Wer diese von Sony herausgegebene Box mit 25 CDs ersteht, spart gegenüber dem Kauf als Einzeltitel über 150 Euro. Was er dafür erhält steht in einem sensationell günstigen Preis-/Leistungsverhältnis: Alle CDs sind remastered, 15 der Silberlinge enthalten rare Bonustracks. Ein 36-seitiges vierfarbiges Booklet (mit einem Vorwort in Englisch und Französisch) listet die Erscheinungsdaten der Original-LPs, die Bandmitglieder samt ihrer Instrumente sowie die Komponisten auf. Für jeden Longplayer gibt es eine Coverabbildung und ein vollständiges Tracklisting (mit Angabe der Laufzeiten). Das ist wichtig, da die einzelnen CDs in einem Papersleeve stecken, auf dem nur das Cover und die Rückseite der Original-LPs abgedruckt sind. Die Schrift auf der Hülle ist entsprechend klein und nicht immer gut zu lesen.
Inhaltlich versammelt die Box Meilensteine der Jazzgeschichte im Zeitraum von 1933 bis 1988, darunter Art Tatums »Piano starts here«, »Kind of Blue« von Miles Davis, »Tijuana Moods« von Charles Mingus, Erroll Garners »Concert by the sea« oder Sarah Vaughans »In Hi-Fi«. Schwerpunkte bilden Instrumente wie Piano (u.a. Martial Solal, Art Tatum), Trompete (u.a. Louis Armstrong, Chet Baker, Wynton Marsalis) und Saxophon (Charlie Parker, Stan Getz, Paul Desmond, Gerry Mulligan). Stilistisch reicht die Auswahl von Swing und Bebob über Bossa Nova bis hin zu Fusion und Funk, darunter seltene Aufnahmen von Helen Merrill oder des E-Bassisten Jaco Pastorius. Ein echtes Fundstück ist die Original-Kinomusik zu Clint Eastwoods »Bird«.
Die Klangqualität der Aufnahmen variiert, aber das ist historisch bedingt: Einige ältere Produktionen wurden in mono aufgenommen; erst danach hatte sich Stereo durchgesetzt. Aber schon bei »Art Blakey and the Jazz Messengers« (1956) und Dave Brubecks »Time out« (1959) ist der Klang voll und transparent (vor allem durch das nachträgliche Remastering). Die Aufnahmen ab 70er-Jahre ff. steigern sich tontechnisch noch einmal.
Wie kundig und liebevoll diese Produktion zusammengestellt wurde, zeigt nicht nur die Liste der Künstler und ihrer Werke, sondern auch die Ausstattung der Box. Sie ist aus solider Hartpappe gefertigt (Deckel kann abgenommen werden). Die Papersleeves sind etwas größer gefertigt als üblicherweise, sodass die CDs beim Herausnehmen nicht verkratzen. Auf den schmalen Rücken jeder CD sind Interpreten und CD-Titel abgedruckt, ganz links findet man die Nummern der CDs (von N° 1 bis N° 25), sodass man sie in der richtigen Reihenfolge wieder in die Box einsortieren kann.
Kurzum: Ein Must-have zu einem Hammerpreis, dessen Box-Edition 2 hoffentlich nicht lange auf sich warten lässt.