Was für ein Album. Zugegeben: am Anfang - quasi beim ersten Durchlauf - waren die sehr verworrenen Gedanken des Jochen Distelmeyer leicht nervig.
Aber je öfter man sich diese musikalische und auch sprachlich überzeugende Platte anhört, sozusagen bereit ist sich auch auf die vertonten Gedankengänge des Dornenboys einzulassen, desto mehr gefällt das Album. Nein, dann beginnt es süchtig zu machen und der Ein- oder Andere im Bekannten- und Familienkreis muss nun erkennen, dass das "Blumfeldopfer" sich an dieses wahrhaft beeindruckende Kunstwerk verloren hat.
Ja, das habe ich. Nun sitze ich hier, habe dieses Album innerhalb weniger Tage über 30 Mal angehört und entdecke immer wieder neue Spitzen, süffisante Äußerungen (...to sexy for the Führerbunker ) und sprachliche Bilder, die so schön sind, dass man vor Freude weinen möchte. Aber so werden sie höchstwahrscheinlich nur empfinden, wenn Sie Kopfstimmen und mit Dissonanzen gespickte Rockmusik wie im Lied Verstärker - mögen.
Und verstehen werden Sie diese Gedankengänge höchstwahrscheinlich erst, wenn Sie eine höhere Bildung genossen haben und die Texte von Schlagersängern oder neuen Deutschrockmusikgruppierungen a la Madsen als zu plump empfinden. Beispiel ?
Plötzlich ist Platzangst bei Dir und Du glaubst ihr wenn sie Dich fragt ob Du wüßtest wo Du hinwillst ist alles was Du weißt, daß Du bloß weg willst
weil Du nicht sagen kannst ,daß Du's nicht wüßtest aber irgend etwas Dir befiehlt ,daß Du das müßtest sagst Du: ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein. ( aus Sing Sing )
Seine süffisanten, beinahe zynischen Bemerkungen bereiten dann auch so richtig Freude, wenn man sie dann tatsächlich auch zu verstehen meint . So verstehe ich beispielsweise das oben angegebene Zitat, als Parodie auf das Poplied der Truppe Right Said Fred
(I am to sexy for....). Da gibts noch unzählige weitere Beispiele, hören Sie. Aber Distelmeyer kann natürlich auch anders. Meistens meint er es wirklich ernst...
Wer das hohe Niveau von Blumfeld bereits von anderen Tonträgern gewohnt ist, wird hier sicher nicht enttäuscht sein nicht umsonst, gilt sie auch unter Kritikern als ihre >> beste << Scheibe.
Distelmeyer bringt es dazu noch fertig, dieses gedankliche Wirrwarr gekonnt zu betonen, wobei der Gitarrenklang sich perfekt von Distelmeyers Stimme führen lässt. Doch was diese CD erst zu einer echten Rarität macht, sind die beiden zusätzlich zur früheren Version beigelegten Sondervertonungen der Lieder Verstärker und Ich wie es wirklich war. Ich persönlich empfinde seine Gedanken nun nicht mehr als verworren, da ich doch ein zentrales Thema herausgehört habe: die Liebe.
Großartig! Ein Kunstwerk, welches man bei anderen Gruppierungen vergeblich suchen wird.
Denk ich an Blumfeld in der Nacht...ja, dann kann ich beruhigt einschlafen! : - )