Gegen Gefühle helfen geschliffene Argumente selten. Deshalb haben viele Menschen Angst vor Gefühlen. Und Vorbehalte gegen Lyrik. Denn die zielt nicht auf den Kopf, sondern auf den Bauch. Das ist auch bei den Liebesgedichten von Yvonne Naumann so. Wehren kann sich der Leser gegen ihre lyrisch-kantige Liebesgeschichte nur, indem der die Lektüre verweigert. Ansonsten lässt er sich auf die zwiespältige Gefühlswelt einer hungrigen, aber niemals satt gewordenen Liebe ein. Unglücklich Verliebte werden in zeitgenössisch-harter, nicht etwa in altertümlich-romantischer Sprache daran erinnert, dass sie keinesfalls allein sind mit einem Kummer, der einem erfüllten Leben innewohnen kann.
Ein trotz zuweilen etwas konstruierter Wortfolge lesenswertes Büchlein, das pseudorationaler Sachlichkeit eine Absage erteilt und ermutigt, schmerzliche Gefühle gegen alle Vernunft zuzulassen. Ohne Untiefen ist Glück nicht erhältlich.