Die beiden Studenten Graff und Javotnik streunen mit einem geborgten Motorrad quer durch Österreich und begegnen Tieren
und Mädchen, Psychopathen und Philanthropen, harter Realität und fantastischen Märchen ...
Irvings erster Roman ist sicher nicht sein bester. Trotzdem ist auch hier schon alles angelegt, was ihn als Schriftsteller ausmacht: sprühende Fantasie, klare Vorliebe für Freaks und skurrile Ereignisse, bewusster Umgang mit der Bildkraft der Sprache und die Sehnsucht nach Abenteuer. Die ,Bären' geraten allerdings zum Schelmenroman ohne authentischen Hintergrund, denn Irvings Österreich ist ein Eldorado der Anarchie - was es nie war. Irving verbrachte im Umfeld der Roman-Entstehung einige Zeit in Österreich, ohne dort wirklich Fuß fassen zu können. Wien erschien ihm trist und antisemitisch (was er später in ,Das Hotel New Hampshire' trefflich porträtierte).
Stellenweise liest das Werk gar ziemlich zäh, besonders in den Einschnitten mit notizenhaften Rückblenden, die nicht immer den Zusammenhang wahren. So etwas ist für Irving ziemlich ungewöhnlich und nur damit zu erklären, dass er damals noch auf der Suche nach seiner eigenen, richtigen Form war. Er ist später nie mehr zur vordergründig experimentellen Schreibweise zurückgekehrt, und Langeweile ist bei ihm gewöhnlich ein Fremdwort.
Ich empfehle das Buch den Fans (wie ich einer bin) und allen Einsteigern dringend ,Owen Meany' oder ,Gottes Werk und Teufels Beitrag'. ,Lasst die Bären los' ist sicher ein guter Roman, nur stellenweise nicht ganz leicht zu lesen.