Dieses Album ragt aus allen anderen Blumfeld Alben und meiner Meinung nach auch aus allen anderen deutschsprachigen Alben heraus und wird gleichzeitig viel zu wenig gewürdigt.
Was Jochen Distelmeyer, Kopf und Texter der Band, hier auffährt sucht vor allem textlich in der deutschen Rock/Popmusik seinesgleichen. Ob melancholisch wie in "Draussen auf Kaution", wütend rockend auf den "Jet Set" oder einfach nur extrem komplex und politisch wie in "Sing Sing" dem Meisterstück des Albums, Distelmeyer hat für jede Lebenslage einen Song parat.
Die Texte geraten dabei durchweg sehr komplex und verkropft, sodass man sie teilweise auch beim 30ten hören immer noch nicht ganz verstanden hat, bzw. Fragmente plötzlich ganz anders versteht. Wenn man einen Titel zum dutzendsten Mal hört und auf einmal durchfährt einen die Erkenntnis was Distelmeyer überhaupt gemeint hat ist es einfach sehr befriedigend.
Die Texte sind durchgängig sehr poetisch und enthalten wohl mehr popkulturelle Zitate als ein Mensch jemals herausfinden könnte. Quasi jeder zweite Satz oder auch einzelne Worte sind irgendwo entliehen und verweisen auf andere Musikstücke, Filme etc.
Schon allein der Helikopter am Anfang von "Draussen auf Kaution" ist entliehen aus "Apocalypse Now". Somit erhalten die Texte noch mehr Tiefe als sie ohnehin schon haben, denn die Zitate werden natürlich nicht einfach blind aufeinander gesetzt, sondern ergeben in ihrer neuen Zusammensetzung einen eigenen Sinn.
Stellvertretend für die Texte zitiere ich hier ein Stück aus "Sing Sing"
Der Staat im Staat in der ersten Person
Selbstanklagen klingen hier nach Restauration einer Haut
die ist wie eine Blindenschrift
die sich ohne Berührungsängste lesen lässt
wie ein Fluchtversuch
eines Kriegsberichterstatters,
der sich selbst verflucht
weil er in Liebeserklärungen Auswege sucht
ud nichts findet.
Zur musikalischen Umsetzung lässt sich sagen, dass dieses Blumfeld Album noch ziemlich roh und rockig ist. Ein typisches Indie-Album mit Abwechslung, dass es zumindest mir nicht langweilig wird.