Wer Countertenöre schätzt, kommt an Jaroussky nicht vorbei. Im letzten Jahr enttäuschte er seine Fans womöglich ein wenig mit dem frz. Album. Ich gebe zu, daß ich frz. Musik so gar nicht mag (egal ob Klassik oder Pop), bei Jaroussky aber durchaus zugehört habe, und das gern. Allerdings hat mich dieses Album nicht begeistert. Ich war also sehr froh, daß er mit LA DOLCE FIAMMA wieder zu seinem angestammteren Territorium zurückgkehrt. Bach, nicht Sebastian, sondern Johann Christian, ist ja vielleicht der mozartischste Bach, seine Musik, die Mozart übrigens sehr schätzte und die ihn inspirierte und beeinflußte, weist stark auf Mozart hin.
Jarousskys glasklare, fast jungenhafte Stimme leuchtet, seine Technik ist wieder stupend, Orchester und er musizieren auf das allerschönste miteinander. Es gibt kein kleines Aber: Manchmal scheint mir, daß er interpretatorisch noch nicht auf der Höhe dieser Arien ist (die ja viel mehr der Klassik als dem Barock zugehören). Vielleicht ein bißchen zu früh für diese Musik? Nur schön singen (obwohl auch das schwer genug ist) reicht einfach nicht aus.
Aber ganz ehrlich: das ist Mäkelei auf höchstem Niveau, es gibt außer Andreas Scholl derzeit m. E. keinen Counter, der mit Jaroussky vergleichbar wäre. Eine CD, die unbedingt ins Regal gehört. Außerdem holt Jaroussky damit Johann Christian Bach mehr ins Rampenlicht, was dieser mehr als verdient hat.