Mit dem LEGO City 7938 Passagierzug hält nach fast 30 Jahren wieder ein Lego Zug in unserem Haushalt. Selber hatte ich die 4,5V Variante, noch mit den blauen Schienen. Nun bekommt Junior die neuste Ausgabe aus der Lego Evergreen Reihe, welche über die Jahrzehnte einer ständigen Veränderung unterworfen war, aber immer weitesgehend zueinander kompatibel blieb. "Meine" kleine Dampflok (Lego-Nr. 126) kann z.B. immer noch ihre Runden auf dem aktuellen Lego Gleismaterial drehen. Die 12V bzw. 9V Varianten der 80er allerdings nicht, da hier den neuen Gleisen die Elektrifizierungsmöglichkeit fehlt. Was dabei jedoch durchaus zum Vorschein kommt, ist das, wie bei der echten Eisenbahn, verschiedene Systeme miteinander kombiniert werder könnten und so immer wieder Kompromisse eingegangen werden müssten. Irgendwie ist das Lego Eisenbahn System damit näher am Orginal, als viele "echte" Modelleisenbahnen. Dort arbeitet ja auch alte, manuelle Stellwerktechnik parallel mit moderner Computertechnik.
Nun zum 7938. Das Zusammenbauen fiel unserem 6-jährigen nicht schwer. Allerdings müssen 3 Zugteile einzeln gebaut werden, diese werden dann zu einem Fahrzeug zusammengekoppelt. Dem Kinderköpfchen kocht da nach der Hälfte schon leicht das Oberstübchen, da ein konzentriertes Arbeiten notwendig ist (Motor, Batteriekasten und IR-Sensor wollen schließlich richtig herum angeschlossen werden) Ein allzu ehrgeiziger Baumeister könnte hier frustiert werden. Besser ist es dem Kind dabei zur Seite zu sein und kleinere Pausen einzulegen, so wird das zusammenbauen aber dann zu einem echten Vergnügen. Vor allem, wenn der "komplizierte" Zug mit dem Infrarot-Sensor dann als Erfolgserlebnis seine Bahnen dreht. Da kommt dem kleinen Ingenieur dann zu Recht stolzes Strahlen ins Gesicht.
Schwierig finde ich jedoch die vielen "Spezial"-Teile, die bei solchen Lego Modellen zum Einsatz kommen. Falls mal nicht mit Lego gespielt wird, sollte das Modell peinlich genau aufbewahrt werden, damit es in einem Stück bleibt. Den Zug einfach mit anderem Lego in eine Kiste zu packen und dann irgendwann mal wieder zusammenzubauen, könnte scheitern, weil Einzelteile unauffindbar verschwunden sind. Daher kann auch der Motor nicht einfach für den Bau eigener Modelle genutzt werden, obwohl die Eigenkonstruktionen bei Lego am meisten Spaß machen. Stets bleibt das Risiko, den Zug nicht mehr in ein Stück zu kriegen. Mit dieser Sorgfalt, wären m.E. 6-jährige dann mehr überfordert, als mit dem eigentlichen Zusammenbau.
Schade ist es, das dieses Modell ohne Beleuchtung daher kommt. Der
"Vorgänger" hatte noch Lampen eingebaut. Solche Lämpchen können jedoch z.B. über Lego einzeln gekauft und dann mit etwas Geschick in dieses Modell eingebaut werden.
Mit der IR-Fernbedienung kommt mein Sohn bald besser zu Recht als ich. Allerdings ist die Größe der Fernbedienung eher für Kinderhände geeignet. Dafür ist sie schön leicht, fühlt sich allerdings "billig" an bzw. erweckt keinen besonders hochwertigen Eindruck. Leider ist die Höchstgeschwindigkeit des Zuges nur auf langen Geraden ausfahrbar, in den Kurven muss merklich langsamer gefahren werden. Dies mag zwar der Realität entsprechen, aber jüngere Kinder lieben es nun mal, ordentlich Gas zu geben (bisweilen übrigens auch ältere Väter).
Schön sind die neuen flexiblen kurzen Gleisstücke, hier können die kleinen Gleisbauer endlich entstehende "Mini"-Lücken ausgleichen. Diese treten fast immer auf, wenn die Schienen spielerisch und nicht "ordentlich" geplant verlegt werden. Im Karton befindet sich auch noch ein kleiner "Bahnhof" der mehr einer S-Bahn Haltestelle entspricht. Der Bahnhof ist leider zu kurz für den ganzen Zug, so das der Zug nicht mit ganzer Länge am Bahnsteig halten kann.
Die beiliegende Batteriebox wird mit 6 AAA Batterien bestückt, dazu kommen noch 3 AAA Batterien für die Fernbedienung, also insgesamt 9 dieser kleinen Kraftspender. Wenn dann noch irgendwann einmal ein zweiter Zug angeschafft wird, würden nocheinmal 6 Stück fällig. Da habe ich dann doch gleich einmal AAA-Akkus samt Ladegerät erstanden. Immerhin noch günstiger als die vormals von Lego ausgelieferte Akku Box.
Während der Fahrt produziert unsere Lok ein lautes Pfeifgeräusch. Das selbe Geräusch produziert auch unser
Lego RC Auto, daher scheint es sich wohl um irgendeine Eigenheit dieser Antriebsart zu handeln. Es ist auf jeden Fall mit der Zeit recht nervig, aber die Lok zieht ja nicht stundenlang ihre Bahnen.
Abschließend möchte ich noch meinen persönlichen Eindruck mitteilen, das sich für mich die einzelnen Lego Steinchen "anders" anfühlen, als früher. Irgendwie machen diese einen "weicheren" Einruck auf mich, hier kann ich mich jedoch täuschen und ich habe diesen Eindruck nicht in die Bewertung einfliessen lassen, möchte ihn jedoch nicht unwerwähnt lassen. Dem Spielspaß entsteht dadurch jedenfalls kein Abbruch.
Alles in allem ist dieses Produkt ein schöner Zug von Lego. Für die Zukunft würde ich mir ein "Einsteiger" Modell wünschen, welches aus simpleren Lego Steinchen besteht und die jüngeren Kinder mehr zum Zerlegen, Basteln und Konstruieren einlädt.