Ich habe jedes einzelne Ween-Album im Regal stehen und jedes für sich hat seinen speziellen Charme. Wechselt das musikalische Konzept zwar jedesmal, so gelangen Ween unabhängig von gewähltem Stil und Sound doch immer wieder nah ans Geniale. So sehr sich die Alben unterscheiden, jedes einzelne für sich ist ein kleines bescheidenes Meisterwerk, bis hin zu Quebec, dem Vorgänger von La Cucaracha, aus dem Jahre 2003.
Als im Jahre 2005 das von der Band selbst als "Reste-Verwertungs-Album" eingestufte "Shinola Vol. 1" herauskam, dachte ich noch: "Gut, dass sie es so angekündigt haben" So war die Erwartungshaltung nicht allzu anspruchsvoll. Das Album bestand dann auch den für einen Fan typischen ersten Ween-Hörtest locker. Die Melodien stimmten, die Sounds waren wild durcheinander gemixt aber immernoch "brown".
Das Übel begann erst mit der diesjährigen EP "Friends"... von Ween selbst noch als "Vorab-Meisterwerk für das kommende Album und dringendes Muss für jeden Fan" angekündigt, entpuppte sich die Scheibe als schrecklicher geschmackloser Müll! Allen voran jagte einem der Titelsong in seinem Après Ski Ambiente die bloße Ekelgänsehaut über den Rücken, setzt man doch als Ween-Fan einen gewissen musikalischen Intellekt voraus. Diesen lässt schon die EP voll und ganz ins Leere laufen!
Nun erscheint "La Cucaracha", wieder mit großen Sprüchen als "Pflichtkauf für jeden Fan" angekündigt! Und da dreht sie sich nun einsam in meiner Anlage... die Lautstärke schon beim zweiten Hören (hey, so viele Chancen muss man einer Ween-CD schon einräumen...) bereits auf ein Minimum heruntergedreht.
Eröffnet mit dem traditionell eher lustig gehaltenen "Fiesta", gefolgt vom durchaus Ween-tauglichen "Blue Balloon" ist man noch durchaus zufrieden mit dem Gekauften, tobt sich der Altmeister Andrew Weiß doch liebenswert und akribisch am Sound aus und lässt keine Möglichkeit ungenutzt, ein elektronisches Flimmern hier und einen Windhauch dort einzubasteln.
Doch dann kommt auch schon der erste Schocker: "Friends"... da war doch was... oh no, der besagte Titelsong dieser EP, die bereits (höchstens 2x gehört) irgendwo in der staubigen Fehlkauf-Ablage meines CD-Regals schlummert! Lassen wir diesen Song also mal unkommentiert, um die höfliche Form beizubehalten!
Gott sei Dank bleibt es nicht beim wummernden billig-Disco-Beat, es soll auch für diese Platte ein einzelner Ausrutscher bleiben. Dennoch erholt sich das intellektuelle Niveau des Albums bis zum Schluss nicht mehr von diesem Tiefschlag!
Versuchen Songs wie "Object" oder "Spirit Walker" noch krampfhaft, den enttäuschten Hörer wieder für sich zu gewinnen, zieht alles andere mit seinen traurigen weil vergeblichen Versuchen, einfach nur lustig zu sein, den geneppten Käufer wieder ganz nach unten! Kein musikalischer Witz, keine besonderen Inhalte, ja nicht einmal ein ohrenschmausender "Robbie-Williams-meets-Pink-Floyd-Schlager" wie das meisterhafte "If You Could Save Yourself" von der "Quebec" wird dem gebeutelten Hörer die Zeit des Lauschens verkürzen! Es ist ein Graus!
Warum gibt dieser Ween-Fan dann zwei Sterne, fragt Ihr Euch jetzt... nun... ich bin in der Tat ein absoluter Fan! Daher mag ich den ersten zwei Stücken noch durchaus was abgewinnen. Auch das vorletzte Stück "Woman and Man" gibt einem nochmal das Gefühl, dass da jemand gearbeitet hat, in diesem Fall vor allem Dean Ween, der minutenlang die Saiten seiner Klampfe malträtiert und dabei endlich zeigt, dass er bei dieser Scheibe überhaupt dabei ist. Er singt zwar "My Own Bare Hands", aber das geht leider als trauriger Versuch, sein eigenes "It's gonna Be A Long Night" zu kopieren und dabei ein bisschen Teenie-Humor einzubasteln, sofort wieder im Nirvana des irgendwie nebenher gehörten unter.
Außerdem habe ich ja noch einen kleinen Funken Hoffnung, dass es zum Album eine Tour geben wird, die Ween auch mal wieder nach Deutschland bringt! Und so viel sei gesagt: als Live-Band ist Ween einzigartig und stets ein großes Erlebnis!