Oh la la, les Français' Wer hätt's gedacht, wenn sie wollen, kriegen sie richtig schön runde und böse Komödien hin. Nicht zu albern, nicht zu blutig, leichte, aber äußerst schmackhafte Filmkost. Da weiß man ganz genau, was drin ist, was den Gästen des treffenderweise als rot betitelten Gasthofes leider nicht immer so klar ist, wenn sie dort einkehren' Na, dann wollen wir den Franzosen mal in die Töpfe gucken.
Pierre und Rose Martin (Christian Clavier, "Asterix und Obelix" und Josiane Balasko, "Zu schön für dich") betreiben L'Auberge Rouge, den bereits erwähnten roten Gasthof, irgendwo mitten in den Bergen Frankreichs. Die von ihnen zubereiteten Speisen sind äußerst lecker, da in Roses Rezeptsammlung immer wieder Gäste des Gasthofes verschwinden, um dann in Würstchen oder Suppen ihre Wiederauferstehung zu feiern. Fürs Grobe ist bei diesem Prozedere der grenzdebile Ziehsohn der beiden zuständig, der sich mit Schweinen verständigen und bestens mit Vorschlaghammer und Axt umgehen kann. Und auch Tochter Matilde ist in die kulinarischen Machenschaften ihrer Eltern verwickelt, eine ganz ausgekochte Sippe sozusagen.
Hors-d'oeuvre:
Priester Canus samt Priesteranwärter Octave (Gérard Jugnot und Jean-Baptiste Maunier, Lehrer und Schüler aus "Die Kinder des Monsieur Matieu") sind auf dem Weg zum nächsten Kloster, um Octave dort abzuliefern. Ob des schaurig schlechten Wetters hält Canus unterwegs eine Kutsche an und bittet um eine Mitfahrgelegenheit. Diese wird ihm gewährt von einem mitteljungen Ehepaar samt grantiger Schwiegermutter, einem tuckigen Stoffhändler, einem Anwalt, einem Holzfäller und der heimkehrenden Tochter Matilde. Kurze Zeit später bricht ein wahres Unwetter los und unsere Reisenden suchen Zuflucht bei Madame et Monsieur Martin. Oh-oh...
Plat principal:
Die sind grade damit beschäftigt, den letzten Gast zu verwursten, heißen die Vielzahl neuer Gäste aber natürlich herzlich willkommen. Nun muss nur noch die Abreise der neuen Tagesgerichte unter allen Umständen verhindert werden, schließlich kostet es Zeit, diese alle in den Topf zu verfrachten. Dank einiger Überredungskünste und eines mit Schlafmitteln versetzten Tees gelingt dies sogar. Nur Octave kommt nicht in den Genuss desselben, da er gerade die Vorzüge der fleischlichen Lust an und mit Matilde entdeckt. Ebenso der Priester bleibt verschont, da Madame Martin vorsichtshalber die Beichte abgelegt hat und der Priester somit weiß, was hier vor sich geht. Leider aber darf er ja sein Schweigegelübde nicht brechen.
Dessert:
Also versucht er, seine Mitreisenden vor diesem mörderischen Gasthofs-Paar zu retten, was sich aber ob zur Schau gestellter Arroganz des semi-adeligen Packs oder des einschläfernden Tees als fast unmöglich gestaltet. Mehr und mehr beginnt die Situation aus dem Ruder zu laufen, die Missverständnisse häufen sich und führen zu den aberwitzigsten Situationen. Der Priester will alle retten, die Martins wollen alle kochen, die Reisenden wollen alle schlafen oder vögeln. Viel zu tun also noch in dieser ungemütlichen Nacht...
Der erfahrene Regisseur Gérard Krawczyk hat hier eine rabenschwarze Burleske mit herausragendem Ensemble auf die Beine gestellt. Regisseur und Schauspielern merkt man deutlich an, wie gut sie ihr Handwerk verstehen und offensichtlich jede Menge Spaß beim Dreh gehabt haben. Sicherlich, dies ist kein anspruchsvoller Film, aber als leichte Kinounterhaltung funktioniert er in seinen 95 Minuten ganz wunderbar. Die Scherze sind verschmitzt bis derbe, streckenweise ist ein apartes Overacting zu beobachten, jede Rolle ist herrlich überzeichnet. Dennoch, die Darsteller überzeugen, agieren mit Witz und Charme und die Story kommt temporeich und spaßig daher. Es gibt einen amüsanten Running Gag mit dem Holzfäller, es ist fast anrührend, dem jungen Octave beim Entdecken seiner ersten Liebe zuzusehen, unsere lukullischen Leichenfledderer sind rau, aber herzlich und die Gruppe Reisender ist ein überaus illustrer Haufen voller Animositäten und Schrullen. Es wird debattiert, gestritten, gekocht, gemeuchelt, verdächtigt, geflüchtet, zurückgekehrt und dann geht es wieder von vorne los. Was für ein Haufen, fantastisch!
Ein überaus leckerer Eintopf mit nur den allerbesten Zutaten, der, wenn man kein Gala-Diner erwartet, satt und zufrieden macht. Kurzweilig, gelungen, herrlich schräg und witzig, so geht es zu in der L'Auberge rouge, also, unbedingt mal reinschauen, wird schon gut gehen! Vier von fünf selbstgemachten Würstchen mit aufgedruckter Zutatenliste.