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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5.0 von 5 Sternen
Zu viel für einen Kopf,
Von
Rezension bezieht sich auf: LJOD. Das Eis (Gebundene Ausgabe)
Nach Bro war ich mir noch unsicher, nach LJOD kann es keinen Zweifel mehr geben: Sorokin ist ein Meister!War Teil 1 noch einlinig als Biografie des Sektengründers Bro vorgetragen worden und lebte dieser ganz ausschließlich von einer berückenden Geschichte, so zieht Sorokin in Teil 2 (der werkchronologisch früher entstand) alle Register. Vier Teile hat das Buch. Im ersten wird der Leser Zeuge neuer Erweckungen, diesmal im zeitgenössischen Russland. Ungeschminkt und gnadenlos wird in die hässliche Welt der Drogen, Nutten und Mafiosi hineingeleuchtet, wird ein ganzes Segment der russischen Gesellschaft sichtbar gemacht. Da geht es hart zu! Aber in der russischen Geschichte ging es schon immer hart zu. So auch im zweiten Teil, einer erneuten Ich-Erzählung, diesmal der zweiten Generation der "Sekte". Deren Geschichte reicht von KZ- und SS-Erfahrungen über GULAGs, stalinistische Säuberungen etc. bis hin zur Perestroika. Erbarmungslos, wie überall, legt Sorokin den Zynismus der Macht frei, beschreibt die Mechanismen des Totalitarismus, die Logik der Auserwählten. Bei alldem fühlt man sich irrwitzigerweise den Ideen der Verkünder des Lichts nahe, denn wer spürt nicht das heimliche Bedürfnis, endlich "aufgeklopft" zu werden, den eingefrorenen Gefühlen freien Lauf zu lassen, endlich weinen zu dürfen, endlich alle Herzenspanzer aufzubrechen? Das große Verlangen nach der ultimativen Einheit mit dem Sein. Macht Sorokin sich darüber lustig? Nimmt er es ernst? Die größte Stärke der beiden ersten Romane ist die absolute Beteiligungslosigkeit des Autors; nur so kann das Werk auf vielen verschiedenen Ebenen funktionieren und nur so bleibt es interpretationsoffen und virulent. Und als wäre das nicht genug setzt Sorokin auch noch eine unverschämt ironische Schlussnote - das Heiligtum Ljod wird zum Werbe- und Marketingereignis. Zu viel für einen Roman? Esoterik und Philosophie, New Age und Totalitarismus, Realismus und Science Fiction, Ernsthaftigkeit und Farce ... ? Mag sein. Zu viel für einen Kopf allemal! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
23 Worte des Herzens für 23.000 Hörende,
Rezension bezieht sich auf: LJOD. Das Eis (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch handelt von einer Elite und spielt mit dem üblichen Reiz, der Verlockung und auch der Abscheu einer Elite.Die Handlung: die Erde in der Gegenwart, bevölkert von Menschen -von "hohlen Menschen." Unter diesen Menschen jedoch befinden sich 23.000, die mit dem Herzen sprechen können, die aus Licht bestehen. Wie der Autor die Geschichte beschreibt ist sehr spannend, unter gutem Einsatz stilistischer Mittel, die jedoch auch teilweise etwas den Lesefluss bremsen. 4 Sterne für die Geschichte, für die Figuren und deren genaue Zeichnung. 1 Stern Abzug für das Ausbremsen im Lesefluss und - für das Ende. Zum Ende noch ein sehr schönes Zitat: Eure Herzen haben sieben Tage geweint. Es waren Tränen der Trauer und der Scham über ein zurückliegendes totes Leben. Jetzt sind eure Herzen geläutert. Sie müssen nicht länger weinen. Sie sind bereit, in Liebe zu sprechen. Mein Herz wird den euren das erste Wort sagen - in der einzigen Sprache, die es gibt. Der Sprache des Herzens. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sorokin rockt...,
Rezension bezieht sich auf: LJOD. Das Eis (Gebundene Ausgabe)
... ziemlich fantasievoll ab. Ob menschenverachtend oder nicht - es liest sich leicht und rasch. Sex, Drugs and Rock`n Roll postsowjetischer Ausprägung. Hat man ja alles schon einmal ähnlich gelesen in den 60ern, 70ern, 80ern, 90ern. Trotzdem interessant in den kleinen Details. Wer nicht nach tiefschürfender Filosofie sucht, sondern schnelle Befriedigung, ist gut bedient. Eventuell kann man ja auch darüber filosofieren - notwendig ist es nicht. Berechenbare Belletristik pur auf die erste Lesung - Groschenroman goes east. Was ich übrigens durch und durch positiv meine.
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