Wenn man an den Liebestrank denkt, fällt einem auf Anhieb erst einmal die Aufnahme unter
Richard Bonynge von 1970 mit der Starbesetzung Pavarotti/Sutherland ein, die bis vor kurzem aber dermaßen teuer war, dass man automatisch nach einer Alternative Ausschau hielt.
Dabei landete man dann - nicht nur wegen des Preises - fast zwangsläufig bei dieser Aufnahme, die in fast jeder Beziehung mindestens gleichwertig ist:
Statt Pavarotti bekommt man hier den jungen Domingo - und damit einen eleganteren, nicht so bäurischen, aber ebenso ausdrucksvollen Nemorino. Mir persönlich gefällt er sogar besser, aber das ist wirklich reine Geschmackssache.
Ileana Cotrubas ist eine im Vergleich zu der etwas matronenhaften, steifen Joan Sutherland sehr jugendliche, entzückende Adina - und technisch absolut gleichwertig.
Ein weiterer Trumpf ist der Sergeant von Ingvar Wixell, nicht wie so oft ein plumper Kraftprotz, sondern eine ebenso elegante wie selbstbewuste Erscheinung - auch mit der erforderlichen Gesangstechnik für diese durchaus anspruchsvolle Rolle.
Einzig Sir Geraint Evans gibt zwar einen durchaus komischen Quacksalber ab, kann aber stimmlich nicht (mehr) mithalten - bei der Rolle hat die Bonynge-Aufnahme klar die Nase vorn.
Insgesamt aber ist dies ein sehr spritziger, leichter und weniger auf die Stars als auf das Stück fixierter Liebestrank - und damit nicht nur ein preiswerter Ersatz, sondern für mich sogar die insgesamt beste Aufnahme der Oper.