Eine quadratische, hellbraune Pappbox wird geöffnet. Man hebt eine weitere Box heraus. Schwarz, mit strukturiertem, lederartigem Muster. Man bekommt förmlich das Gefühl etwas ganz kostbares in Empfang zu nehmen. Und dieses Gefühl sollte man auch haben, nachdem man fast 500 Mäuse hingeblättert hat.
Wie ein Schmuckstück liegt das Prada 3.0 in einer Form. Unter dieser befindet sich das Zubehör, welches Edel in silbrig spiegelnden Tütchen hübsch sauber verpackt darauf wartet, vorsichtig entfernt zu werden, weil es doch sogar zu schade wäre, diese Tütchen zu zerschnippeln.
LG und Prada sorgen für viel Gefühl und Spannung beim Kunden, schon bevor er sein Prada-Phone in den Händen halten darf. Allein diese Strategie ist sehr gut gelungen. Schließlich möchte man für so viel Geld sein Smartphone aus keiner billigen Pappschachtel auspacken.
Und dann ist es endlich so weit. Groß und flach, wie ein Topmodel, in elegantem Schwarz, eingerahmt in einem silbernen, spiegelnden Rahmen. Recht schlicht aber elegant.
PRADA steht auf der Rück- und Vorderseite des Smartphones. Etwas weniger Selbstbewusstsein zeigt LG seine Initialen auf dem wie Leder strukturierten, matten und weichen Kunststoffdeckel auf der Rückseite des Prada Phone 3.0.
Viele Kritiken hat es gehagelt, warum LG und Prada die Rückseite nicht aus echtem Leder, Edelstahl oder Aluminium hergestellt haben. Rein preistechnisch hätte man dies auch verlangen können, doch stehen dem dafür eingesetztem Kunststoffdeckel auch gewisse Vorteile gegenüber einer anderen Variante. Der Deckel ist sehr leicht zu öffnen und vor allem sehr flexibel biegsam, was ihn unanfällig gegen Stöße und auch Kratzer macht.
Auf der Oberseite des Smartphone sitzen der Köpfhöreranschluss, der Aktivierungsknopf für die Frontkamera/Webcam, der Schiebeverschluss für das USB-Kabel und der Ein/Ausschalter. Bis auf die seitlichen Kunststofftasten für laut und leise, sind die übrigen Knöpfe aus Metall.
Welche Frage sich vielleicht zu Anfang stellen könnte, ist, ob das Prada 3.0 eher für Frauen zugeschnitten ist oder auch für Männer. Es ist designtechnsich für beide gut geeignet, da es zwar elegant aber trotzdem noch etwas markantes an sich hat.
Wenden wir uns den inneren Werten zu, denn mit dem Äußeren kann doch ein Prada immer leicht punkten.
Bei der ersten Inbetriebnahme sollte man als erstes die Firm- bzw. Software aktualisieren. Dabei handelt es sich um zwei Updates, die weniger als 15 MB groß waren.
Bedienung und Menü:
Wie vielen schon bekannt sein sollte, hat LG das Android-Menü leicht verändert. Die Icons sind nun weiß auf schwarzem Hintergrund. Alle anderen Apps, die man nachträglich runterlädt einschließlich alle Googlefunktionen, sind in Farbe.
Im Anwendungsmenü werden Downloads, Google-Dienste und vorinstallierte Anwendungen voneinander getrennt aufgelistet.
Verknüpfungen von Apps lassen sich z.B. auch über Anwendungen aufrufen und von dort auf den Desktop ziehen. Ansonsten funktioniert alles intuitiv.
Kritikpunkte:
1. Der Ein-/Ausschalter lässt sich etwas schwergängig betätigen. Es vergehen fast zwei Sekunden bis nach Betätigung des Schalters (im Display-Sperre-Modus) das Bild erscheint.
2. Die virtuelle Querztastatur ist nicht so gut zu bedienen, wie die des HTC Desire HD. Die Wortkorrektur arbeitet nicht sehr zuverlässig und neue Wörter werden nicht beim Schreiben gespeichert. Man muss sie manuell im Einstellungsmenü eintragen. Das ist umständlich und unpraktisch. Auch sind die virtuellen Tasten etwas zu klein geraten. Ein Curser existiert gar nicht. Man muss per Fingertipp die Stelle aussuchen, die man z.B. korrigieren möchte. Nach jedem geschrieben Wort, macht die Tastatur auch ein Leerzeichen, was ebenfalls störend ist. Denn Punkt, Komma oder Fragezeichen setzt man für gewöhnlich direkt hinter das Wort(!).
3 Sterne dafür, weil es bei HTC besser klappt.
***
Empfangsleistung, Internet und Navi:
Der Empfang im D2-Netz ist gut aber nicht außergewöhnlich. In dieser ländlichen Region ist D2 nur über Edge oder Gprs verfügbar. Das konnte das Prada 3.0 auch nicht ändern. Trotzdem ist der Empfangsbalken gut gefüllt. Das schafft das LG besser als das HTC Desire HD, welches ich zuvor hatte.
HSPA+ soll ebenfalls möglich sein, konnte ich jedoch nicht testen. Das surfen unter HSPA ist allerdings schon flott genug. Internetseiten werden schnell und fehlerfrei mit dem Dophin-Browser dargestellt.
Das GPS-Signal wird vorbildlich innerhalb von wenigen Sekunden aufgebaut und der eigene Standort kann innerhalb von unter 10 Sekunden ermittelt werden.
Eine 50km Route berechnet das LG Prada innerhalb von 5 Sekunden.
Das Scrollen per Google-Maps im Satellit-Modus ist hervorragend flüssig und die Landschaft baut sich auf dem Display innerhalb von höchstens 2 Sekunden vollständig auf.
Der Wlan-Empfang besitzt eine ebenfalls vorbildliche Reichweite. Selbst wenn kein Balken mehr zu erkennen ist, kämpft die Hardware darum trotzdem noch ein Fünkchen abzufangen und zwar dort, wo selbst ein HTC HD oder auch ein Netbook schon Schwierigkeiten aufweisen.
Dafür gibt es volle 5 Sterne!
*****
Display:
Sehr lobenswert sollte erwähnt werden, dass LG sein Prada mit einer bereits aufgeklebten Schutfolie auf dem Display und auf den Seitenrahmen ausliefert. Das mit dem Begriff "NOVA" beworbene LCD-Display ist extrem Hell. Ich habe es auf 30% Leistung am Tage in meinen vier Wänden laufen. Selbstverständlich spiegelt es und man sieht alle Fingerabdrücke darauf, aber die extreme Leuchtkraft ist selbst bei sonnigem Wetter erstklassig.
Wie erwartet reagiert das LG Prada schnell auf alle Berührungen. Es hängt allerdings nur kurz nach dem Neustart des Betriebssystems ein wenig, erholt sich aber innerhalb von 10 Sekunden. Selten kann es vorkommen, dass ein Fingertipp nicht registriert wird. Ansonsten gibt es keine Probleme.
Zu beanstanden gibt es allerdings die Auflösung, die, gemessen am Preis, doch hätte großzügiger ausfallen können, als mit nur 800x480 Pixel. Trotzdem macht die grafische Darstellung keinen unscharfen oder pixeligen Eindruck, ganz im Gegenteil. Es wirkt sauber, scharf und detailreich. Der sehr gute Kontrast nimmt nur leicht ab, wenn man von der Seite auf das LCD blickt. Gorilla-Glas wurde ebenfalls nicht verbaut, daher kann man davon ausgehen, dass das Display nicht kratz- und stoßsicher ist.
Glaubt man den Angaben des Prada, so verbraucht das Display knapp über 70% des Energiebedarfs.
4 Sterne, weil es doch hätte mehr für's Geld sein können.
****
Hardware-Leistung:
Das Herzstück des LG Prada ist ein OMAP-4430 Dualcore-Prozessor von Texas Instruments, der mit 1Ghz getaktet ist. Unterstützt wird dieser von einem 1Ghz Arbeitsspeicher, der im Dualchannel läuft. Das soll für ordentliche Arbeitsleistung und Multitasking ohne Ruckler sorgen. In der Tat werden Spiele recht schnell geladen und laufen sehr flüssig, auch wenn im Hintergrund das Virusprogramm und andere Hintergrundprogramme laufen. Selbst ein paralleler Download oder eine Installation können da das Prada 3.0 nicht aus der Ruhe bringen. Aber: Beim Benchmarktest per Vellamo ist das LG abgeschmiert und zwar so, dass es auf keinerlei Befehle mehr reagiert hat. Da half nur noch den Akku herauszunehmen, um einen Neustart zu erzwingen.
Danach klappte es allerdings mit dem Vellamo Benchmark Test: Der Score betrug 847.
Zum Vergleich:
Das Samsung Galaxy S2 hat eine Gesamtpunktzahl von 926.
HTC Sensation besitzt einen Punktestand von 769.
Das HTC Desire HD ist mit 622 trotz Single-Core-Prozessor auch noch gut dabei.
Das Motorola Atrix hat einen Score von 615 trotz Dualcore.
Rendering Test:
LG Prada - 338
Samsung S2 - 392
HTC Sensation - 350
Motorola Atrix - 241
Java-Script Test:
LG Prada - 210
Samsung S2 - 229
HTC Sensation - 176
Motorola Atrix - 197
User Experience:
LG Prada - 178
Samsung S2 - 174
HTC Sensation - 139
Motorola Atrix - 96
Networking:
LG Prada - 109
Samsung S2 - 131
HTC Sensation - 104
Motorola Atrix - 81
Wie man im Vergleich sehen kann, bleibt das LG Prada 3.0 stets knapp hinter dem Samsung Galaxy S2. Das ist trotzdem eine Top Leistung, wobei das S2 nicht so aktuell ist wie etwa das Prada und nebenbei bemerkt auch teilweise unter dem Preis des Prada zu bekommen ist. Ergebnisse der aktuellen Flaggschiffe von HTC, Samsung und Sony fehlen mir leider, wobei ich überzeugt bin, dass es das Prada schwer haben wird an die Leistung eines 1,5 GHZ Dualcore heranzureichen.
Trotzdem, so viel Leistung gebühren 5 Sterne.
*****
Musik und Gesprächsqualität:
Die Gesprächsqualität ist sehr gut. LG hat auf einen warmen und klaren Klang acht gegeben. Das Gespräch klingt weder hohl, noch blechern.
Die kleinen Lautsprecher auf der Rückseite klingen glücklicherweise nicht schrill und krächzend. Man hat ihnen die Höhen ein wenig genommen und so klingt das Prada zwar leicht hohl und etwas blechern, aber keineswegs nervig und schmerzhaft.
Und ebenso sieht es bei der Klangqualität des Musik-Players aus.
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