Zur Zeit von Heyse sprach man von den 'Heyseschen Mädchengestalten'. Und zwar weil eben die Mädchen in seine Novellen die Hauptfiguren waren. Aber keine typischen kleinen schwachen Frauen, sondern durchaus willensstarke, selbstbewusste Menschen, die ihre Fehler auch eingestehen können und bereit sind für die Liebe zu kämpfen.
So natürlich auch in den beiden hier vorliegenden Novellen. In 'L'Arrabbiata' ist es Laurella, von allen im Dorf nur L'Arrabbiata genannt (sie weist alle Menschen von sich und möchte vor allem mit Männern nichts zu tun haben), die nach einem heftigen Streit der auch körperliche Verletzung zur Folge hat (ein Mann gesteht ihr seine Liebe, sie weist ihn schroff zurück), zu ihrem 'Geliebten' geht und ihm ihren Fehler und zugleich auch ihre Liebe zu ihm gesteht.
In 'Das Mädchen von Treppi' geht es um eine verflossene Liebe. Diese ist allerdings nur auf seiten des Mannes verflossen, denn immerhin sind mittlerweile 7 Jahre vergangen und sie hat ihn damals abgewiesen. Und auch hier kämpft das Mädchen, welches zuerst recht naiv und weltfremd rüberkommt, um die Liebe des Mannes, welche bei ihr nie verloschen war und nur aus Dummheit verleugnet wurde. Und nicht nur das, sie rettet ihm sogar das Leben.
Darf man diversen Quellen glauben, dann wird Paul Heyse heutzutage nicht mehr gelesen. Achtet man dann mal darauf, wie wenig Bücher es überhaupt noch vom Nobelpreisträger käuflich zu erwerben gibt, scheinen die Quellen sogar zu stimmen. Und ich muss leider sagen, dass ich es durchaus verstehe. Die Novellen von Heyse sind einfach überholt. Es sind ganz nette Geschichtchen die man sich abends vielleicht mal vorlesen oder natürlich auch allein lesen kann. Auch die Beschreibungen des vom Autor so geliebten Italien sind ganz schön und damals in den 1850er Jahren, wo eben die meisten Leuten nicht so einfach ins Ausland konnten, war es wohl auch schön ein Land wenigstens auf literarische Art und Weise kennen zu lernen, aber heute braucht man so was nicht mehr. Diese beiden Novellen sind ganz nett, man muss sie aber nicht gelesen haben, finde ich.