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Nun können wir uns endlich freuen auf die erste von drei geplanten "La Linea"-DVDs - und damit auf abendfüllende Begegnungen mit dem Strichmännchen. Viele TV-Zuschauer in Deutschland dürften es als Füllsel zwischen mehreren Werbespots kennengelernt haben, damals, in den frühen 70er Jahren, als Tilli noch palmolivene Handbäder verordnete, der General-Reiniger marschierte und die Ariel-Tante reinheitswillige Hausfrauen indoktrinierte.
Aber hat "La Linea" dieses Mauerblümchen-Dasein verdient? Es ist eine Cartoon-Idee von Osvaldo Cavandoli, die ihresgleichen sucht, unterlegt mit kongenialer Swing-Musik von Franco Godi. Das Konzept entstand 1969 als Auftragsarbeit für den Küchengerätehersteller Lagostina und ist seit jeher international, braucht nicht synchronisiert zu werden - k a n n nicht synchronisiert werden! Verantwortlich für die unnachahmlichen verbalen Eskapaden war der italienische Synchronsprecher Carlo Bonomi, der den linearen Katastrophen phonetisches Leben einhauchte.
Die Geschichten selbst (eigentlich sind es nur Situationen) sind derart vielfältig und so zahlreich, daß eine inhaltliche Beschreibung hier kaum möglich ist. Der ursprüngliche Werbeauftrag verselbständigte sich schon bald. "La Linea" wurde zu einer Kultfigur der damaligen TV-Comic-Szene. Immer geht es um ein schrulliges Geschöpf mit starken Gefühlswallungen und unverkennbar menschlichen (Charakter-) Zügen. Eben noch dankbar und gutgelaunt, weil der Zeichner ein neues Utensil spendierte, flucht es schon Sekunden später zornig, hasserfüllt und böse. Denn fast immer entpuppt sich das Neue als Wolf im Schafspelz und lehrt dem gutgläubigen und extrem neugierigen Strichmännchen bittere Erfahrungen. Es ist wie im richtigen Leben, nur halt auf die Spitze getrieben - wie bei jeder Karikatur. Von Natur aus launische Menschen werden sich hier wiedererkennen, Optimisten werden wissend nicken und trotzdem lachen. Pessimisten sehen sich permanent bestätigt. Für jeden Charakter ist etwas dabei.
Und doch ist die ununterbrochene Betrachtung zweistündiger Cholerik problematisch: Es fehlt die Heile-Welt-Werbung zwischendurch! Karikaturen im Überfluß können schnell zur Übersättigung führen. Witze, die nur aus Pointen bestehen, verlieren ihren augenzwinkernden Charakter. Deswegen möge der Zuschauer bisweilen eine Pause einlegen und sich wohldosiert von irgendeinem Privatsender Szenen des wirklichen Lebens gönnen. Aber Vorsicht vor dem Spot für eine Hämorrhoiden-Salbe: Da ist sie nämlich schon wieder - diese cholerische Linie. Sie lebt also immer noch! Durch diese DVD könnte sie einmal mehr unsterblich werden.
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