Für alle Serienfreaks ist er mittlerweile spürbar geworden - der Autorenstreik des
vergangenen Jahres hinterlässt langsam aber sicher seine Spuren.
So konnte sich auch die Mysterieserie "Lost" nicht diesem Debakel entziehen und glänzt
in der mittlerweile 4. Staffel auf leider nur 14 Episoden.
Doch was heißt leider - anscheinend hat man die Ideen für mehrere Episoden kompakt
in diese 14 Folgen gebannt, denn die Folgen sind spannender, packender und
erhellender dennje.
Der noch im Hinterkopf schlummernde letzte Eindruck der dritten Staffel über das Leben
unserer gestrandeten Helden, nachdem sie sich wieder in der normalen Zivilisation
befinden, wird tatsächlich beibehalten und verändert somit zum ersten Mal ein ganz
wichtiges Grundelement der Serienstruktur.
Die Rückblicke finden nun nicht mehr in der Vergangenheit der Charaktere statt,
sondern lassen die Zwischensequenzen in die Zukunft blicken.
Für eingefleischte Lost-Fans zunächst eine kleine Umstellung, die allerdings ungeahnte
Möglichkeiten der Erzählweise aufzeigt.
So führen die Wechsel zwischen Gegenwart, auf der Insel, und Zukunft, nach der
potenziellen Rettung, zu anspruchsvollen Lückenfüllern in der Storyline.
Mitdenken ist also angesagt, denn Episoden wie zum Beispiel die verblüffend geniale
5. Folge, switchen dauerhaft zwischen Realität und Zukunft hin und her und bieten dem
Zuschauer tatsächlich richtig anspruchsvolle Unterhaltung.
Eine gelungene Änderung des Gesamtkonzepts also, wobei man sagen muss, dass in
Staffel 4 deutlich mehr Geheimnisse offen gelegt werden als in den ersten drei Staffeln.
Als Entlohnung für jeden Mysterie-Fan werden selbstverständlich fast sämtliche
Offenbarungen gegen Ende der Staffel widerlegt bzw. durch neue Geheimnisse ersetzt,
so dass der wichtige "Cliff-Hanger", also der Spannungsbogen zur kommenden 5. Staffel,
mal wieder nicht zu gering ausfällt.
Darstellertechnisch brauch ich wohl kaum mehr was zu erwähnen, denn das Team hat sich
nach mittlerweile vier Staffeln auf einem Niveau eingespielt, dass andere Serien weit
zurück lässt.
Die Charaktere wirken immer noch interessant und jeder für sich mysteriös.
Außerdem bringen die neu angesiedelten Charaktere wieder Futter für neue Hintergrund-
geschichten und spannende Nebengeschichten.
Storytechnisch kann man sich auf abwechslungsreiche und spannende Episoden freuen,
die so manch ungeahnte Überraschungen mit sich bringen.
"Lost" hält das Niveau der ersten drei Staffeln und meistert gekonnt, den für viele andere
Serien bedauerlichen, Serienstreik.
Eine gelungene Staffel, die trotz der nur 14 Episoden eine ganz Große ist.