LEGO Mindstorms ist wohl das für Papas interessanteste Packet, welches aus dem Hause LEGO kommt. DIESE Zielgruppe wurde vom Hersteller möglicherweise absichtlich und inoffiziell so festgelegt. Eine Altersfreigabe von 10+ kann ich nur in Maßen nachvollziehen, denn das Programmieren und Aufbauen dürfte nur den wenigsten Kindern in diesem Alter gelingen.
Mit der Hilfe eines "verspielten" Elternteils ist dieser Punkt jedoch kein Problem mehr.
Mein Sohn (7 Jahre) und ich (Hobbyelektroniker und Softwareentwickler) haben einen Riesenspaß mit den Modellen und den Möglichkeiten, die sich ergeben. Unter Anleitung lernen Kinder schnell und spielend die Zusammenhänge mechanischer Abläufe. Besonders Kinder haben immer wieder neue für sie einfache Ideen, die zu neuen Herausforderungen beim Bauen wachsen können.
Zum Inhalt:
1 NXT Baustein:
- 4 Input Ports (für Sensoren oder Lampe)
- 3 Output Ports (für 3 Servomotoren)
- USB 2.0 Anschluss
- Bluetooth (Class II)
- Lautsprecher
3 (etwas groß geratene) Servomotoren:
- Rotationssensor (Genauigkeit in 1° Abständen)
- synchroner Lauf mehrere Motoren möglich
1 Ultraschallsensor:
- misst Abstände zwischen ~3cm bis ~250cm zu einem Objekt per Ultraschall
- Messung erfolgt in ~3cm Schritten
2 Berührungssensoren:
- Reagieren auf Druck und Loslassen
1 Lichtsensor mit 3Farb-Lampenfunktion:
- fungiert als Lampe mit integrierter RGB-LED
- Farberkennung (Rot, Grün, Blau, Gelb, Schwarz, Weiß)
- Helligkeitsmessung von Räumen (mit ausgeschalteter LED)
- Graustufenmessung von Oberflächen (mit eingeschalteter LED)
Mit dem Startup-Packet kann man innerhalb sehr kurzer Zeit seine erste Maschine kreieren. Auf dieser Basis können schon die ersten logischen Abläufe getestet werden. Diese einfache und schrittweise Einführung führt den Anwender sehr schnell in die Bedienerführung und Funktionsweise des Programms LabVIEW ein. Diese Software arbeitet mit einem grafischen Benutzerinterface, welches per Drag&Drop das sehr einfache Hinzufügen von logischen Ketten ermöglicht. Das Arbeitsfenster und die Symbole der einzelnen Ablaufschritte sind jedoch etwas zu groß gehalten, dass man unter einer 1600er Bildschirmauflösung wohl kaum Spaß bei der Erstellung komplexerer Programmabläufe haben wird.
Erfreulich für den "erweiterten" Bastler sind die Möglichkeiten für den Ausbau (weitere Sensoren) und Programmierung (NBC/NXC - NeXT Byte Codes/Not eXactly C).
Wo viel Licht ist, ist auch Schatten:
LEGO selber scheint jedoch kein Interesse an Kompatibilität zu hauseigenen Systemen zu haben. Es gibt offiziell keine Möglichkeit Technics Elemente oder das alte RCX mit dem NXT zu kombinieren. Wünschenswert wären Adapterkabel zu den kleineren Motoren oder anderen Elementen der Power Functions gewesen. Auch die Verwendung der Fernbedienungen ist wohl nicht gewünscht. Dies könnte man verstehen, wenn die technische Umsetzung problematisch oder nicht möglich gewesen wäre, ABER: mit wenig Löterfahrung sind sehr schnell entsprechende Adapter gefertigt und selbst die Fernbedienung lässt sich mit sehr einfachen Tricks über Verbindung mit dem IR-Empfangsmodul in Funktion als Sensor für das NXT integrieren. Warum LEGO diese banalen Lösungen nicht offiziell als Part anbietet bleibt mir schleierhaft. Ein weiterer Mangel sind die völlig unnötig steifen Verbindungskabel und deren Steckersystem. Hier wurde ein RJ12 Steckersystem sinnfrei modifiziert (mittig sitzende Verrieglung wurde seitlich angebracht), um dem Anwender von der Fertigung eigener Verbindungskabel oder eventueller Adapter abzuhalten. Ob die teuren Modifikationen eines Standardsteckersystems den Kunden beim Kauf von Erweiterungen und Kabeln an LEGO binden werden, wage ich zu bezweifeln. Findige Drittanbieter haben da schon längst reagiert.
Ein nicht ganz so tragischer Nachteil ist der erschreckend geringe Speicherausbau des NXT (64KByte RAM + 256KByte Flash). Bereits zwei größere Programme ließen sich nicht zusammen auf das Gerät laden. Bei den heutigen Speicherpreisen hätte es ruhig mehr sein dürfen. Lösung: durch die Bluetooth-Schnittstelle lassen sich Sensordaten auswerten und Abläufe steuern, was auf jedem x-belibigen System mit dieser Schnittstelle möglich ist (Handy, PDA, PC) - das Programm muss somit nicht zwingend auf dem NXT laufen (Programmierkenntnisse vorausgesetzt).
Fazit:
+ tolle Ausstattung
+ einfache Bedienung
+ viele neue Teile
+ einfache Handhabung der Software mit guter Einführung
+ Fernsteuerung via Bluetooth möglich
+ offen dokumentierte Firmware (als Open Source)
- keine offizielle Kombination zum RCX oder den Power Functions
- unflexibles Kabelsystem mit modifizierten RJ12 Steckern
- geringe Speicherausstattung des NXT
- Bauanleitungen nur in LabVIEW (lediglich ein Basismodell ohne Sensoren als Anleitung in Papierform) => Kinder benötigen zum Bauen zwingend einen Computer
Trotz der negativen Punkte würde ich LEGO Mindstorms NXT 2.0 jedem empfehlen, der sich mit der Materie auseinandersetzen und Spaß beim Basteln haben möchte
Für den ambitionierte Bastler/Programmierer sind die "Mängel" alle lösbar.
Für Kinder alleine kann ich es für die angegebene Alterstufe jedoch NICHT empfehlen, da diese damit sicher überfordert sind. Umso schöner ist ein gemeinsames Bauen und Tüfteln mit den Eltern oder den größeren Geschwistern.
Spaßfaktor: 4 von 5 Sternen => da die oben genannten Mängel frustrieren können
Pädagogisch wertvoll: 5 Sterne => Kinder erlernen spielerisch logische Abläufe
Haltbarkeit: 5 Sterne => ganz klar, die Fertigungsqualität von Lego ist unschlagbar (trotz Plastik)
Gesamt: 4 von 5 Sterne => der Punkt Abzug vor allem für Kompatibilitätsprobleme zu den eigenen Komponenten