtes" hingegen gibt er sich ganz gelassen und losgelöst frei. Auch hier ist der dritte Teil das Highlight. Debussy greift die düstere Stimmung des ersten Teiles wieder auf und führt den Hörer auf eine schreckenhafte Fahrt zu den Sirenen. Er setzt einen wortlosen Frauenchor für die Sirenen ein - eine sehr erlesene Nuance!
Eines seiner spätesten Orchesterwerke ist "Jeux". Dieser Geniestreich wird auch heute noch hinlänglich vernachlässigt, obschon es sich um eines der besten Werke Debussys handelt. Es beschreibt lautmalerisch auf höchstem Niveau einen heißen Sommertag. Man stelle sich einen Stadtpark vor, in dem einige Menschen Picknick machen, einen betriebsamen Tennisplatz - daher der Name - und irgendwo in der Ferne ein Fest oder ein Marsch. Das Stück ist sehr facettenreich und eines von Debussys buntesten und abwechslungsreichsten Oeuvres.
Als Zugabe gibt es die Rhapsodie für Klarinette und Orchester, ein verträumtes Stück, in dem die Klarinette weniger mit dem Orchester konzertiert, als vielmehr gemeinsam mit diesem pastorale Klangwelten erschließt.
The Cleveland Orchestra spielt diese Stücke fehlerfrei, bis ins letzte Momentum transparent, aber dennoch mit dem richtigen Gespür für diese Werke. Boulez ist im Bereich des musikalischen Impressionismus einfach ungeschlagen. Keiner, kein Karajan, kein Dutoit, kein Abbado kommt an diese Perfektion heran. Die Aufnahmequalität ist hervorragend.
Fazit: Wohl eine der besten CDs aus dem umfangreichen Sortiment der DGG - unerreicht auf Jahrzehnte!